Islam Fragen & Antworten

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Ist die Aussage: „Wenn du das Verborgene kennen würdest, wärst du zufrieden mit dem, was dir geschah“ korrekt?

 

Ist die Aussage: „Wenn du das Verborgene kennen würdest, wärst du zufrieden mit dem, was dir geschah“ korrekt?

Frage (Nr. 170021):

 

Inwiefern ist die folgende Aussage richtig: „Wenn du das Verborgene kennen würdest, wärst du zufrieden mit dem, was dir geschah“? Ist das ein Hadīth?

 

Antwort:

 

Alles Lob gebührt Allāh.

 

Diese Aussage ist kein Hadīth vom Propheten (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) und wurde von keinem seiner Gefährten überliefert. Wir kennen keine Autorität auf dem Gebiet des islamischen Wissens, die so etwas sagte oder solche eine Bedeutung billigte.

 

Außerdem ist diese Aussage an sich nicht korrekt, sondern sie ist falsch und steht dem entgegen, was Allāh Seinen Dienern an Eifer für das Streben nach Gutem und das Abwenden von Schlechtem gab. Wenn jemand reist und einen Unfall hat oder seine Familie oder sein Vermögen verliert, dann wird auch nicht gesagt, dass er, wenn er das Verborgene vor seiner Reise gekannt und gewusst hätte, dass er einen Unfall haben wird, er nicht verreist wäre. Niemand würde so etwas sagen und kein intelligenter Mensch würde so handeln.

 

Die Bedeutung dieses Ausdrucks ist vielmehr, dass die Alternative zu dem Unfall schlimmer und schädlicher gewesen wäre. Wenn er nicht gereist wäre, dann wäre er vielleicht gestorben oder er hätte einen schlimmeren Unfall gehabt. Deshalb sagen die Leute: Du wärst zufrieden mit dem, was dich traf, denn es war das kleinere von zwei Übeln und der geringere von zwei Verlusten.

 

Zweifellos ist dies pure Spekulation, basierend auf falschen Annahmen und das Reden über Allāh ohne Wissen. Die Meinung, dass die Rettung vor diesem Unglück unweigerlich bedeutet, dass dem Menschen etwas Schlimmeres zustoßen würde, ist tatsächlich dem negativen Denken über Allāh und Seine Bestimmung sehr ähnlich.

 

Man findet einen Beweis dafür, dass diese Aussage falsch ist, beispielsweise in folgendem Vers des Qur’ān (ungefähre Bedeutung): Sag (oh Muhammad): Ich vermag mir selbst weder Nutzen noch Schaden (zu bringen), außer was Allāh will. Wenn ich das Verborgene wüsste, würde ich mir wahrlich viel Gutes verschaffen, und Böses würde mir nicht widerfahren. Ich bin nur ein Warner und ein Frohbote für Leute, die glauben.“ (7:188).

 

Abu Hayyān (möge Allāh ihm barmherzig sein) sagte: „Das ist wie: Meine Situation wäre anders und ich hätte mir selber Reichtum gesichert und Übel und Schaden vermieden, sodass nichts davon mich je berührt hätte.“ (al-Bahr al-Muhīt, 4/355)

 

Al-Sa`di (möge Allāh ihm barmherzig sein) sagte: „Das ist wie: Ich hätte dieses getan, von dem ich wusste, es würde meinen Interessen dienen und mir Nutzen bringen, und ich hätte alles vermieden, das zu einem schlechten Ende und negativen Konsequenzen führen könnte, denn ich hätte die Dinge und ihr Ergebnis gekannt, bevor sie geschahen.

 

Doch ich – aufgrund meines mangelhaften Wissens – wurde von schlechten Dingen beeinflusst und habe weltlichen Nutzen verpasst. Das ist der klare Beweis dafür, dass ich kein Wissen über das Verborgene habe.“ (Tafsīr al-Sa`di, 311)

 

Ibn `Aschūr (möge Allāh ihm barmherzig sein) sagte: „Die Aussage, dass er keine Macht hat, um sich Nutzen zu bringen oder Schaden abzuwenden, steht vor der Aussage, dass er kein Wissen über das Verborgene besitzt. Denn das Ziel hinter dem Wunsch der Menschen, das Verborgene zu kennen, ist der Versuch, das zukünftige Gute zu beschleunigen, indem sie die Mittel dazu ergreifen und das Schlechte vermeiden. Also zu sagen, dass er keine Macht hat, sich selbst Nutzen zu bringen oder Schaden abzuwenden, beinhaltet alle Arten von Macht und alle Arten von Nutzen und Schaden sowie alles, was davon in der Zukunft vorhanden sein könnte, was Teil des Verborgenen ist.“ (al-Tahrīr wa-l-Tanwīr, 9/207-208)

 

Aus dem oben Stehenden wird deutlich, dass ein Mensch etwas Gutes verpassen oder von etwas Schlechtem und Schädlichen betroffen sein kann aufgrund seiner Unwissenheit über das, was vor ihm verborgen ist. Würde er das Verborgene kennen, dann könnte er Maßnahmen ergreifen, um sich vor dem zu schützen, was ihn bereits traf, und er könnte Maßnahmen ergreifen, um das zu erlangen, was er bereits an Gutem verpasste.

 

Und Allāh weiß es am besten.

 

Islam Q&A

Allāh zwingt die Menschen nicht zum Kufr

Allāh zwingt die Menschen nicht zum Kufr

 Frage (Nr. 22244):

In vielen Versen des Qur’ān heißt es, dass Allāh sagt, Er würde einen Schleier über die Herzen der Kuffār legen und ein Siegel auf ihre Augen und Er habe sie taub und blind für die Wahrheit gemacht. Wir wissen aber auch, dass Allāh niemanden zum Kufr zwingt. Wie also sind diese Verse zu verstehen?

 Antwort:

Alles Lob gebührt Allāh.

Scheikh al-Schanqīti (möge Allāh ihm barmherzig sein) sagte: „Die Antwort lautet, dass Allāh in vielen Versen Seines Buches die Hindernisse erklärt hat, die sich in ihren Herzen, Augen und Ohren befinden, wie z. B. Siegel und Schleier, welche eine angemessene Vergeltung für ihren früheren Kufr und ihren gewählten Unglauben an die Gesandten darstellen. So wandte Allāh ihre Herzen ab, indem Er einen Siegel, Schleier etc. auf sie setzte, als Strafe für ihren Kufr. Zu den Āyāt, die das bestätigen, gehört der folgende Vers (ungefähre Bedeutung): „… Vielmehr hat Allāh sie für ihren Unglauben versiegelt“ (4:155).

