Was ist der Nutzen des Istikhāra-Gebets, wenn die Dinge doch bereits bestimmt sind?
Frage (Nr. 112094):
Was ist der Nutzen des Bittens, Betens und Bemühens, wenn die Bestimmung Allāhs ohnehin zum Tragen kommt?
Antwort:
Alles Lob gebührt Allāh.
Allāh hat das Du`ā’ zu einem Mittel bei der Erreichung von Zielen des Menschen gemacht. Der Herr erfreut sich daran, wie Er sagt (ungefähre Bedeutung): „Euer Herr sagt: `Ruft Mich an (d. h. glaubt an Meine Einheit – den islamischen Monotheismus – und bittet Mich um alle), so erhöre Ich euch. Gewiss, diejenigen, die sich aus Hochmut weigern, Mir zu dienen, werden in die Hölle gedemütigt eingehen.`“ (40:60).
Ist dies erst einmal verstanden, dann gibt es keine Verwirrung, denn Allāh hat die Dinge entsprechend ihren Ursachen bestimmt. Wenn also beispielsweise bestimmt wurde, dass jemand ein Kind haben soll, dann muss zwangsläufig eine Heirat vorausgehen und der Geschlechtsverkehr der Ehepartner, damit daraus ein Kind entstehen kann. Das Ergebnis kann nicht eintreten ohne die Ursache. Das gesamte Universum basiert auf dem Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung.
Dasselbe gilt für Du`ā’ oder auch Istikhārah.
Allāh hat viele Dinge bestimmt, die daran geknüpft sind, Ihn anzuflehen oder zu bitten, und das gewünschte Ergebnis tritt nicht ein ohne die Ursache oder die Anwendung des Mittels, nämlich das Du`ā’, zusätzlich zu den sichtbaren Ursachen. Die Ahādīth des Propheten (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) bestätigen dies deutlich.
Es wurde von ibn `Umar (möge Allāh mit ihm zufrieden sein) berichtet, dass der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte: „Das Du`ā’ kann nutzen hinsichtlich dessen, was bereits geschah oder was noch nicht geschah, haltet euch daher an das Du`ā’, oh Diener Allāhs.“ (al-Tirmidhi #3548; von al-Albāni in Sahīh al-Jāmi` #3409 als hasan klassifiziert)
Scheikh al-Islam ibn Taymiyah sagte in Majmū` al-Fatāwa (8/69): „Wenn jemand sagt, dass er kein Du`ā’ verrichtet oder Allāh bittet, weil er sich auf die göttliche Bestimmung verlässt, dann irrt er. Denn Allāh hat das Du`ā’ und das Bitten zu einem Mittel gemacht, um Seine Vergebung, Barmherzigkeit, Rechtleitung, Unterstützung und Versorgung zu erlangen. Wenn für einen Menschen Gutes bestimmt wurde, wird er durch das Du`ā’ erreichen, was er ohne Du`ā’ nicht erreichen könnte. Was Allāh bestimmt hat und über die Umstände und Schicksale Seiner Diener weiß, wurde nur auf der Grundlage der Mittel bestimmt, und die Bestimmung wird zur gesetzten Zeit erfüllt. Alles, was in dieser Welt oder im Jenseits geschieht, geschieht aufgrund des Ursache-Wirkungs-Prinzips und Allāh ist der Schöpfer sowohl der Ursache als auch der Wirkung.
Eine Missachtung dieses Prinzips steht dem gesunden Verstand entgegen.“
Er sagte auch (8/287): „Einer von ihnen sagte: `Das Du`ā’ ist nichts anderes als reiner Gottesdienst, denn was bestimmt wurde, wird geschehen, ob man nun Du`ā’ spricht oder nicht.` Ihm wurde geantwortet: `Allāh hat das Du`ā’ zum Mittel beim Erreichen des gewünschten Ergebnisses gemacht, welches bestimmt wurde, wie also kann es eintreffen ohne Du`ā’?`“
Ibn al-Qayyim (möge Allāh ihm barmherzig sein) sagte in al-Jawāb al-Kāfi (S. 4): „Das Du`ā’ ist eines der nützlichsten Heilmittel. Es ist der Feind des Unglücks, es wendet dieses ab, beseitigt es, verhindert es, verschafft Erleichterung oder verringert es, wenn es eintritt. Es ist die Waffe des Gläubigen. Im Falle eines Unglücks muss eines von drei Szenarien zutreffen:
- Das Du`ā’ ist stärker als das Unglück und somit wehrt es das Unglück ab.
- Es ist schwächer als das Unglück, sodass das Unglück es überkommt und den Menschen trifft. Doch das Unglück könnte zumindest verringert werden, auch wenn das Du`ā’ schwach ist.
