Gibt es tatsächlich Zauberei? Ist es erlaubt, bei den Praktizierenden der Zauberei um Behandlung zu bitten?
Frage (Nr. 12578):
Gibt es so etwas wie Zauberheiler? Wie sollen wir reagieren, wenn jemand sagt, er glaube nicht an Magie, da es nur eine Illusion sei?
Antwort:
Alles Lob gebührt Allāh.
Erstens:
Sihr (Magie oder Zauberei) ist ein Wort, das sich auf etwas Verborgenes bezieht. Es ist real und es gibt verschiedene Arten der Zauberei, die die Menschen psychisch und physisch beeinträchtigen können, sodass diese krank werden und sterben oder Mann und Frau sich trennen. Die Auswirkungen treten durch den Willen Allāhs ein. Es sind teuflische Handlungen, von denen die meisten nur durch Schirk und die Annäherung an die Jinn und Schayātīn (Satan) mittels dessen, was diese lieben, durchgeführt werden können und sie basieren wiederum auf Schirk, nämlich der Beigesellung anderer zu Allāh.
Es gibt Ärzte, die auch Zauberei praktizieren und die Menschen dadurch behandeln, dass sie die Hilfe der Jinn erflehen. Sie behaupten, Wissen über die Krankheit zu besitzen, ohne diese aber zu identifizieren, und sie empfehlen dem Patienten Speisen und Getränke, durch die er sich seinem Gefährten unter den Jinn annähert. Er kann ihm dann sagen, er solle ein Schwein schlachten und dabei darüber Bismillah zu sprechen oder ein zwar erlaubtes Tier, doch ohne Bismillah zu sagen oder während er den Namen eines der Satane erwähnt.
Das ist Kufr (Unglaube an Allāh) und es ist unter keinen Umständen erlaubt, zu solchen Leuten zu gehen. Die Hadd-Strafe für sie ist die Hinrichtung. Es wurde durch drei Sahābah (möge Allāh mit ihnen zufrieden sein) belegt, dass die Ausübenden der Zauberei zu Tode gebracht werden müssen.
Dem Ständigen Komitee wurde eine Frage über diese Angelegenheit gestellt, in der es hieß: „In Zambia gibt es einen Muslim, der behauptet, er hätte einen Jinn bei sich, und die Leute kommen zu ihm und bitten ihn um Behandlung ihrer Krankheiten, wobei der Jinn sagt, wie diese Behandlung durchzuführen ist. Ist das erlaubt?“
Sie antworteten: „Es ist dem Mann nicht gestattet, die Jinn zu benutzen, und es ist den Leuten nicht erlaubt, zu ihm zu gehen und um Behandlung ihrer Krankheiten durch die Jinn zu bitten oder ein anderes Bedürfnis anhand dieser Methode zu stillen.
Eine Behandlung durch menschliche Ärzte zu erbitten und erlaubte Medizin zu verwenden, ist ausreichend und dadurch besteht kein Bedarf an anderen Mitteln. Die Menschen werden damit sicher vor der Zauberei der Magier bewahrt.