Dieser deutliche qur’ānische Vers zeigt, dass ihr früherer Kufr der Grund für das Siegel auf ihren Herzen ist. Und Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Als sie nun abschweiften (vom Wege Allāhs), ließ Allāh ihre Herzen abschweifen (vom rechten Weg).“ (61:5).

Das ist ebenfalls ein klarer Beweis dafür, dass der Grund, warum Allāh ihre Herzen abwendig macht, ihr vorheriges Abwenden ist. Allāh sagt (ungefähre Bedeutung):

„Dies, weil sie (zuerst) gläubig gewesen, hierauf aber ungläubig geworden sind. Da wurden ihre Herzen versiegelt; so verstehen sie nicht.“ (63:3)

„In ihren Herzen ist Krankheit (Zweifel und Heuchelei), und da hat Allāh ihnen die Krankheit noch gemehrt.“ (2:10)

„Und Wir kehren ihre Herzen und ihr Augenlicht um (fort von der Rechtleitung), so wie sie das erste Mal nicht daran geglaubt haben. Und Wir lassen sie in ihrer Auflehnung umherirren.“ (6:110)

„Keineswegs! Vielmehr hat sich das, was sie zu erwerben pflegten (an Sünden und üblen Taten), über ihren Herzen angesetzt.“ (83:14)

und es gibt weitere Āyāt, die vom Siegel ihrer Herzen handeln und besagen, dass sie vom Begreifen dessen abgehalten werden, was ihnen nutzen könnte, als Strafe für ihren vorherigen Kufr. Was wir hier erwähnt haben, ist eine Widerlegung der fadenscheinigen Argumente der Jabariyyah, die sich fortwährend auf diese und andere Verse aus dem heiligen Qur’ān beziehen.“

Scheikh Muhammad Sālih al-Munajjid

Ist der Wille Allāhs der Grund dafür, dass Menschen in die Irre gehen?

Ist der Wille Allāhs der Grund dafür, dass Menschen in die Irre gehen?

 

Frage (Nr. 22236):

 

Wenn jemand in die Irre geht und vom rechten Weg abweicht, geschieht dies dann durch den Willen Allāhs oder bestimmt Allāh so etwas nicht?

 

Antwort:

 

Alles Lob gebührt Allāh.

 

Scheikh al-Schanqīti (möge Allāh ihn bewahren) sagte: „Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): `… Wen Allāh rechtleitet, der ist (in Wahrheit) rechtgeleitet; wen Er aber in die Irre gehen lässt, für den wirst du keinen Schutzherrn finden, der ihn den rechten Weg führt.` (18:17).

 

In dieser Āyah erklärt Allāh, dass die Rechtleitung und die Irreführung allein in Seiner Hand liegen. Wen auch immer Er rechtleitet, den kann niemand in die Irre führen, und wen auch immer Er in die Irre führt, den kann niemand rechtleiten. Diese Bedeutung wird auch durch viele weitere Āyāt bestätigt, wie z. B. den folgenden (ungefähre Bedeutung):

 

„Wen Allāh rechtleitet, der ist (in Wahrheit) rechtgeleitet; wen Er aber in die Irre gehen lässt, für diejenigen wirst du außer Ihm keine Schutzherren finden.“ (17:97)

 

„Wen Allāh rechtleitet, der ist (in Wahrheit) rechtgeleitet. Wen Er aber in die Irre gehen lässt, das sind die Verlierer.“ (7:178)

 

„Gewiss, du (oh Muhammad) kannst nicht rechtleiten, wen du gern (rechtgeleitet sehen) möchtest. Allāh aber leitet recht, wen Er will.“ (28:56)

 

„Wen Allāh der Versuchung (al-Fitnah, aufgrund seiner Ablehnung des Glaubens) aussetzen will, für den wirst du gegen Allāh nichts (auszurichten) vermögen.“ (5:41)

 

„Selbst wenn du (oh Muhammad) noch so (danach) trachtest, sie rechtzuleiten, so leitet Allāh nicht recht, wen Er (nun einmal) in die Irre gehen lässt (bzw. niemand kann den rechtleiten, den Allāh in die Irre laufen lässt); und sie werden keine Helfer haben.“ (16:37)

 

„Wen Allāh rechtleiten will, dem tut Er die Brust auf für den Islam. Und wen Er in die Irre gehen lassen will, dem macht Er die Brust eng und bedrängt, so als ob er in den Himmel hochsteigen sollte.“ (6:125)

 

Und es gibt sehr viele ähnliche Āyāt.

 

Aus diesen und anderen Versen im Qur’ān kann verstanden werden, dass die Ansicht der Qadariyyah, die sagen, dass der Mensch in seinen Handlungen unabhängig ist, seien sie gut oder schlecht, und dass sie nicht durch Allāhs Willen geschehen, sondern vielmehr durch den Willen des Menschen, falsch ist. Erhaben ist Allāh darüber, dass irgendetwas in Seinem Reich geschieht, was nicht durch Seinen Willen bestimmt wurde.“

 

Adwā’ al-Bayān, 4/44

Das Urteil über das Sagen von: „Das verdienst du nicht“ zu einem Kranken

Das Urteil über das Sagen von: „Das verdienst
du nicht“ zu einem Kranken

 

Frage (Nr. 12867):

 

Manchmal sagen die Leute, wenn sie einen Kranken besuchen:  „Das verdienst du nicht“. Oder wenn sie hören, dass eine bestimmte Person krank ist, dann sagen sie: „Bei Allāh, er verdient so etwas nicht.“ Wir hoffen, dass ihr uns sagen könnt, ob das erlaubt ist oder nicht.

 

Antwort:

 

Alles Lob gebührt Allāh.

 

Es ist nicht gestattet, so etwas zu sagen, denn es ist  wie die Ablehnung Allāhs, erhaben ist Er. Er weiß am besten über die Situation Seiner Diener Bescheid und Er ist der Allweise hinsichtlich dessen, was Er für sie an Gesundheit und Krankheit, Reichtum und Armut etc. bestimmt.

 

Es ist vielmehr empfohlen, Folgendes zu sagen: „Möge  Allāh ihm gute Gesundheit gewähren und ihn heilen“ oder ähnliche gute Redewendungen.

 

Möge Allāh allen Muslimen Verständnis in der Religion gewähren und sie standhaft darin sein lassen, denn Er ist der Beste, um zu fragen.

 

Majmū’ Fatāwā wa Maqālāt Mutanawwi’ah li Samāhat al-Scheikh al-‘Allāmah ‘Abd al-‘Azīz ibn
‘Abd-Allāh ibn Bāz (möge Allāh ihm barmherzig sein), Teil 8, S. 421

Der Glaube an al-Qadā’ wa-l-Qadar

Der Glaube an al-Qadā’ wa-l-Qadar

 

Frage (Nr. 12380):

 

Was ist der Rang von Sabr (Geduld) im Islam? Was sollte der Muslim mit Geduld ertragen?

