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Ist es ihm erlaubt, Allāh darum zu bitten, dass das Mädchen, welches er heiraten wollte und das gestorben ist, seine Braut im Paradies sein wird?

 


Ist es ihm erlaubt, Allāh darum zu bitten, dass das Mädchen, welches er heiraten wollte und das gestorben ist, seine Braut im Paradies sein wird?

 

Frage (Nr. 126724):

 

Die Tochter meines Onkels starb bei einem Unfall und ich wollte ihr eigentlich einen Heiratsantrag machen. Ist es mir erlaubt, Allāh darum zu bitten, sie zu meiner Braut im Paradies zu machen, oder ist das eine Übertreibung im Du`ā’? Möge Allāh euch mit Gutem belohnen.

 

Antwort:

 

Alles Lob gebührt Allāh.

 

Zunächst einmal bitten wir Allāh darum, diesem Mädchen Seine Gnade zuteil werden zu lassen, sie in Sein Paradies einzulassen und ihre Familie und alle ihre Verwandten mit Geduld und Trost zu segnen.

 

Wir raten dir, ihre Eltern freundlich zu behandeln und ihnen dabei behilflich zu sein, ihre Prüfung zu überstehen. Du selber solltest die Bestimmung Allāhs akzeptieren und davon überzeugt sein, dass alles in Seiner Hand liegt, dass Er alles in diesem Universum kontrolliert, dass Er gewaltige Weisheit besitzt und Er kann nicht über das befragt werden, was Er tut, doch sie werden befragt werden.

 

Es gibt keinen Grund, warum du nicht darum bitten solltest, dass dieses Mädchen deine Frau im Paradies sein wird, wenn Allāh es will.

 

Doch du solltest es bevorzugen, Allāh um Gnade und Vergebung für sie zu bitten und um eine Erhöhung ihres Ranges im Paradies. Dies wird ihr von Nutzen sein und du wirst mit Allāhs Erlaubnis dafür belohnt werden. 

 

Wir befürchten, dass du in dieser Angelegenheit übertreiben oder dieses Du`ā’ zu häufig verwenden könntest. Das könnte deine Fixierung auf sie noch verstärken und dein Leben beeinträchtigen oder dich davon abhalten, nach dem zu streben, was dich in dieser Welt keusch halten wird, nämlich eine halāl Ehe. Wir müssen dich darauf hinweisen, damit du nicht in Extreme verfällst, denn sie ist gestorben und kein Mahram für dich. Hüte dich also davor, mit deiner Trauer zu sehr zu übertreiben und das, was du verpasst hast, zu sehr zu bedauern. Allāh hat eine festgesetzte Zeit für alle Dinge.

 

Wir erinnern dich an die Verse, in denen Allāh sagt (ungefähre Bedeutung):Und Wir werden euch ganz gewiss mit ein wenig Furcht und Hunger und Mangel an Besitz, Seelen und Früchten prüfen. Doch verkünde frohe Botschaft den Standhaften, die, wenn sie ein Unglück trifft, sagen: „Wir gehören Allāh, und zu Ihm kehren wir zurück.“ Sie sind es, denen Segnungen von ihrem Herrn und Erbarmen zuteil werden, und sie sind die Rechtgeleiteten.“ (2:155-157).

 

Scheikh al-Sa`di (möge Allāh ihm barmherzig sein) sagte: „Allāh informiert uns darüber, dass Er Seine Diener auf jeden Fall mit Versuchungen prüfen wird, um so zwischen denen zu unterscheiden, die aufrichtig sind, und denen, die lügen; zwischen denen, die die Nerven verlieren, und denen, die ihre Geduld bewahren. Dies ist Seine Methode mit Seinen Dienern, denn wenn Leichtigkeit immer für die Gläubigen gelten würde und keine Prüfungen sie treffen würden, dann würde es keinen Unterschied geben zwischen denen, die Glauben besitzen, und denen, die keinen besitzen, was zur Verdorbenheit führt. Die Weisheit Allāhs gebietet es, dass zwischen den Leuten des Guten und denen des Übels unterschieden werden muss.

