Islam Fragen & Antworten

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Die Besessenheit durch Jinn und die Regeln dazu

 

Die Besessenheit durch Jinn und die Regeln dazu

 

Frage (Nr. 73412):

 

Können Jinn von Menschen Besitz ergreifen? Und falls das möglich ist, wie wird eine solche Person am Tag des Gerichts für ihre Taten während dieser Besessenheit zur Rechenschaft gezogen?

 

Antwort:

 

Alles Lob gebührt Allāh.

 

Erstens:

 

Ja, es ist möglich, dass Jinn von Menschen Besitz ergreifen. Allāh sagt in Seinem Buch (ungefähre Bedeutung): „Diejenigen, die Zins (Ribā) verschlingen, werden nicht anders aufstehen (am Tag der Auferstehung) als jemand, den der Satan durch Wahnsinn hin und her schlägt. …“ (2:275).

 

Siehe auch in den Antworten auf die Fragen #11447, 42073, 39214 und 1819.

Scheikh al-Islam ibn Taymiyah (möge Allāh ihm barmherzig sein) sagte: „Die Tatsache, dass ein Jinni den Körper eines Menschen betreten kann, wird durch den Konsens der Imāme der Ahl al-Sunnah wa-l-Jamā`ah belegt. Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Diejenigen, die Zins (Ribā) verschlingen, werden nicht anders aufstehen (am Tag der Auferstehung) als jemand, den der Satan durch Wahnsinn hin und her schlägt. …“ (2:275) und in al-Sahīh wird vom Propheten (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) berichtet, dass `der Schaytān durch den Sohn Ādams wie dessen Blut fließt.`“ (Majmū` al-Fatāwa, 24/276, 277)

 

Zweitens:

 

Besessenheit ist eine Art Krankheit. Wenn jemand mit dieser Erkrankung verständig ist, dann hat er die Entscheidungsmöglichkeit und wird für seine Worte und Taten zur Rechenschaft gezogen. Hat ihn seine Krankheit aber überkommen, sodass er seinen Verstand und freien Willen verloren hat, dann ist er wie ein Geisteskranker und nicht verantwortlich. Deshalb wird im Arabischen das Wort „Mass“ (Besessenheit) so verwendet, dass es sich auf „Junūn“ (Geisteskrankheit) bezieht. Siehe Lisān al-`Arab (6/217). Begeht er aber Handlungen, mit denen er die Grenzen überschreitet, während er geistig eingeschränkt ist, und zerstört er das Eigentum anderer, dann muss er dafür Entschädigung leisten.

 

Siehe Zād al-Ma`ād, 4/66-71.

 

Es heißt in al-Mausū`ah al-Fiqhiyyah (16/106): „Die Fuqaha‘ stimmen darin überein, dass Geisteskrankheit wie Bewusstlosigkeit und Schlaf zu werten ist. Sie ist sogar noch schlimmer hinsichtlich des Verlustes des freien Willens und sie macht alles Gesagte ungültig. Denn die Aussagen desjenigen, der schläft, sind ungültig. Dazu gehören auch Scheidung, die Annahme des Islams, Apostasie, Verkauf, Kauf etc. Deshalb ist es umso angemessener, dass solche Aussagen im Falle von Geisteskrankheit ungültig sind. Denn der Geisteskranke besitzt kein Urteilsvermögen oder Einsicht. Als Beweis dafür führten sie die Worte des Propheten (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) an: „Der Stift wurde im Falle von Dreien erhoben: der Schlafende, bis er erwacht, das Kind, bis es erwachsen wird, und der Geisteskranke, bis er seinen Verstand zurückerlangt.“ Dies wurde von den Autoren des Sunan mit einem sahīh Isnād berichtet. Dasselbe gilt für alle verbalen Aussagen, aufgrund des hohen Schadenspotenzials.“

 

In (16/107) heißt es: „Hinsichtlich der Rechte der Menschen, wie z. B. Entschädigungen und Ähnliches: Das wird nicht aufgehoben, auch wenn er nicht verantwortlich dafür ist. Sein Sachwalter ist verantwortlich für die Begleichung der finanziellen Pflichten aus dem Vermögen des Geisteskranken. Begeht er eine Straftat, dann ist er physisch zwar nicht verantwortlich, wohl aber finanziell. Zerstört er den Besitz eines anderen während seiner Geisteskrankheit, dann muss eine Entschädigung gezahlt werden. Tötet er jemanden, dann gibt es kein Qisās (Vergeltung), wohl aber muss die Diyah gezahlt werden.“

 

Und Allāh weiß es am besten.