 

Antwort:

 

Alles Lob gebührt Allāh.

 

Der Glaube an al-Qadā‘ wa-l-Qadar (den göttlichen Willen und die Bestimmung) ist eine der Säulen des Glaubens. Der Glaube des Muslims ist nicht vollständig, bis er davon überzeugt ist, dass alles, was ihn trifft, ihn niemals verfehlen konnte, und dass alles, was ihn verfehlt, ihn niemals treffen konnte. Alles unterliegt dem Willen und der Bestimmung Allāhs, wie Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Gewiss, Wir haben alles in (bestimmtem) Maß erschaffen (mit Qadar, der göttlichen Vorausbestimmung aller Dinge vor ihrer Erschaffung, wie es im Buch der Bestimmung – al-Lauh al-Mahfūz – niedergeschrieben wurde).“ (54:49).

 

Die Stellung der Geduld in Bezug auf den Glauben ist wie die des Kopfes in Bezug auf den Körper. Geduld ist eine edle Eigenschaft, aus der gute Konsequenzen resultieren. Diejenigen, die geduldig sind, werden eine unbegrenzte Belohnung erhalten, wie Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „… Gewiss, den Standhaften wird ihr Lohn ohne Berechnung in vollem Maß zukommen.“ (39:10).

 

All die Desaster und Bedrängnisse, die auf der Erde eintreten oder die dem Einzelnen geschehen oder mit seinem Vermögen oder seiner Familie, waren Allāh bekannt, noch bevor sie geschahen. Er hat sie auf al-Lauh al-Mahfūz (der bewahrten Tafel) niedergeschrieben, wie Er sagt (ungefähre Bedeutung): „Kein Unglück trifft ein auf der Erde oder bei euch selbst, ohne dass es in einem Buch (verzeichnet) wäre (in al-Lauh al-Mahfūz), bevor Wir es erschaffen – gewiss, dies ist Allāh ein Leichtes“ (57:22).

 

Welches Unglück auch immer einen Menschen befallen mag, es ist gut für ihn, ob er das weiß oder nicht, denn Allāh hat nur Gutes bestimmt, wie Er sagt (ungefähre Bedeutung): „Uns wird nur das treffen, was Allāh für uns bestimmt hat. Er ist unser Schutzherr. Auf Allāh sollen sich die Gläubigen verlassen.“ (9:51).

 

Jedes Unglück tritt durch Allāhs Bestimmung ein. Wenn Er es nicht gewollt hätte, wäre es nicht geschehen, doch Allāh erlaubte und bestimmte es und so geschah es. Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Kein Unglück trifft (jemanden), außer mit Allāhs Erlaubnis (d. h. Entscheidung und Qadar/Vorbestimmung). Und wer an Allāh glaubt, dessen Herz leitet Er recht (zum wahren Glauben mit sicherer Überzeugung). Und Allāh weiß über alles Bescheid.” (64:11).

 

Wenn jemand erst einmal weiß, dass alles Unglück mit dem Willen und der Bestimmung Allāhs geschieht, dann muss er glauben, sich unterwerfen und geduldig sein. Der Lohn für die Geduld ist das Paradies, wie Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „und ihnen vergelten, dass sie standhaft gewesen sind, mit einem Garten und mit Seide“ (76:12).

 

Der Aufruf zu Allāh (Da`wah) ist eine gewaltige Aufgabe und wer sich ihr widmet, wird vielen Prüfungen und Unglücken ausgesetzt sein. Daher ermahnt Allāh Seinen Gesandten und andere Propheten zur Geduld (ungefähre Bedeutung): „Sei nun standhaft (oh Muhammad), wie diejenigen der Gesandten, die Entschlossenheit besaßen, standhaft waren…“ (46:35).

 

Allāh hat die Gläubigen rechtgeleitet und wenn sie etwas betrübt oder ein Unglück sie trifft, dann suchen sie Hilfe in Geduld und Gebet, sodass Allāh ihnen ihre Drangsal erleichtert und einen Ausweg verschafft: „O die ihr glaubt, sucht Hilfe in der Standhaftigkeit und im Gebet! Allāh ist mit den Standhaften.“ (2:153 in ungefährer Bedeutung).

 

Der Gläubige muss das, was Allāh bestimmt hat, mit Geduld ertragen und geduldig im Gehorsam Allāh gegenüber sein und geduldig im Fernbleiben der Sünde. Wer auch immer geduldig ist, dem wird Allāh am Tag der Auferstehung einen Lohn ohne Maß geben, wie Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „… Gewiss, den Standhaften wird ihr Lohn ohne Berechnung in vollem Maß zukommen.“ (39:10).

 

Insbesondere der Gläubige wird sowohl in guten wie auch in schlechten Zeiten belohnt. Der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) sagte: „Wie wunderbar ist die Lage des Gläubigen, denn all seine Angelegenheiten sind gut für ihn und das gilt nur für den Gläubigen. Wenn ihn etwas Gutes trifft, ist er dankbar und das ist gut für ihn und wenn ihn etwas Schlechtes trifft, erträgt er es mit Geduld und das ist gut für ihn.“ (Muslim #2999)

 

Allāh lehrte uns, was wir im Falle eines Unglücks sagen sollen, und Er hat bestätigt, dass diejenigen, die geduldig sind, eine ehrenvolle Position bei ihrem Herrn haben werden. Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „ …Doch verkünde frohe Botschaft den Standhaften (al-Sābirūn), die, wenn sie ein Unglück trifft, sagen: `Wir gehören Allāh, und zu Ihm kehren wir zurück.`“ (2:155-156).

 

Entnommen aus Usūl al-Dīn al-Islami von Scheikh Muhammad ibn Ibrāhīm al-Tuwayjri

Vorzüge von Prüfungen des Gläubigen

Vorzüge von
Prüfungen des Gläubigen

Frage (Nr. 12099):

 

Warum belastet Allāh die Gläubigen, die doch viele gottesdienstliche Handlungen vollziehen, mit Krankheit und andere Prüfungen, wohingegen die Sünder alle guten Dinge des Lebens genießen dürfen?

 

Antwort:

 

Alles Lob gebührt Allāh.

 

Diese Frage kann auf zwei Arten gestellt werden, entweder als Einwand oder als Streben nach dem Verstehen. Wenn sie als Einwand gestellt wird, dann ist dies ein Anzeichen für die Unwissenheit des Fragestellers. Denn die Weisheit Allāhs ist zu gewaltig, als dass unser Verstand sie begreifen könnte. Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): Sie fragen dich (oh Muhammad) nach dem Geist (al-Rūh). Sag: Der Geist ist vom Befehl meines Herrn, euch aber ist vom Wissen gewiss nur wenig gegeben.“ (17:85).