Es wurde in einem sahīh Bericht überliefert, dass der Gesandte Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) sagte: „Wer zu einem Wahrsager geht und ihn über etwas befragt, dessen Gebet wird für 40 Tage nicht angenommen werden.“ (Muslim)
Und es wurde von den Autoren von al-Sunan sowie von al-Hākim, der es als sahīh einstufte, berichtet, dass der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) sagte: „Wer zu einem Wahrsager geht und an das glaubt, was er sagt, ist ungläubig geworden an das, was Muhammad offenbart wurde.“
Dieser Mann und seine Gefährten von den Jinn werden den Wahrsagern zugerechnet und somit ist es nicht erlaubt, sie über etwas zu befragen oder ihnen zu glauben.“ (Fatāwa al-Lajnah al-Dā’imah, 1/408, 409)
Scheikh `Abd al-`Azīz ibn Bāz sagte: „In Anbetracht der Tatsache, dass es gegenwärtig so viele Scharlatane gibt, die sich als Ärzte ausgeben und die Menschen durch Magie und Zauberei behandeln, wobei sie die Naivität der Ungebildeten ausnutzen, denke ich, dass ich die ernsthafte Gefahr erläutern sollte, die dadurch für den Islam und die Muslime entsteht. Denn dies beinhaltet eine Abhängigkeit von etwas anderem als Allāh und es ist ein Widerstand gegen Seinen Befehl und den des Gesandten Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm). Daher sage ich, den Beistand Allāhs erflehend: Es ist entsprechend dem Konsens der Gelehrten erlaubt, nach eine Behandlungsmethode zu suchen. Der Muslim kann zu einem Arzt gehen und um Behandlung von inneren Krankheiten bitten, von Verletzungen, Nervenleiden etc. So kann der Arzt die Krankheit identifizieren und auf angemessene Weise behandeln. Basierend auf seinem Wissen kann er durch die Scharī`ah erlaubte Medizin anwenden, denn das fällt in die Kategorie der Anwendung von gewöhnlichen Mitteln und steht nicht im Widerspruch dazu, das Vertrauen in Allāh zu legen. Allāh hat die Krankheit herabgesandt, doch Er sandte sie nicht ohne Heilmittel herab. Jene, die es kennen, kennen es, und jene, die es nicht kennen, kennen es eben nicht. Allāh aber hat für Seine Diener nicht ein Heilmittel erschaffen, welches für sie verboten ist. Deshalb ist es dem Kranken nicht gestattet, zu einem Wahrsager zu gehen, der behauptet, das Verborgene zu kennen, um bei diesem den Grund für sein Leiden herauszufinden. Auch ist es nicht erlaubt, an das zu glauben, was solche Leute erzählen, denn sie sprechen vom Verborgenen ohne Wissen oder sie versammeln die Jinn und erbitten deren Hilfe bei ihrem Vorgehen. Das Urteil über diese Leute lautet, dass sie Kuffār und irregeleitet sind, denn sie behaupten, Wissen über das Verborgene zu besitzen. Muslim berichtete in seinem Sahīh, dass der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) sagte: „Wer zu einem Wahrsager geht und ihn über etwas befragt, dessen Gebet wird für 40 Tage nicht angenommen.“ Und es wurde von Abu Hurayrah (möge Allāh mit ihm zufrieden sein) berichtet, dass der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) sagte: „Wer zu einem Wahrsager geht und an das glaubt, was er sagt, ist ungläubig geworden an das, was Muhammad offenbart wurde.“ (Abu Dawūd; die vier Autoren von al-Sunan; von al-Hākim als sahīh eingestuft) Es wurde auch berichtet, dass `Imrān ibn Husayn (möge Allāh mit ihm zufrieden sein) sagte: Der Gesandte Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) sagte: „Er gehört nicht zu uns, der Vogelzeichen beobachtet oder das für sich tun lässt oder der um Weissagungen bittet oder das für sich tun lässt oder der Zauberei praktiziert oder das für sich tun lässt. Wer zu einem Wahrsager geht und an das glaubt, was dieser sagt, ist ungläubig geworden an das, was Muhammad offenbart wurde.“ (al-Bazzār mit einem jayyid Isnād)