 

Islam Q&A

Warum leiden Kinder in dieser Welt?

 

Warum leiden Kinder in dieser Welt?

 

Frage (Nr. 20785):

 

Ich versuche, einen meiner Kollegen zum Glauben an Gott und zum Islam aufzurufen. Er sagte, dass sein Hauptproblem beim Glauben an die Existenz Gottes die Frage ist, warum völlig unschuldige Kinder auf der Erde Schmerz und Leid erfahren müssen. Er kann nicht verstehen, warum, wenn ein Gott existiert, so etwas geschehen kann.

 

Ich habe darüber nachgedacht und habe eine Antwort im Kopf, doch ich würde gern noch eure Kommentare dazu hören, bevor ich ihm antworte.

 

Antwort:

 

Alles Lob gebührt Allāh.

 

Jeder Mensch sollte wissen, dass Allāh allweise ist und dass eine gewaltige Weisheit hinter Seinen Anweisungen und Bestimmungen steht. Er kann Seine Diener oder einige von ihnen die Weisheit erkennen lassen oder sie vor ihnen als Prüfung und Versuchung verbergen.

 

Was Er an allgemeinen Angelegenheiten bestimmt, geschieht aus einem allgemeinen Grund, wie die Entsendung des Propheten (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm). Allāh hat uns darüber informiert, dass Er ihn als Barmherzigkeit für die Welten entsandte. Ähnlich erschuf Er die Jinn und die Menschen, damit sie an Ihn glauben und Ihm allein dienen.

 

Ibn Taymiyah sagte: „Darauf basierend wissen wir, dass hinter allem, was Er tut, eine Weisheit steht. Das ist für uns im Allgemeinen ausreichend, selbst wenn wir die Einzelheiten nicht kennen. Unser Mangel an Wissen über die Details Seiner Weisheit ist wie unser Mangel an Wissen über die Details Seins Wesens. Ebenso wie bewiesen ist, dass Seine Attribute perfekt sind, doch wir können Sein Wesen nicht erfassen, so weisen wir nicht das ab, was wir wissen und worüber wir uns sicher sind (dass Er perfekt ist), wegen dem, was wir nicht wissen (die Details Seiner Vollkommenheit). Ähnlich wissen wir, dass Er allweise bei allem ist, was Er tut und befiehlt. Die Tatsache, dass wir die Weisheit hinter einigen kleinen Bestimmungen und Angelegenheiten nicht kennen, sollte nicht das Grundprinzip dessen, was wir von Seiner Weisheit wissen, unterhöhlen. Wir sollten das, was wir von Seiner Weisheit wissen, nicht deshalb ablehnen, weil wir nicht die Details Seiner Weisheit kennen. Wir wissen, dass jemand, der die Brillanz der Mathematiker, Ärzte und Grammatiker zwar erkennt, ihre Eigenschaften, durch die sie ihre Bedeutung verdienen, aber nicht teilt, ihre Aussagen nicht kritisieren kann, weil er diese gar nicht versteht. Die Menschen können noch weniger die Weisheit Allāhs in Seiner Schöpfung begreifen, als der gewöhnliche Mann in der Lage ist, Mathematik, Medizin und Grammatik zu verstehen. Allāhs Weisheit abzulehnen, ist ignorant und wer dies tut, ist schlimmer als ein Unwissender, der Mathematik, Medizin und Grammatik kritisiert, ohne auch nur ein bisschen Wissen dieser Fachgebiete zu besitzen.“ (Majmū` al-Fatāwa 6/128)

 

Zweifellos liegt eine große Weisheit darin, dass Allāh es erlaubt, Kinder leiden zu lassen. Diese Weisheit kann vor manchen Menschen verborgen bleiben, die die göttliche Bestimmung ablehnen. Der Schaytān zieht seinen Vorteil aus dieser Angelegenheit, um sie von der Wahrheit und Rechtleitung abzuwenden.

 

Zu den Gründen, warum Allāh es erlaubt, dass Kinder leiden, gehören die folgenden:

 

-                Es ist ein Mittel zu zeigen, dass das Kind krank ist oder Schmerzen empfindet. Ansonsten würde man nicht erkennen können, an welcher Krankheit es leidet.

 

-                Das durch den Schmerz verursachte Schreien bringt dem Körper des Kindes Nutzen.