 

Dieser Geist ist etwas, das in uns ist und es ist die Essenz unseres Lebens, doch wir kennen ihn nicht und die Philosophen und Denker sind nicht in der Lage, ihn zu definieren und beschreiben. Wenn wir – abgesehen von dem, was in Qur’ān und Sunnah beschrieben wurde – unfähig sind, irgendetwas von diesem Geist zu wissen, welcher uns von der gesamten Schöpfung am nahsten steht, was soll dann erst mit den Angelegenheiten sein, die darüber hinausgehen? Allāh ist der Allweise, Allgewaltige, Majestätische und Allmächtige und wir müssen uns Seinem Willen und Seiner Bestimmung vollständig unterwerfen, denn wir können das letztendliche Ziel Seiner Weisheit nicht erfassen. Auf dieser Basis lautet die Antwort auf die Frage, dass wir sagen sollten: Allāh weiß es am besten und Er ist der Allweise, Allmächtige und Allgewaltige.

 

Wenn die gestellte Frage das Streben nach Verständnis darstellt, dann sagen wir dem Fragesteller: Der Gläubige unterliegt Prüfungen und Allāh prüft ihn durch Dinge, die ihm schaden oder ihn verletzen können, wodurch er zwei gewaltige Nutzen erlangt. Der erste davon ist, dass Allāh diesen Menschen hinsichtlich seines Glauben prüft, um zu sehen, ob er aufrichtig ist oder wankelmütig. Der Gläubige, dessen Glaube aufrichtig ist, wird den Willen und die Bestimmung Allāhs geduldig annehmen und darin nach Lohn streben. In diesem Fall wird die Angelegenheit für ihn erträglich. Es wurde berichtet, dass eine der Dienerinnen Allāhs einen Schnitt oder eine andere Wunde am Finger hatte, doch sie beschwerte sich nicht über den Schmerz oder zeigte irgendein Zeichen des Leids. Sie wurde darüber befragt und sagte: „Die Süße des Lohns ließ mich die Bitterkeit des Leids vergessen.“ Der Gläubige strebt nach dem Lohn Allāhs und unterwirft sich Ihm vollständig – das ist einer der Nutzen.

 

Der zweite Nutzen ist, dass Allāh diejenigen lobt, die geduldig sind, und Er ist mit ihnen und wird ihnen einen Lohn ohne Maß geben. Geduld ist ein hoher Rang, der nur von jenen erlangt werden kann, die ihre Prüfungen mit Geduld ertragen. Wenn jemand sie geduldig übersteht, dann erlangt er diesen hohen Rang, der großen Lohn mit sich bringt. Wenn Allāh also die Gläubigen mit Dingen prüft, die sie schmerzen, dann geschieht das, damit sie den Rang eines Geduldigen erlangen können. Daher erlitt der Gesandte Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm), der beste aller Menschen in Glauben, Frömmigkeit und Gottesfurcht, zweimal den Schmerz der Krankheit und er (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) litt sehr zum Zeitpunkt seines Todes, sodass er tatsächlich den Status desjenigen erlangte, der geduldig ist. Er (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) war der Geduldigste der Geduldigen. Dadurch wird die Weisheit Allāhs hinter den Prüfungen des Gläubigen durch solche Unglücke deutlich.

 

Was die Gaben Allāhs an die Sünder, Übeltäter, unmoralischen Menschen und Kuffār hinsichtlich guter Gesundheit und reichlicher Versorgung anbelangt, so liegt dies daran, dass sie mit ihren Sünden, für die sie später hart bestraft werden, fortfahren sollen. Es wurde berichtet, dass der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) sagte: „Diese Welt ist ein Gefängnis für den Gläubigen und ein Paradies für den Kāfir.“ Ihnen werden diese guten Dinge gegeben, sodass sie ihre guten Dinge früher erhalten, in dieser Welt, und am Tag der Auferstehung werden sie das bekommen, was sie an Strafe verdienen. Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Und am Tag, da diejenigen, die ungläubig sind (an die Einheit Allāhs, den islamischen Monotheismus), dem (Höllen-) Feuer vorgeführt werden: `Ihr habt eure guten Dinge im diesseitigen Leben dahingehen lassen und sie genossen. Heute wird euch mit der schmählichen Strafe vergolten, dass ihr euch auf der Erde ohne Recht hochmütig zu verhalten und dass ihr zu freveln pflegtet (Allāh ungehorsam wart).`“ (46:20).

 

Der Punkt ist, dass diese Welt für die Kuffār ist, um sich darin auszuleben. Wenn sie in das Jenseits übergehen und das Leben des Diesseits verlassen, in welchem sie Freude hatten, werden sie mit der Qual konfrontiert – wir suchen Zuflucht bei Allāh davor. Die Strafe wird für sie viel härter sein, sie werden gewaltig leiden. Zur selben Zeit verlieren sie sämtliche Freuden und Annehmlichkeiten dieser Welt, die sie so sehr lieben.

 

Es gibt noch einen dritten Vorzug, den wir den ersten beiden hinzufügen können und den der Gläubige durch Krankheiten und Probleme erlangt, denn der Gläubige wird in ein Reich übergehen, das besser ist als diese Welt. Er wird sich von etwas Schmerzlichem wegbewegen hin zu etwas, das ihm Glückseligkeit und Freude bringt. Seine Freude über die Annehmlichkeiten, die ihm bereitet werden, wird sich noch vervielfachen, denn er hat die Glückseligkeit erlangt und das Leid und die Schwierigkeiten, von denen er betroffen war, werden genommen.

 

Entnommen den Fatwas von Scheikh Ibn ‘Uthaymeen, Kitāb
Fatāwa Islamiyyah, 1/83

Allāh bestimmt Katastrophen für Kinder – warum?

Allāh bestimmt Katastrophen für Kinder – warum?

 

Frage (Nr. 13610):

 

Ich versuche meiner nichtmuslimischen Freundin zu helfen, die wahre Religion bei Allāh kennenzulernen. Eine der Fragen, die sie mir stellte, war: „Ich verstehe die Überzeugung, dass Gott prüft. Was aber, wenn zum Beispiel eine Mutter ihr Kind in einen Abfallbehälter wirft, weil sie es nicht will und bei der Prüfung dieser Liebe kläglich versagt hat. Oder eine Frau, die so viel Liebe und Sehnsucht nach einem Kind verspürt, dass sie eines stiehlt. Sie versagt bei ihrer Prüfung, weil sie sich ein Kind auf falsche Art und Weise beschafft hat. Es geht mir nicht um die Erwachsenen, die falsch handeln, sondern um die Kinder. Mit anderen Worten: Hat Gott das kleine Baby geprüft, indem seiner Mutter erlaubt wurde, es in einen Abfalleimer zu werfen? Welche Art von Prüfung ist das? Wird ein Kind, dessen Eltern ihm körperlichen Schaden zufügen, geprüft? Welche Art von Prüfung ist das? Wie viel Schmerz kann ein Kind ertragen? Meine Frage hat also mit den Unschuldigen zu tun und nicht mit den Schuldigen. Warum sollte Gott es erlauben, dass solche Unschuldigen weltweit leiden müssen? Das kann ich nicht verstehen.“

 

Antwort:

 

Alles Lob gebührt Allāh.