 

Das ist der Zweck der Prüfungen und nicht, den Gläubigen ihren Glauben zu nehmen oder sie von ihrer Religion abwendig zu machen. Allāh lässt den Glauben eines Gläubigen niemals verloren gehen und Er teilt uns in diesem Vers mit, dass Er Seine Diener „mit ein wenig Furcht“ vor Feinden „und Hunger“ prüfen wird. Das heißt, Er wird sie mit ein wenig von beidem testen, denn wenn Er sie mit extremer Angst oder Hunger prüfen würde, dann wären sie verdammt. Doch das Wichtige an Prüfungen ist es, den Unterschied hervorzuheben, und nicht, die Menschen zu verdammen.

 

„Mangel an Besitz“ umfasst alle Arten von Verlust des Vermögens, wie z. B. durch Katastrophen vom Himmel, Überschwemmung, Verlust, Enteignung durch ungerechte Herrscher, Banditen usw.

 

Der Begriff „Seelen“ bezieht sich auf den Verlust von geliebten Menschen wie Kinder, Verwandte und Freunde durch verschiedene Krankheiten im Körper des Menschen oder bei denen, die er liebt.

 

Der Begriff „Früchte“ bezeichnet hier Getreide, die Früchte der Dattelpalmen und weiterer Bäume sowie Pflanzen, durch Hagel oder Kälte oder Feuer oder Heuschrecken und Ähnliches.

 

Diese Dinge werden unweigerlich eintreten, denn der Allwissende hat uns darüber informiert und so werden sie geschehen. Wenn es soweit ist, gibt es zwei Arten von Menschen: diejenigen, die die Nerven verlieren, und diejenigen, die geduldig sind. Wer die Nerven verliert, leidet unter zwei Miseren: der Verlust eines geliebten Menschen und der Verlust von etwas noch Bedeutenderem, nämlich der Belohnung, die er hätte erlangen können, wenn er dem Befehl Allāhs gefolgt wäre, sich in Geduld zu üben. Und so erleidet er Verlust, Entbehrung und eine Abnahme seines Glaubens. Er verliert Geduld, Duldsamkeit und Dankbarkeit und der göttliche Zorn trifft ihn, was bezeichnend ist für seinen gewaltigen Verlust.

 

Derjenige, dem Allāh hilft, beim Eintritt solcher Unglücke geduldig zu bleiben, kontrolliert sich selbst und äußert weder in Wort noch in Tat Unzufriedenheit. Er strebt darin nach Lohn bei Allāh und erkennt, dass die Belohnung, welche er durch seine Geduld erlangt, größer ist als das Unglück, welches ihn getroffen hat. Tatsächlich ist das Unglück ein Segen, denn es wird zu einem Weg, etwas Besseres und Nützlicheres zu erlangen. Er hat dem Befehl Allāhs gehorcht und erhält den Lohn. Daher sagt Allāh (ungefähre Bedeutung): „Doch verkünde frohe Botschaft den Standhaften“, das heißt: Überbringe ihnen die frohe Botschaft, dass ihnen ihr Lohn ohne Abrechnung gegeben wird. Die Standhaften sind jene, die diese gewaltige frohe Botschaft verdient haben und das großzügige Geschenk von Allāh.

 

Dann beschreibt Er sie als die, wenn sie ein Unglück trifft“, was sich auf alles bezieht, was das Herz oder den Körper oder beide peinigt, von den oben genannten Dingen.

 

„[Sie] sagen: „Wir gehören Allāh“, das heißt: Wir sind Diener Allāhs, Seinem Befehl und Seiner Kontrolle unterliegend; wir haben keine Kontrolle über uns selbst oder unseren Besitz. Wenn Er uns mit etwas davon prüft, dann hat der Barmherzigste derer, die Barmherzigkeit zeigen, über Seine Diener und ihren Besitz verfügt, und Er kann nicht zurückgewiesen werden. Vielmehr ist es Teil der vollständigen und vollkommenen Unterwerfung und Dienerschaft Allāh gegenüber (`Ubūdiyyah), zu erkennen, dass das Unglück vom Allweisen stammt, Der zu Seinem Diener barmherziger ist als dieser selbst, und deshalb muss er mit Allāh zufrieden sein und Ihm danken für Seine Bestimmung, denn das ist besser für den Diener, selbst wenn er das nicht erkennt. Denn wir alle gehören Allāh und wir werden am Tag der Auferstehung zu Ihm zurückgebracht und jedem Einzelnen werden seine Taten vergolten. Sind wir also geduldig und erstreben die Belohnung bei Ihm, dann werden wir bei Ihm reichlichen vorfinden. Doch wenn wir panisch reagieren und wütend werden, dann werden wir nichts anderes erhalten als den göttlichen Zorn und den Verlust von Lohn. Jeder Mensch gehört Allāh und wird zu Ihm zurückkehren und das ist eines der stärksten Mittel der Geduld.