Diese Ahādīth zeigen, dass es verboten ist, zu Wahrsagern, Magiern, Hexen und Ähnlichen zu gehen, ihnen Fragen zu stellen und ihnen zu glauben. Eine Warnung ergeht an jene, die das tun! Gemeindevorsteher und Inhaber von Autorität und Einfluss müssen es verbieten, zu solchen Leuten zu gehen, und sie dürfen es niemandem, der auf solchen Gebieten tätig ist, erlauben, sich auf Marktplätzen und an anderen Orten anzubieten. Sie sollten sie nachdrücklich verurteilen und auch diejenigen, die zu ihnen gehen. Wir sollten uns nicht von der Tatsache verleiten lassen, dass sie manchmal Recht haben oder dass viele Leute sie aufsuchen, denn diese sind unwissend. Der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) verbot es, zu ihnen zu gehen, ihnen Fragen zu stellen und ihnen zu glauben, denn darin liegt ein gewaltiges Übel, eine ernste Gefahr und der Weg zu schlimmen Konsequenzen. Außerdem sind sie unmoralische Lügner. Diese Ahādīth zeigen auch, dass Wahrsager und Hexen zu den Kuffār gehören, da sie behaupten, Wissen über das Verborgene zu besitzen, was Kufr darstellt, und da sie ihre Ziele nur erreichen, indem sie den Jinn dienen und sie anstelle von Allāh anbeten, was ebenfalls Kufr darstellt bzw. Unglauben an Allāh und die Beigesellung anderer zu Ihm (Schirk). Wer ihnen glaubt und ihren Behauptungen, sie würden Wissen über das Verborgene besitzen, ist wie sie. Jeder, der zu solchen Leuten geht und mit ihnen arbeitet, ist vom Gesandten Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) verstoßen worden. Es ist dem Muslim nicht erlaubt, das von ihnen Angebotene als Behandlung zu akzeptieren, wie z. B. wenn sie ihren Hokuspokus murmeln oder Blei gießen oder andere Arten ihres Nonsens vollziehen. Das alles gehört zur Zauberei und dient nur dem Betrug der Menschen. Wer es akzeptiert, unterstützt sie auf ihrem Irrweg und Kufr.“ (Majmū` Fatāwa al-Scheikh ibn Bāz, 3/274-281)
Zweitens:
Es gibt tatsächlich Zauberei (Sihr) und es ist keine Illusion. Durch Allāhs Erlaubnis kann es einen Effekt haben.
Al-Qurāfi sagte: „Sihr ist real und die Person, gegen die sie angewendet wird, kann sterben oder ihre Natur oder Eigenschaften können geändert werden, selbst wenn sie nicht selber damit umgeht. Das entspricht der Ansicht von al-Schāfi`i und ibn Hanbal…“ (al-Furūq, 4/149)
Die Mu`tazali, die Qadari und einige der Gelehrten vertraten eine andere Ansicht, doch diese sollte nicht beachtet werden. Al-Qurāfi und andere erwähnten, dass die Sahābah darin übereinstimmten, dass sie real ist, bevor jene auftauchten, die das leugneten.
Der Beweis der Ahl al-Sunnah darüber lautet wie folgt:
- Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „… sondern die Teufel waren es (ungläubig), indem sie die Menschen in der Zauberei unterwiesen und in dem, was auf die (beiden) engelhaften Männer) in Babel, Harut und Marut, herabgesandt worden war. Und sie (beide) unterwiesen niemanden (in der Zauberei), ohne zu sagen: „Wir sind nur eine Versuchung; so werde (darum) nicht ungläubig.“ Und so lernten sie von ihnen (beiden) das (Zaubermittel), womit man Zwietracht zwischen den Ehegatten stiftet. Doch können sie damit niemandem schaden, außer mit Allāhs Erlaubnis. Und sie erlernten, was ihnen schadet und nicht nützt. …“ (2:102). Dieser Vers zeigt deutlich, was wir zu erklären versuchen, nämlich dass Sihr (Zauberei) real ist und dass die Ausübenden der Zauberei durch sie einen Bruch zwischen Eheleuten herbeiführen können. Sie können den Menschen durch ihre Magie schaden, aber sie können nur mit Allāhs Erlaubnis Schaden verursachen.
- Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „und vor dem Übel der Knotenanbläserinnen (d. h.: der Zauberinnen, die bei ihrem Zauber auf die Knoten in Stricken oder Fäden blasen)“ (113:4). Das bezieht sich auf Hexen, deren Magie durch das Binden von Knoten und das anschließende Pusten auf diese erfolgt. Gäbe es keine Zauberei, dann hätte Allāh uns nicht angewiesen, davor Zuflucht zu suchen.