 

Alles Lob gebührt Allāh, Der in allen Sprachen gepriesen und zu allen Zeiten angebetet wird. Sein Wissen umfasst alle Orte und Seine Aufmerksamkeit wird durch nichts abgelenkt. Erhaben ist Er darüber, irgendeinen Rivalen oder Nebenbuhler zu haben und erhaben ist Er darüber, dass Ihm Frau und Kinder zugeschrieben werden. Sein Gesetz gilt für all Seine Diener.

 

„Nichts ist Ihm gleich; und Er ist der Allhörende und Allsehende.“ (42:11, in ungefährer Bedeutung)

 

Und Frieden und Segen seien mit demjenigen, der als Gnade für die Welten und als Beweis für die gesamte Menschheit entsandt wurde. Er verkündete die Botschaft und erfüllte das Abkommen und mühte sich um Allāhs willen im wahrsten Sinne des Wortes, bis er uns einen deutlichen Pfad hinterließ, dessen Nacht so klar ist wie der Tag, und niemand irrt davon ab außer dem Verdammten…

 

Wir müssen anmerken, dass jeder, der an die Existenz Allāhs glaubt sowie daran, dass Er der Herr und Schöpfer ist, selbst wenn dieser Gläubige an die Existenz Allāhs kein Muslim ist, weiß, dass sein Herr in allen Aspekten anders ist als Seine Schöpfung. Es gibt keinen Raum für Vergleiche mit Seiner Schöpfung. Daher sagt Allāh (ungefähre Bedeutung): „Nichts ist Ihm gleich; und Er ist der Allhörende und Allsehende.“ (42:11).

 

Wenn der Besitzer einer Sache in dieser Welt damit tun kann, was auch immer er will, ohne dass ihn jemand dafür zur Rechenschaft zieht, da es sein Eigentum ist, dann kann Allāh – Dem nichts und niemand ähnlich ist – mit Seinem „Besitz“ tun, was auch immer Er will. Wir Muslime haben die sichere Gewissheit, dass unser Herr, Der uns erschuf, allumfassende Weisheit besitzt und niemals den leichtesten Mangel hat. Jeder, der an die Existenz des Herrn glaubt und ihn als Herrn akzeptiert, muss dies glauben, ansonsten glaubt er an einen unvollkommenen Herrn und wer auch nur ein wenig Glauben und Verstand besitzt, weiß, dass es keinen Herrn geben kann, Der nicht in jeder Hinsicht perfekt ist und weit entfernt von jeder Unvollkommenheit. Sonst wäre er nicht der Herr im tatsächlichen Sinne. Wir hingegen, als Bestandteil der Schöpfung Allāhs, können nicht jeden Teil Seiner Weisheit erfassen, außer Er berichtet uns darüber. Was Er uns von den Gründen hinter Seinen Taten lehrte, verstehen wir und akzeptieren es. Was Er vor uns verborgen hat und an Wissen bei Sich Selbst behält, daran glauben wir und wissen, dass Er nichts tut, außer es verbirgt sich eine gewaltige Weisheit dahinter. Denn Er ist der Allweise und Allwissende. Unter keinen Umständen darf uns der Gedanke kommen, dass wir Ihn zur Rechenschaft ziehen könnten für das, was Er in Seinem Reich und mit Seiner Schöpfung tut, denn ansonsten überschreiten wir gewisse Grenzen, wenn wir behaupten, wir würden wissen, was Er weiß. Niemand kann solche Worte äußern außer einem Ketzer, der nicht aufrichtig an die Existenz eines Herrn glaubt. Wir suchen Zuflucht bei Allāh vor so etwas.

 

Wir akzeptieren die Worte menschlicher Spezialisten auf ihren Fachgebieten, wie z. B. von Ärzten oder Ingenieuren, und diskutieren nicht mit ihnen, weil unser Bildungsniveau es uns nicht erlaubt, alles zu verstehen, was sie wissen. Somit ist es umso angemessener, dass wir die Vorgehensweise des Allwissenden, vor Dessen Wissen nichts verborgen ist, hinsichtlich der Angelegenheiten Seiner Schöpfung als zweifellos korrekt und weise akzeptieren.

 

Wir Menschen glauben manchmal, dass es klug ist, etwas zu tun, was wir nicht mögen, denn es liegt ein Nutzen für uns darin und würden wir es nicht tun, würde man uns als dumm titulieren. Beispielsweise wenn jemand krank ist und die Befürchtung besteht, dass er sterben muss, doch eine bestimmte Medizin könnte ihm mit Allāhs Erlaubnis helfen. Deshalb sollte er die Medizin schlucken, auch wenn sie bitter ist. Tut er es nicht, dann wird es als Fehler betrachtet und als unklug. Es gibt viele Dinge in unserem Leben, die wir nicht mögen und doch tun, weil sie uns Nutzen bringen.

 

Denn Allāhs ist die höchste Beschreibung (vgl. 16:60) und Er kann nicht mit Seiner Schöpfung verglichen werden. Er lässt einige Dinge geschehen, die Er verabscheut, denn sie dienen einer höheren Weisheit, die wir – oder die meisten von uns – nicht verstehen können. Einiges von Seiner Weisheit kann sich uns erschließen und das ist eine Gnade von Allāh für Seine gläubigen Diener, da Er ihnen etwas von Seiner Weisheit in dieser Welt offenbart, damit ihre Gemüter Ruhe finden. Wenn wir z. B. etwas über die Ursachen von etwas erfahren möchten, was wir verstehen können, wie die Erschaffung eines Kindes, das dann sterben muss, dann sehen wir vielleicht, dass das Kind in seinem späteren Leben große Sünden begangen hätte, die es für alle Ewigkeit zur Hölle verdammt hätten oder zumindest für eine lange Zeit, oder es hätte andere dazu gebracht, vom rechten Weg abzuirren, wie es in der Geschichte des Jungen erwähnt wird, den al-Khidr tötete, wovon in der Sūrah al-Kahf berichtet wird. Wäre das Kind am Leben geblieben, dann wäre es großen Schwierigkeiten ausgesetzt gewesen, sodass sein Tod eine Gnade von Allāh ist.