 

„Sie“, das heißt diejenigen, die oben als standhaft beschrieben werden „sind es, denen Segnungen von ihrem Herrn …  zuteil werden“ das heißt: Lob und Rede über ihren Vorzug.

 

„Und Erbarmen zuteil werden“, welches übergroß ist. Teil Seiner Barmherzigkeit ihnen gegenüber ist, dass Er ihnen hilft, geduldig zu sein, wodurch sie die volle Belohnung erhalten.

 

„Und sie sind die Rechtgeleiteten“ – jene, die die Wahrheit kennen, was sich in diesem Kontext auf ihr Wissen bezieht, dass sie Allāh gehören, zu Ihm zurückkehren werden und dementsprechend handeln und dass ihre Geduld um Allāhs willen ist.

 

Dieser Vers zeigt, dass derjenige, der nicht geduldig ist, das Gegenteil von dem erhält, was sie bekommen, und deshalb werden sie von Allāh getadelt und bestraft, in die Irre geleitet und Verlust erleiden. Wie gewaltig ist der Unterschied zwischen den zwei Gruppen und wie gering ist die Anstrengung der Geduldigen und wie groß das Leid derjenigen, die in Panik geraten.

 

Diese zwei Verse informieren uns darüber, dass wir über Unglücke nachdenken sollten, bevor sie eintreffen, um so ihren Einfluss zu verringern und sie zu erleichtern, wenn sie tatsächlich geschehen, und sie erklären, wie wir darauf reagieren sollten, wenn sie tatsächlich geschehen, nämlich mit Geduld. Sie erklären außerdem, was dem Menschen hilft, geduldig zu bleiben, die Belohnung des Geduldigen und die Situation derjenigen, die nicht geduldig bleiben, was das Gegenteil der Geduld ist. Darüber hinaus informieren sie uns darüber, dass diese Unglücke und Versuchungen das Gesetz Allāhs sind und es gibt keine Alternative zum Gesetz Allāhs. Sie beschreiben auch die verschiedenen Arten von Unglücken.“ (Tafsīr al-Sa`di, S. 75)

 

Denkt über die folgenden Worte des Propheten (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) nach und über diese Lehren der Salaf:

 

Es wurde berichtet, dass die Mutter der Gläubigen, Umm Salamah (möge Allāh mit ihr zufrieden sein) sagte: „Ich hörte den Gesandten Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) sagen: `Es gibt keinen Muslim, der von einem Unglück getroffen wird und das sagt, was Allāh ihm anbefohlen hat – Wahrlich, zu Allāh gehören wir und zu Ihm ist unsere Rückkehr. Oh Allāh, belohne mich für mein Unglück und entschädige mich mit etwas Besserem. – ohne dass Allāh ihn mit etwas Besserem entschädigt.“ Sie sagte. „Als Abu Salamah starb, sagte ich: `Wer von den Muslimen ist besser als Abu Salamah, der erste Haushalt, der auswanderte, um sich dem Gesandten Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) anzuschließen?` Ich sagte es und Allāh entschädigte mich mit dem Gesandten Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm).“ Sie fuhr fort: „Der Gesandte Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) sandte Hātib ibn Abi Balta`ah zu mir mit seinem Heiratsantrag, doch ich sagte: `Ich habe eine Tochter und ich habe einen eifersüchtigen Charakter.` Er antwortete: `Was ihre Tochter anbelangt, so bitten wir Allāh, sie von ihr unabhängig zu machen, und ich bitte Allāh, dass Er ihre Eifersucht hinwegnimmt.“ (Muslim in seinem Sahīh #918)

 

Bitte Allāh also, dich für dein Unglück zu belohnen und mit etwas Besserem zu entschädigen. Bitte Allāh auch für dieses Mädchen und für alle verstorbenen Muslime, indem du für sie um Vergebung und Barmherzig betest.

 

Und Allāh weiß es am besten.

 

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