- Sie widerstehen einander und jedes davon hemmt das andere.“
Scheikh ibn `Uthaymīn sagte in al-Majmū` al-Thamīn min Fatāwa Fadīlat al-Scheikh Muhammad ibn Sālih al-`Uthaymīn (1/157): „Das Du`ā’ ist eines der Mittel, durch die das Erbetene erlangt wird. Tatsächlich wendet es die göttliche Bestimmung ab und nichts wendet die göttliche Bestimmung ab außer dem Du`ā’ und das kann auf zwei Arten geschehen. Beispielsweise kann ein Kranker Allāh um Heilung bitten und wäre es nicht um des Du`ā’ willen, dann würde er krank bleiben, doch er wurde durch Zuhilfenahme des Du`ā’ geheilt. Wir aber sagen: Allāh bestimmte, dass der Kranke von seiner Krankheit geheilt werden sollte, und dies entspricht der Bestimmung. Er glaubt, dass er ohne das Du`ā’ nicht geheilt worden wäre, doch tatsächlich hat es die göttliche Bestimmung nicht abgewendet. Denn das Grundprinzip lautet, dass das Du`ā’ vorherbestimmt war und dass die Heilung unter Zuhilfenahme dieses Du`ā’ erlangt wurde. Dies ist die ursprüngliche Bestimmung, die vor Ewigkeiten festgelegt wurde. Dasselbe gilt für alles, für das bestimmt wurde, dass es durch irgendwelche Mittel oder Ursachen geschehen soll. Allāh hat diese Mittel zur Ursache gemacht, damit die Angelegenheit eintreten kann, und genau dies wurde vor Ewigkeiten bestimmt, bevor es eintraf.“
Die Gelehrten des Beständigen Komitees für die Ausgabe von Fatwas wurden gefragt: „Wendet das Du`ā’ die göttliche Bestimmung ab?“
Sie antworteten: „Allāh hat das Du`ā’ empfohlen und festgelegt. Er sagt (ungefähre Bedeutung):
„Euer Herr sagt: `Ruft Mich an (d. h. glaubt an Meine Einheit – den islamischen Monotheismus – und bittet Mich um alle), so erhöre Ich euch. …`“ (40:60)
„Und wenn dich (oh Muhammad) Meine Diener nach Mir fragen, so bin Ich nahe (mit Meinem Wissen); Ich erhöre den Ruf des Bittenden, wenn er Mich anruft (ohne Vermittler). ….“ (2:186).
Wenn jemand sich selbst also mit den empfohlenen Mitteln hilft und Allāh im Du`ā’ anruft, dann ist das Teil der göttlichen Bestimmung und er drängt einen Teil der göttlichen Bestimmung mit einem anderen zurück, wenn Allāh das will. Es ist in einem sahīh Hadīth belegt, dass der Gesandte Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte: „Einem Menschen kann die Versorgung entzogen werden aufgrund der Sünden, die er begeht. Und die Bestimmung wird durch nichts anderes abgewehrt als durch Du`ā’ und nichts verlängert die Lebensspanne außer Rechtschaffenheit.“ (Fatāwa al-Lajnah al-Dā’imah 1/195)
Sie wurden auch gefragt (24/243): „Verringert das Du`ā’ Unglück? Erweist Allāh uns Güte als Ergebnis des Du`ā’? Wie kann es sein, dass Allāh Unglücke zu den Menschen herabsendet, trotzdem sie Ihn im Du`ā’ anrufen?“
Sie antworteten: „Das Du`ā’ ist eine gottesdienstliche Tat für Allāh und Allāh hat uns befohlen, Ihn anzurufen, wie Er sagt (ungefähre Bedeutung):
„Euer Herr sagt: `Ruft Mich an (d. h. glaubt an Meine Einheit – den islamischen Monotheismus – und bittet Mich um alle), so erhöre Ich euch. Gewiss, diejenigen, die sich aus Hochmut weigern, Mir zu dienen, werden in die Hölle gedemütigt eingehen.`“ (40:60)
„Und wenn dich (oh Muhammad) Meine Diener nach Mir fragen, so bin Ich nahe (mit Meinem Wissen); Ich erhöre den Ruf des Bittenden, wenn er Mich anruft (ohne Vermittler). So sollen sie nun auf Mich hören und an Mich glauben, auf dass sie besonnen handeln mögen.“ (2:186).
Das Du`ā’ kann Elend reduzieren, es abwenden oder ein größeres Unglück verhindern. Der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte: „Nichts wendet die göttliche Bestimmung ab außer dem Du`ā’.“ Wenn ein Unglück eintrifft, ist es Sühne für Sünden und erhöht den Rang der Menschen. Wenn ein Leid den Muslim befällt, sollte er es mit Geduld ertragen und die Belohnung bei Allāh erstreben und er sollte sich nicht über die göttliche Bestimmung beschweren.“
Diesen Ausführungen ist ein Verständnis der Angelegenheit inschaAllāh zu entnehmen. Wenn der Muslim das Istikhāra-Gebet und Du`ā’ als Mittel zur Erreichung seiner Ziele versteht, wird er es niemals vernachlässigen und er wird niemals versuchen, etwas auf andere Weise zu erlangen. Das Du`ā’ wird zu einer Quelle der Stärke und ein Weg zum Guten für den Muslim, wie Allāh es wünscht.
Für weitere Informationen siehe bitte in der Antwort zu Frage #11749.
Und Allāh weiß es am besten.
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