 

Wenn Allāh ein Kind behindert erschafft, dann wird diese Behinderung es vielleicht davon abhalten, viele Sünden zu begehen, durch die es andernfalls am Tag der Auferstehung einer Strafe ausgesetzt worden wäre.

 

Nicht jede Krankheit oder Behinderung ist notwendigerweise eine Strafe. Vielmehr kann es eine Prüfung für die Eltern des Kindes sein, durch die Allāh ihnen ihre schlechten Taten auslöscht, oder ihren Rang im Paradies erhöht, wenn sie sie mit Geduld überstehen. Wird das Kind größer, so ist es auch eine Prüfung für es selber und wenn es geduldig und gläubig bleibt, dann hat Allāh für die Geduldigen eine gewaltige Belohnung bereitet. Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „… Gewiss, den Standhaften wird ihr Lohn ohne Berechnung in vollem Maß zukommen.“ (39:10).

 

Für uns Muslime endet das Leben nicht, wenn wir sterben, sondern wir glauben daran, dass es nach unserem Tod Paradies und Hölle gibt, welche das wahre Leben darstellen. Wer Gutes tat, wird den Lohn für die guten Taten in dieser Welt vorfinden, auf ihn bei Allāh wartend, und wer Schlechtes tat, wird die Strafe für seine Übeltaten vorfinden. Gut und Schlecht können nicht gleich sein und die Geduld derjenigen, die geprüft wurden und es standhaft überstanden, wird bei Allāh nicht verloren gehen. Tatsächlich werden diejenigen, die in dieser Welt nicht geprüft wurden, sich wünschen, sie hätten ähnliches Unglück erleiden müssen, wenn sie den hohen Rang derer sehen, die ihr Leid mit Geduld ertrugen. Es gibt dafür viele Beweise im Qur’ān und der Sunnah, wie zum Beispiel:

 

Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Und Wir werden euch ganz gewiss mit ein wenig Furcht und Hunger und Mangel an Besitz, Seelen und Früchten prüfen. Doch verkünde frohe Botschaft den Standhaften (al-Sābirūn)“ (2:155).

 

Der Gesandte Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) sagte: „Wie wunderbar ist die Angelegenheit des Gläubigen, denn alles für ihn ist gut und das gilt nur für den Gläubigen. Wenn ihn etwas Gutes trifft, dann ist er dafür dankbar und das ist gut für ihn. Und wenn ihn etwas Schlechtes trifft, dann erträgt er es mit Geduld und das ist gut für ihn.“ (Muslim #2999)

 

Damit sollte dir klar sein, dass das Unglück, welches jene trifft, die unschuldig zu sein scheinen, und welches tatsächlich jeden trifft, nicht zwingend eine Strafe sein muss, sondern es kann eine Gnade von Allāh sein. Doch unser Verstand ist unvollkommen und oftmals nicht in der Lage, die Weisheit Allāhs zu begreifen. Entweder glauben wir, dass Allāh gerechter, weise und barmherziger zu seiner Schöpfung ist als wir es sind und somit unterwerfen wir uns Ihm und akzeptieren Seinen Willen, während wird auch unsere Unfähigkeit anerkennen, die wahre Natur unserer selbst zu verstehen, oder wir prahlen mit unserem mangelhaften Verstand und sind stolz auf unser schwaches Dasein und bestehen darauf, Allāh zur Verantwortung ziehen zu wollen und Seine Bestimmung abzulehnen. Solche Gedanken können niemals den Kopf von jemandem durchkreuzen, der an die Existenz eines weisen Herrn, Schöpfers und Herrschers, Der in jeder Hinsicht perfekt ist, glaubt.

 

Wenn wir das tun, haben wir uns selbst dem Zorn und der Vergeltung Allāhs ausgesetzt, doch nichts kann jemals Allāh schaden.

 

Allāh lenkt die Aufmerksamkeit darauf, indem Er sagt (ungefähre Bedeutung): „Er wird nicht befragt nach dem, was Er tut; sie aber werden befragt.“ (21:23).

 

Ein Zeichen der Schwäche des Menschen und seiner Kurzsichtigkeit ist, dass er sich auf die Unglücke konzentriert, ohne aber darauf zu achten, dass er andere Segnungen erhält, die ihn erfreuen und die er rund um sich herum sieht. Denn Allāh hat die Menschheit auf Arten gesegnet, die nicht mit dem Leid verglichen werden können, welches ihn trifft. Gibt es einen Mann, der viel Gutes tut, doch zwischendurch unterlässt er es, dann würde es als undankbar und falsch angesehen werden, all das Gute zu vergessen, das er bis dahin getan hat. Was also erst, wenn dies unsere Einstellung gegenüber Allāh ist, Dem die höchste Beschreibung gebührt und Dessen Behandlung Seiner Schöpfung gut ist und niemals schlecht sein kann?

 

Außerdem sind die Propheten und Gesandten Allāh von der gesamten Schöpfung am liebsten und dennoch wurden sie am härtesten geprüft und erlitten das meiste Leid – warum? Das war keine Bestrafung für sie und es geschah nicht aufgrund ihrer Unwichtigkeit vor ihrem Herrn. Vielmehr lag es daran, dass Allāh sie liebte und für sie eine perfekte Belohnung auserwählt hat, an der sie sich im Paradies erfreuen werden. Er hat für sie dieses Leid bestimmt, damit Er ihren Rang erhöhen kann. Er tut, was Er will, wie Er es will und wann Er es will. Niemand kann Sein Urteil aufhalten, niemand kann Seinen Befehl ablehnen und Er ist der Allweise, der Allwissende. Allāh ist der Höchste, Wissendste und Weiseste.

 

Wisse: Was du über deine Freundin erwähnt hast, so müssen wir dich darauf hinweisen, dass es harām ist, eine Beziehung zwischen Mann und Frau aufzubauen. Für weitere Informationen zu diesem wichtigen Thema siehe bitte in den Fatwas zu den Fragen #9465 und 1200.

 

Scheikh Muhammad Salih al-Munajjid

Das Unterlassen der Hilfe für diejenigen, die von einem Unglück betroffen sind, mit der Begründung, es sei der Wille Allāhs

Das Unterlassen der Hilfe für diejenigen, die von einem Unglück betroffen sind, mit der Begründung, es sei der Wille Allāhs

 

Frage (Nr. 11499):

 

Einige von uns sehen muslimische Geschwister, welche von Schwierigkeiten und Desastern betroffen sind, und weder bewegen sie sich oder helfen ihnen, noch rufen sie andere dazu auf mit der Begründung, dass alles, was geschieht, der Wille Allāhs ist und es nicht richtig sei, ihnen zu helfen, während Allāh sie bestraft. Manche sagen, wenn sie dazu aufgerufen werden, den Armen und Bedürftigen zu helfen, dass man ihnen nichts Gutes tun könne, wo doch Allāh ihnen ihre Lage bestimmt hat. Allāh hat sie arm gemacht und kein Mensch kann sie reich werden lassen. Oder sie sagen, dass Allāh, wenn Er denn wollte, sie ohne unsere Hilfe wohlhabend machen könnte. Wie lautet der islamische Standpunkt hinsichtlich solcher Aussagen?