 

-                Es ist lehrreich: Die Familienangehörigen des Kindes könnten verbotene Handlungen begehen oder Pflichten vernachlässigen, doch wenn sie das Leid ihres Kindes sehen, dann geben sie ihre schlechten Taten schnell auf, wie z. B. den Verzehr von Riba, das Begehen von Zina, das Unterlassen des Gebets oder Rauchen, insbesondere wenn das Leiden des Kindes von einer Krankheit stammt, die sie verursacht haben.

 

-                Das Nachdenken über das Jenseits, denn es gibt keine wirkliche Glückseligkeit und Frieden außer im Paradies. Dort gibt es weder Leid noch Schmerz, sondern nur gute Gesundheit, Zufriedenheit und Glück. Und das Nachdenken über die Hölle, denn das ist die Bleibe des ewigen und nie endenden Schmerzens und Leides. Wer das also tut, wird sich dem Paradies annähern und von der Hölle entfernen.

 

Ibn Qayyim al-Jauziyyah sagte: „Denke über die Weisheit Allāhs nach, die Kinder viel weinen zu lassen, und die Vorteile, die sie dadurch erhalten. Die Ärzte und Forscher haben die Vorteile davon und die dahinter stehende Weisheit bestätigt. Sie sagten: `Es gibt eine Feuchtigkeit im Gehirn der Kinder und wenn sie dort verbleiben würde, würde sie Schaden verursachen. Das Schreien bringt sie heraus und lässt sie vom Gehirn ablaufen, wodurch die Kinder stärker und gesünder werden.`

 

Weiterhin weitet das Schreien und Weinen die Atemwege und es stärkt sie sowie die Nerven.

 

Wie gut die Kinder doch von dem Schreien und Weinen profitieren, welches wir von ihnen hören. So, wie dies die Weisheit hinsichtlich des Schreiens ist, welches durch Schmerz verursacht wird, und diese ist dir nie in den Sinn gekommen, gilt auch dasselbe für das Leiden der Kinder und dessen Gründe und gute Auswirkungen.

 

Es liegt eine große Weisheit dahinter, die für die meisten Menschen verborgen ist und diese sind sehr verwirrt deshalb.“ (Miftāh Dār al-Sa`ādah, 2/228)

 

Er sagte auch: „Diese Leiden gehören zu den natürlichen Eigenschaften der menschlichen Entwicklung, von denen kein Mensch oder auch Tier befreit ist. Wenn ein Mensch frei von Leid wäre, wäre er kein Mensch, sondern ein Engel oder irgendeine andere Kreatur.

 

Das Leid der Kinder ist nicht schlimmer als das Leid von Erwachsenen, doch Letztere haben sich daran gewöhnt, sodass es keine große Angelegenheit mehr für sie ist. Es ist ein großer Unterschied zwischen dem Leid eines Kindes und dem eines rational denkenden Erwachsenen.

 

All das ist einer der Hauptaspekte des menschlichen Zustandes. Wenn der Mensch nicht so erschaffen worden wäre, wäre er ein anderes Wesen. Was denkst du, wenn ein Kind hungrig oder durstig ist oder müde wird oder friert – ist das etwas, für das es einzeln ausgewählt wurde und nun damit getestet wird und Erwachsene hingegen nicht? Der Mensch – und auch die Tiere – wurde so erschaffen.

 

Sie sagten: „Wenn jemand fragen würde: `Warum wurde der Mensch so erschaffen? Warum wurde er nicht ohne diese Anfälligkeit für Schmerz und Leid erschaffen?`, dann ist dies eine sinnlose Frage. Denn Allāh hat ihn aus einer schwachen Substanz in einer Welt der Prüfungen erschaffen. Deshalb ist er anfällig für Krankheiten und Leiden und Allāh hat ihn auf diese Weise erschaffen, dass er anfällig für alle Arten des Leids ist…

 

Die Tatsache, dass Leiden und Wohlgefallen nebeneinander existieren, ist eines der Zeichen des Jenseits. Denn durch die göttliche Weisheit wurde bestimmt, dass es zwei Aufenthalte geben soll: Einen, der voller Glückseligkeit ist, in dem es überhaupt keinen Schmerz gibt, und einen, der voller Qual ist, in dem es überhaupt keine Zufriedenheit gibt. Der zuerst genannte Aufenthalt ist das Paradies und der zuletzt genannte die Hölle.“ (Miftāh Dār al-Sa`ādah, 2/230, 231)

 

Und Allāh weiß es am besten.

 

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