Niemand kennt das Verborgene im absoluten Sinne außer Allāh
Frage (Nr. 101968):
Ich möchte gern wissen, was der Qur’ān über das Wissen Allāhs über das Verborgene sagt. Ich habe in einem Hadīth gelesen, dass der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) uns darüber informierte, dass die Jinn dem Wahrsager einen Teil der Wahrheit mitteilen, welchen dieser mit 100 Lügen vermischt und uns dann auftischt. In einem anderen Hadīth informiert uns der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) darüber, dass die Astrologie nur auf Lügen basiert und dass die Sonne und der Mond nichts als Zeichen Allāhs sind.
Wie können die Jinn die Zukunft voraussagen, wenn nur Allāh diese kennt?
Antwort:
Alles Lob gebührt Allāh.
Das Wissen über das Verborgene ist etwas, das Allāh bei Sich Selbst behalten hat, wie in den Texten von Qur’ān und Sunnah belegt wird. Allāh sagt (ungefähre Bedeutung):
„Sag: Über das Verborgene weiß nicht Bescheid wer in den Himmeln und auf der Erde ist, außer Allāh; und sie merken nicht, wann sie auferweckt werden.“ (27:65)
„Er verfügt über die Schlüssel des Verborgenen; niemand kennt sie außer Ihm. Und Er weiß, was auf dem Festland und im Meer ist. Kein Blatt fällt, ohne dass Er es weiß; und (es gibt) kein Korn in den Finsternissen der Erde und nichts Feuchtes und nichts Trockenes, das nicht in einem deutlichen Buch (verzeichnet) wäre.“ (6:59).
Der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) erklärte diese Schlüssel so, dass sie sich auf fünf Dinge beziehen, die in der Sūrah Luqmān erwähnt werden, wo Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Gewiss, Allāh (allein) besitzt das Wissen über die Stunde, lässt den Regen herabkommen und weiß, was im Mutterleib ist. Niemand weiß, was er morgen erwerben wird, und niemand weiß, in welchem Land er sterben wird. Gewiss, Allāh ist allwissend und allkundig.“ (31:34).
Al-Bukhāri berichtete in seinem Sahīh (Hadīth #4477), dass `Ā’ischah (möge Allāh mit ihr zufrieden sein) sagte: „Wer dir sagt, dass er weiß, was morgen geschehen wird, der lügt.“ Dann rezitierte sie: „Niemand weiß, was er morgen erwerben wird.“
Doch es ist in diesem Zusammenhang wichtig zu wissen, was das Verborgene ist, dessen Kenntnis Allāh bei Sich Selbst verborgen hat. Denn al-Ghayb (das Verborgene) bezeichnet das, was nicht gesehen wird und was entweder von keinem Geschöpf gesehen werden kann – weder von denen in den Himmeln noch von denen auf der Erde – sodass diese Art des Verborgenen niemandem außer Allāh bekannt ist, oder das, was al-Ghayb al-mutlaq genannt wird (das Verborgene im absoluten Sinne), oder dieses Angelegenheit kann einigen Leuten verborgen bleiben und anderen bekannt sein. Somit wird es verborgen genannt für denjenigen, der kein Wissen darüber besitzt, doch es ist nicht verborgen oder unbekannt für alle Menschen und die Kenntnis darüber ist nicht nur bei Allāh. Scheikh ibn `Uthaymīn (möge Allāh ihm barmherzig sein) sagte in Scharh al-`Aqīdah al-Wāsitiyyah (S. 158): „Mit dem Verborgenen ist das gemeint, was nicht gesehen wird. Das Verborgene aber ist relativ. Was aber im absoluten Sinne verborgen bleibt (al-Ghayb al-mutlaq) ist nur Allāh bekannt.“
Was Wahrsager über Dinge sagen, die in der Zukunft geschehen werden, hat nichts zu tun mit dem Verborgenen oder mit Wissen über das Verborgene und es ist keine Kenntnis über das, was in der Zukunft passieren wird. Vielmehr sind sie Lügner und erheben falsche Behauptungen. Doch der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) hat uns darüber informiert, dass sie Wissen stehlen, welches Allāh Seinen Engeln offenbart hat. Es wurde berichtet, dass `Ā’ischah (möge Allāh mit ihr zufrieden sein) sagte: „Einige Leute befragten den Propheten (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) über Wahrsager und er sagte: `Sie sind nichts.` Sie sagten: `Oh Gesandter Allāhs, sie sagen etwas und es trifft ein.` Der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) erwiderte: `Das ist ein wahres Wort, welches der Jinn einfängt und in das Ohr seines Gefährten schnattert, wie ein Huhn vor sich hin schnattert, und sie vermischen damit mehr als 100 Lügen.`“ (al-Bukhāri #7561)
Der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) erklärte auch, wie der Jinn solch ein Wort stiehlt. Er sagte: „… wenn euer Herr, gesegnet ist Sein Name und erhaben, eine Angelegenheit bestimmt, verherrlichen die Träger des Thrones Ihn, dann verherrlichen die Bewohner des Himmels, die ihnen am nahsten stehen, Ihn, bis der Tasbīh die Bewohner des niedrigsten Himmels erreicht. Dann fragen jene, die den Trägern des Thrones am nahsten stehen: `Was hat euer Herr gesagt?`, und sie berichten ihnen davon. Die Bewohner der Himmel fragen einander nach den Neuigkeiten, bis diese den untersten Himmel erreichen. Die lauschenden Jinn schnappen sich, was sie können und übermitteln es an ihre Gefährten. Was sie gehört haben, ist wahr, aber sie fügen Lügen hinzu.“ (Muslim #2229)
Somit ist klar, dass die Jinn kein Wissen über das Verborgene besitzen, sondern sie stehlen Aussagen der Engel, die aber selber kein Wissen besitzen außer dem, was Allāh ihnen mitteilt. Nachdem es ihnen mitgeteilt wurde, zählt es nicht mehr zum Verborgenen im eigentlichen Sinne und abgesehen davon sind sie wie jedes andere Geschöpf und wissen nichts vom Verborgenen. Es hängt einzig von der Information ab, die Allāh ihnen überlässt. Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „(Er,) der Kenner des Verborgenen – Er enthüllt niemandem das, was bei Ihm verborgen ist“ (72:26).
Scheikh ibn `Uthaymīn (möge Allāh ihm barmherzig sein) sagte: „Der edelste der Gesandten unter den Engeln, Jibrīl, forderte den edelsten der menschlichen Gesandten, Muhammad (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) auf: `Erzähle mir von der Stunde.` Dieser antwortete: `Darüber weiß der Befragte ebenso wenig wie der Fragende`, womit er meinte, dass er kein Wissen darüber besaß.“ (Scharh al-`Aqīdah al-Wāsitiyyah, S. 158)
Und Allāh weiß es am besten.
Islam Q&A