 

Antwort:

 

Alles Lob gebührt Allāh.

 

Solche und ähnliche Kommentare sind zweifellos falsch und bezeichnend für große Unwissenheit und verachtenswerte Nachlässigkeit. Der Wille Allāhs kann niemals der Grund sein, eine Sünde zu begehen oder eine Pflicht zu unterlassen.

 

Weiterhin hat Allāh uns befohlen, den Muslimen zu helfen, die sich in einer Notlage befinden, und den Bedürftigen. Er tadelt jene, die diese Pflicht vernachlässigen (ungefähre Bedeutung): „Keineswegs! Vielmehr behandelt ihr die Waise nicht freigebig (d. h. ihr behandelt sie nicht gut und gebt ihr nicht ihr Recht hinsichtlich des Erbes) und haltet euch nicht gegenseitig zur Speisung des Armen an. Und ihr verzehrt das Erbe, ja ihr verzehrt es ganz und gar. Und ihr liebt den Besitz, ja ihr liebt ihn voll und ganz.“ (89:17-20).

 

Die Armen nicht zu speisen ist einer der Gründe, warum jemand in die Hölle kommt. Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Was hat euch in Saqar (die Hölle) geführt?“ Sie werden sagen: „Wir gehörten nicht zu denjenigen, die beteten (al-Salāh), und wir pflegten nicht den Armen (al-Miskīn) zu speisen“ (74:42-44).

 

Alles Vermögen gehört Allāh. Wenn Er will, kann Er ihn dem Menschen wegnehmen, wenn dieser solche Dinge behauptet. Und würde der Mensch dann, wenn er verzweifelt nach Essen sucht, es mögen, wenn zu ihm das gesagt wird, was er nun zu anderen sagt?

 

Eine solche Meinung ist grundlegend falsch und eine große Irreführung. Wer so etwas sagt, ist wie jene, über die Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Und wenn zu ihnen gesagt wird: „Gebt von dem aus, womit Allāh euch versorgt hat“, sagen diejenigen, die ungläubig sind, zu denjenigen, die glauben: „Sollen wir jemanden ernähren, den Allāh, wenn Er wollte, ernähren würde? Ihr befindet euch nur in deutlichem Irrtum.“ (36:47).

 

Al-Īmān bi-l-Qadā’ wa-l-Qadar von Muhammad ibn Ibrāhīm al-Hamad, S. 140

Was ist der Fehler von Kindern, die in einer kāfir Umgebung geboren werden?

Was ist der Fehler von Kindern, die in einer kāfir Umgebung geboren werden?

 

Frage (Nr. 11783):

 

Die Menschen werden in verschiedenen Gesellschaften und Religionen geboren und aufgezogen und entwickeln unterschiedliche Mentalitäten und Identitäten. Wer in einer hinduistischen Familie geboren wird, wird zu einem Hindu herangezogen und für ihn ist die hinduistische Religion richtig. Es liegt von Kindheit an in seiner Natur, dass er von Anfang bis Ende ein Hindu ist. Erhält er dann die Botschaft des Islam, wie stehen die Chancen, dass er seine Religion, seine Identität aufgibt und eine neue annimmt? Für ihn ist es doch viel schwieriger als für jemanden, der als Muslim geboren wurde. Es erschreckt mich, wenn ich daran denke, dass ich mit irgendeinem anderen Glauben als dem Islam geboren worden sein könnte, wo wäre ich heute? Warum ist es nicht so, dass jeder die gleiche Chance hat, den Islam zu leben und das von der Wiege an? Ist dies eine Angelegenheit des Willens von Allāh, der Spiritualität (Hidayah) oder der menschlichen Psyche?

 

Antwort:

 

Alles Lob gebührt Allāh.

 

Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „So richte dein Gesicht (oh Muhammad) aufrichtig zur Religion (des islamischen Monotheismus) hin als Anhänger des rechten Glaubens (hanīf), – (gemäß) der natürlichen Anlage Allāhs, in der Er die Menschen er schaffen hat (Fitrah). Keine Abänderung gibt es für die Schöpfung Allāhs. Das ist die richtige Religion. Aber die meisten Menschen wissen nicht.“ (30:30).

 

Es wurde von Abu Hurayrah (möge Allāh mit ihm zufrieden sein) berichtet, dass der Gesandte Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) sagte: „Jedes Kind wird im Zustand der Fitrah (der natürlich Veranlagung des Menschen, d. h. Islam) geboren. Dann machen seine Eltern aus ihm einen Juden oder einen Christen oder einen Feueranbeter.“ (übereinstimmend angenommen)

 

Die korrekte Ansicht besagt, dass mit Fitrah die Religion des Islam gemeint ist, wie in dem bei Muslim verzeichneten Hadīth bestätigt wird, in dem der Gesandte Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) sagte: „Allāh sagte: Ich erschuf Meine Diener hanīf (als Diener des reinen Monotheismus), doch dann brachte der Schaytān sie von ihrer Religion ab. Er verbot ihnen, was Ich ihnen erlaubt hatte, und befahl ihnen, Mir andere beizugesellen, wozu Ich keine Ermächtigung herabgesandt hatte.“

 

Wenn gesagt wird, dass ein Kind als Muslim geboren wurde, bedeutet das, dass es von Natur aus bereit dazu geboren wird, den Islam vor dem anderen zu bevorzugen und den Islam als Religion zu wählen, wenn es das Alter der Einsicht erlangt, solange es davon nicht abgehalten wird, beispielsweise durch seine Begierden und Gelüste oder Gesellschaftszugehörigkeit. Durch das Befolgen seiner Gelüste wird es das Falsche bevorzugen, sodass es vielleicht eine Machtposition erhält oder Reichtum, und das Gefühl von Nationalstolz lässt es seinen Vorfahren oder den Stammesälteren nachlaufen, auch wenn diese nicht der wahren Rechtleitung folgen. Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „… (Sie sagen:) Wir haben ja (bereits) unsere Väter in einer bestimmten Glaubensrichtung vorgefunden, und auf ihren Spuren folgen wir ihrem Vorbild.“ (43:23).

