Misstrauisch gegenüber den Absichten desjenigen sein, der einem Essen gab
Frage (Nr. 177054):
Wenn jemandem Essen oder Trinken von einer Person geschenkt wird, von der man aus Erfahrung oder durch objektive Beurteilung eher erwarten kann, dass sie einem schaden möchte (wie z. B. durch schwarze Magie oder in körperlicher Hinsicht), was sollte man dann tun? Ist die Ablehnung des Angebotenen ein Zeichen für mangelhaften Glauben an Allāh bzw. von Yaqīn? Wo liegen die Grenzen von Yaqīn, falls es welche gibt? Wie kann man dies im Zusammenhang damit verstehen, dass der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) von einer jüdischen Frau vergiftet wurde und er hörte nicht auf, das vergiftete Fleisch zu essen, obwohl er erkannt hatte, dass es Gift enthielt?
Antwort:
Alles Lob gebührt Allāh.
Erstens:
Das Grundprinzip besagt, dass wir von einem Muslim nur das Beste denken und ihn nur in positivem Licht betrachten sollten hinsichtlich dessen, was er sagt und tut. Wir sollten nicht schlecht von ihm denken oder ihn verdächtigen, denn die Verdächtigung ist die schlechteste Sprache. Das gilt, solange er nichts tut, was dem entgegensteht. Der Muslim ist der Bruder seines Gefährten unter den Muslimen. Er sollte für ihn an Gutem lieben, was er für sich selbst liebt, und für ihn verabscheuen, was er für sich selbst an Schlechtem verabscheut. Wenn ein Muslim dir etwas zu Essen oder Trinken anbietet, dann lautet das Grundprinzip, dass du von ihm gut denken solltest, außer du siehst deutlich etwas, das das Gegenteil anzeigt. Einflüsterungen des Schaytān sollte keine Beachtung geschenkt werden, ebenso wenig wie Zweifeln, die nicht auf einem gesunden Beweis basieren.
Al-Bukhāri (#5144) und Muslim (#2563, 4917) berichteten von Abu Hurayrah, dass der Gesandte Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) sagte: „Hütet euch vor Verdächtigungen, denn sie sind die schlechteste Rede. Sucht nicht nach den Fehlern der anderen, spioniert einander nicht aus, wetteifert nicht miteinander, beneidet einander nicht, hasst einander nicht, wendet euch nicht voneinander ab. Seid, oh Diener Allāhs, Brüder.“
In `Aun al-Ma`būd (9/2195-2196) heißt es: „`Hütet euch vor Verdächtigungen` bedeutet: Hütet euch davor, Verdächtigungen zu folgen oder hütet euch vor schlechtem Denken, denn die Verdächtigung ist eine Anschuldigung, die ohne Beweis vorgebracht wird.“
Al-Bayhaqi berichtete in al-Schu`ab (8344), dass Ja`far ibn Muhammad sagte: „Wenn ihr etwas über euren Bruder hört, das euch nicht gefällt, dann sucht nach Entschuldigungen für ihn von den 70 Entschuldigungen. Könnt ihr eine für ihn finden, dann ist alles in Ordnung, ansonsten sagt: Vielleicht hat er eine Entschuldigung, die ich nicht kenne.“
Al-`Allāmah ibn Bāz (möge Allāh ihm barmherzig sein) sagte: „Dem Gläubigen ist vorgeschrieben, seinen Bruder zu respektieren, wenn er eine Entschuldigung vorbringt, seine Entschuldigung zu akzeptieren, wenn das möglich ist, und von ihm so gut wie möglich positiv zu denken, sich darum zu bemühen, die Herzen freizuhalten von Ärger und sich zum Ziel zu setzen, Einheit und Zusammenarbeit im Guten herbeizuführen. Es wurde von `Umar (möge Allāh mit ihm zufrieden sein) berichtet, dass er sagte: `Denke nicht schlecht über irgendein von deinem Bruder geäußertes Wort, wenn du eine gute Interpretation dafür finden kannst.“ (Majmū` Fatāwa ibn Bāz, 26/365)
Deshalb iss und trink von dem, was dein Bruder dir anbietet, und achte nicht auf Verdächtigungen und Einflüsterungen. Denke nicht schlecht von ihm, außer du siehst einen klaren Beweis dafür oder du glaubst, dass es wahrscheinlich der Fall ist, auf der Grundlage von unterstützenden Beweisen, sodass es einen Grund gibt, vorsichtig zu sein.
Was bloße Einflüsterungen und bloßen Argwohn angeht, so besteht kein Zweifel, dass dies einem mangelhaften Glauben entspringt und dem Befolgen der Ärgernisse, die der Schaytān unter den Gläubigen zu verbreiten sucht.
Zweitens:
Sicherheit (Yaqīn) bezeichnet im Allgemeinen das Stützen einer Ansicht auf einen klaren Beweis hinsichtlich jeder theoretischen oder praktischen Angelegenheit sowie das Zerstreuen von Zweifeln und Mutmaßungen. Daher sagten die Fuqaha‘ (Gelehrte) folgende bekannte Worte: „Sicherheit kann nicht durch Zweifel aufgehoben werden.“
Es heißt in al-Mausū`ah al-Fiqhiyyah (45/287): „Yaqīn bedeutet vom linguistischen Standpunkt aus Wissen zu besitzen, Zweifel zu zerstreuen und zu verstehen, wie eine Angelegenheit ist. Es ist das Gegenteil von Zweifel. Man erlangt Sicherheit über eine Sache, wenn sie bewiesen wurde und deutlich wird.“
Yaqīn entsprechend der Gelehrten bedeutet die Sicherheit im Herzen, dass etwas geschah oder nicht geschah.
Drittens:
Es gibt keinen Beweis dafür, dass der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) von dem vergifteten Schaf weiter aß, nachdem er erkannt hatte, dass es vergiftet war. Die von ihm berichteten Texte weisen auf das Gegenteil hin.
Abu Dawūd (#4512) berichtete, dass Abu Salamah sagte: „Der Gesandte Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) pflegte Geschenke anzunehmen, doch er aß nicht von dem, was als Spende gegeben wurde.“ Und er fügte hinzu: „Eine jüdische Frau in Khaybar gab ihm ein gebratenes Schaf, welches sie vergiftet hatte, und der Gesandte Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) aß davon ebenso wie die Leute. Er sagte: `Hebt eure Hände (d. h. hört mit dem Essen auf), denn es wurde mir mitgeteilt, dass es vergiftet wurde.`“ (von al-Albāni als sahīh eingestuft; siehe auch al-Bukhāri #3169; Muslim #2190)
Al-Dārimi (#8) berichtete: „Eine jüdische Frau aus Khaybar gab ihm ein gebratenes Schaft und er aß davon ebenso wie Bischr ibn al-Bara‘. Dann hörte der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) mit dem Essen auf und sagte: `Mir wurde mitgeteilt, dass es vergiftet ist.`“
Gemäß al-Bazzār (#6675) sagte er: „Eines seiner Beine hat mir mitgeteilt, dass es vergiftet ist.“ So unterbrach der Gesandte Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) das Essen und auch diejenigen, die bei ihm waren.
Gemäß ibn Ishāq: „Als sie es vor ihn hinlegte, nahm er das Vorderbein und biss davon ab, doch er konnte es nicht schlucken.“ (al-Bidāyah wa-l-Nihāyah, 4/240; siehe auch Dalā’il al-Nubuwwah, 4/353)
Für weitere Informationen siehe bitte in den Antworten auf die Fragen #112196 und 130499.
Und Allāh weiß es am besten.
Islam Q&A