- Einen weiteren Beweis findet man in der Tatsache, dass der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) von dem Juden Labīd ibn al-A`sam verzaubert wurde. Das geht aus einem sahīh Hadīth hervor, der von al-Bukhāri und Muslim verzeichnet wurde.
Ibn al-Qayyim sagte: „Die Zauberei, welche Krankheit verursacht, Lethargie, Geisteskrankheit, Liebe, Hass und Wahnvorstellungen, ist etwas, das existiert und bekannt ist unter den Menschen. Viele kennen sie aus eigener Erfahrung.“ (al-Tafsīr al-Qayyim, S. 571)
Drittens:
Es gibt viele Arten der Zauberei, dazu gehören auch Illusionen und die Täuschung des menschlichen Auges.
Doch nicht jede Art des Sihr ist so. Einige der Gelehrten listeten verschiedene Arten der Zauberei auf und kamen auf acht Arten, von denen die bekanntesten die folgenden sind:
- Knoten und Zauberformeln: Es werden Worte und irgendwelcher Kauderwelsch rezitiert, wodurch die Hexe in der Lage ist, die Satane für das zu benutzen, womit sie dem Menschen schaden möchte. Doch Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Doch können sie damit niemandem schaden, außer mit Allāhs Erlaubnis.“ (2:102).
- Tricks mit der Hand: Sie sind geübt und schnell darin, etwas Verstecktes hervorzuholen. Beispielsweise kann ein Zauberer eine Taube mitbringen, vor den Zuschauern strangulieren und wenn er sie anschließend mit seiner Hand aufscheucht, steigt sie auf und fliegt davon. Doch tatsächlich war etwas Betäubendes in seiner Hand, woran sie gerochen hat und die Zuschauer dachten, sie sei tot. Wenn er sie dann anstößt, wacht sie von ihrer Benommenheit auf.
- Täuschung des Auges: Das ist sehr verbreitet unter den Lügnern. Der Zauberer sticht nicht wirklich mit einem Schwert in seinen Körper, sondern er täuscht die Zuschauer lediglich und steckt das Schwert an seine Seite. Die Leute glauben, er würde es durch seine Körpermitte führen. Solche Betrüger sind uns bekannt geworden, denn unter den Zuschauern befinden sich auch jene, die sich durch Qur’ān-Rezitation und Dhikr schützen und die Allāhs viel gedenken, während sie in der Versammlung sind und den Zauberer beobachten. So konnten sie sehen, was tatsächlich geschieht, anders als diejenigen, die sich verhexen lassen.
- Die Verwendung von Chemikalien: Das wird erfolgreich angewendet von jenen, die wissen, wie die Substanzen miteinander reagieren und die so eine Substanz herstellen, die von anderen Substanzen nicht beeinträchtigt werden kann, wie der Sufi Rifā`iyyah, der die Leute glauben ließ, dass das Feuer ihm und seinen Anhängern nicht schaden könne. In Wahrheit waren sie von einer feuerfesten Substanz bedeckt. Scheikh al-Islam ibn Taymiyah (möge Allāh ihm barmherzig sein) forderte sie auf, sich vor dem Eintritt in das Feuer mit heißem Wasser zu waschen, was sie ablehnten, denn es hätte ihren Betrug aufgedeckt.
Es gibt viele weitere Dinge, die von den Ausübenden der Magie getan werden, die aber nicht geschehen könnten, wenn Allāh es nicht bestimmte.
Siehe Tafsīr ibn Kathīr, 1/146; Majmū` Fatāwa al-Scheikh ibn `Uthaymīn, 2/178; al-Sihr von Scheikh `Umar al-Aschqar.
Und Allāh weiß es am besten.
Islam Q&A