 

Und Allāh informiert uns darüber, was die Mitläufer unter den Höllenbewohnern sagen werden (ungefähre Bedeutung): „Und sie sagen: „Unser Herr, gewiss, wir haben unseren Herrschern und unseren Großen gehorcht, und da haben sie uns vom Weg abirren lassen.“ (33:67).

 

Wenn jedes Kind im Zustand der Fitrah geboren wird, dann wird es unweigerlich einige geben, die in Übereinstimmung mit dieser Fitrah beeinflusst und gestärkt werden, wie jene, die von muslimischen Eltern geboren und in einer muslimischen Gesellschaft erzogen werden. Und es wird einige geben, deren Fitrah sich ändert, wie jene, die von kāfir Eltern geboren werden und  unter den Kuffār aufwachsen, seien es Juden, Christen, Feueranbeter oder Muschrikūn. Zweifellos hat derjenige, der im Islam geboren wurde, Mittel der Rechtleitung und des Glücks, die anderen nicht zur Verfügung stehen, welche in kāfir Gesellschaften geboren und aufgewachsen sind. Es ist ein Segen von Allāh, den Zugang zu Glauben und Rechtleitung zu gewähren, welchen Er gibt, wem auch immer Er will. Es sollte auch angemerkt werden, dass derjenige, dessen Fitrah verändert wurde, nicht für die Sünden eines anderen bestraft wird, sondern er wird bestraft, wenn der Ruf des Gesandten (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) ihn erreichte und er ihn aus Dickköpfigkeit, Arroganz oder Nationalstolz nicht akzeptiert und bei der Religion seiner Vorväter und Landsleute bleibt. Denn der Beweis wird gegen ihn begründet, wenn der Ruf des Gesandten ihn erreicht und in so einem Fall, wenn er auf seinen Kufr besteht, verdient er die Strafe. Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „… Wir strafen nicht eher, bis Wir einen Gesandten geschickt haben.“ (17:15).

 

Was du in deiner Frage erwähnst: „Es erschreckt mich, wenn ich daran denke…“, ist korrekt und weise, denn es ist der Segen Allāhs, dass du im Islam geboren wurdest. Wenn du in eine andere Religion hineingeboren worden wärst, dann würde die Gefahr bestehen, dass du bei der falschen Religion verbleibst. Doch wenn Allāh etwas Gutes für Seinen Diener will, dann macht Er es ihm leicht, die Mittel zur Rechtleitung zu erlangen, welche ihn von der Religion des Kufr zur Religion des Islam bringen. Alles liegt bei Allāh.

 

Wenn du aber in deiner Frage sagst: „Warum ist es nicht so…“, dann ist dies eine falsche Frage, geprägt von mangelnder Kenntnis von Allāhs Weisheit und Seinen Umgang mit der Schöpfung. Natürlich ist es unmöglich, dass dieselben Möglichkeiten für jedermann vorhanden sind, denn es gibt viele verschiedene menschliche Religionen, und die Rechtleitung zum Islam ist für den, der dafür auserwählt wurde. Allāh hat dem Menschen die Fähigkeit gegeben, zwischen Wahrheit und Falschheit zu unterscheiden, zwischen Nützlichem und Schädlichem, durch den Verstand, den Er ihm verliehen hat, sowie die Erklärungen, mit denen Er Seine Gesandten entsandte. Zur selben Zeit unterliegt der Willen eines Menschen dem Willen Allāhs, denn Er ist der Eine, Der in die Irre leitet, wen auch immer Er will, durch Seine Gerechtigkeit und Weisheit, und Der rechtleitet, wen auch immer Er will, durch Seine Gnade und Weisheit.

 

Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Es (der Qur’ān) ist nur eine Ermahnung für die Weltenbewohner (al-`Ālamīn – Menschen und Jinn), für jemanden von euch, der sich recht verhalten will. Und ihr könnt nicht wollen (zu sein), außer dass Allāh will, (Er), der Herr der Weltenbewohner.“ (81:27-29).

 

Scheikh `Abd al-Rahmān al-Barrāk

Warum Allāh geistig behinderte Menschen erschafft

 

Warum Allāh geistig behinderte Menschen erschafft

 

Frage (Nr. 7951):

 

Warum erschafft Allāh geistig behinderte Menschen?

 

Antwort:

 

Alles Lob gebührt Allāh.

 

Eines der Grundprinzipien des Islam ist der Glaube an die Weisheit des Herrn in dem, was  Er erschafft und befiehlt, und in dem, was Er will und bestimmt, in dem Sinne, dass Er nichts sinnlos erschafft und nichts bestimmt, in dem nicht ein Nutzen für Seine Diener zu finden ist. Alles existiert also durch Seinen Willen und Bestimmung. Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Allāh ist der Schöpfer von allem“ (13:16).

 

Seine perfekte Weisheit bestimmt, dass Er Gegensätze erschafft. Und so erschuf Er Engel und Teufel, Nacht und Tag, Reinheit und Unreinheit, Schönes und Hässliches und Er erschuf Gut und Böse. Er erschuf Seine Diener mit unterschiedlichen Körpern und Charakteren sowie Stärken. Er machte einige reich und andere arm, gesund oder krank, intelligent oder närrisch. Durch Seine Weisheit prüft Er sie und Er prüft einige durch andere, um zu zeigen, wer dankbar ist und wer nicht. Allāh sagt  (ungefähre Bedeutung):

 

„Wir haben den Menschen ja aus einem Samentropfen (Nutfah), einem Gemisch (aus sexuellen Ausflüssen des Mannes und der Frau) erschaffen, (um) ihn zu prüfen. Und so haben Wir ihn mit Gehör und Augenlicht versehen. Wir haben ihn ja den (rechten) Weg geleitet, ob er nun dankbar oder undankbar sein mag.“ (76:2-3)

 

„(Er,) Der den Tod und das Leben erschaffen hat, damit Er euch prüfe, wer von euch die besten Taten begeht.“ (67:2).

 

Wenn der gesunde Gläubige behinderte Menschen sieht, erkennt er den Segen, welchen Allāh ihm gewährte und ist dafür dankbar und bittet um gute Gesundheit. Er weiß, dass Allāh zu allem in der Lage ist.

 

Die Menschen sind unfähig, Allāhs Weisheit zu begreifen. Er kann nicht über das befragt werden, was Er tut, während die Menschen befragt werden. Erhaben und gepriesen ist Er. Was auch immer du von Seiner Weisheit verstehst, glaube daran, und was auch immer du nicht verstehen kannst, dazu sage: „Allāh weiß es am besten und ist weiser. Wir verstehen nichts außer dem, was Er uns lehrte und Er ist der Allwissende, Allweise.“

 

Scheikh ‘Abd al-Rahmān al-Barrāk