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Ein neuer Muslim findet es schwierig, die al-Fātihah zu rezitieren

Ein neuer Muslim findet es schwierig, die al-Fātihah zu rezitieren

Frage (Nr. 5410):

Ursprünglich ist Englisch meine Muttersprache, doch ich versuche inschaAllāh, Arabisch zu lernen. Als ich alhamdulillah den Islam annahm, lernte ich die Sūrah al-Fātihah anhand einer Umschreibung mit lateinischen Buchstaben auswendig. Diesen Herbst habe ich begonnen, mich mehr mit dem Gebet zu beschäftigen und in einem Buch des Fiqh habe ich gelesen, dass das Gebet von jemandem, der einen Buchstaben von al-Fātihah während des Gebets vergisst oder falsch ausspricht, ungültig ist. Als ich das las, war ich sehr betrübt, denn obwohl ich Arabisch lerne, gibt es einige Buchstaben, die ich immer noch nicht richtig aussprechen kann, und manche kann ich gar nicht sprechen. Ich liebe es, eine Aufnahme der Rezitation von al-Fātihah zu hören, doch fühle ich mich entmutigt, weil meine Rezitation so armselig im Verglich zu der der Rezitatoren ist. Seit ich dieses Urteil gelesen habe, bin ich während des Lesens im Gebet sehr nervös und kann mich nicht auf die Bedeutung konzentrieren. Ich höre meine falsche Aussprache der Buchstaben und kehre zur vorherigen Āyah zurück, um sie zu korrigieren. Dann mache ich aber den gleichen Fehler wieder oder sogar neue! Oftmals führt das dazu, dass ich al-Fātihah mehr als einmal rezitiere oder eine bestimmte Āyah mehrmals, weil ich denke, dass meine Gebete nicht akzeptiert werden wegen der falschen Aussprache einiger Buchstaben. Ich bin so nervös geworden, dass ich manchmal sogar Buchstaben falsch ausspreche, die ich eigentlich beherrsche. Was soll ich tun? Möge Allāh euch für jede Hilfe belohnen.

Antwort:

Alles Lob gebührt Allāh.

Erstens:

Die Rezitation der al-Fātihah ist eine Säule oder Notwendigkeit des Gebets gemäß der korrekten Gelehrtenmeinung und sie ist für den Imām, der das Gebet leitet, eine Pflicht sowie für denjenigen, der hinter einem Imām betet und für denjenigen, der allein betet.

Es wurde von Abu Hurayrah berichtet, dass der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) sagte: „Wer ein Gebet verrichtet, in dem er nicht Umm al-Kitāb (d. h. al-Fātihah) rezitiert, dessen Gebet ist mangelhaft.“ – und das sagte er dreimal. Abu Hurayrah wurde gefragt: „Was ist, wenn wir hinter einem Imām beten?“ Er antwortete: „Rezitiert sie bei euch selbst, denn ich hörte den Gesandten Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) sagen: `Allāh sagte: Ich habe das Gebet zwischen Mir Selbst und Meinem Diener aufgeteilt und Mein Diener soll erhalten, um was er gebeten hat.

Wenn der Diener sagt: Alhamdulillahi Rabbi-l-`Ālamin (Alles Lob gebührt Allāh, dem Herrn der Welten) – so antwortet Allāh: Mein Diener hat Mich gepriesen.

Und wenn er sagt: Ar-Rahmāni-r-Rahīm (dem Allerbarmer, dem Barmherzigen) – dann sagt Allāh, erhaben und gepriesen ist Er: Mein Diener hat Mich gelobt.

Und wenn er sagt: Māliki Yaumi-d-Dīn (dem Herrscher am Tage des Gerichts) – dann sagt Allāh: Mein Diener hat Mich verherrlicht; und zu einer Gelegenheit sagte Er: Mein Diener hat sich Meiner Macht unterworfen.

Und wenn er sagt: Iyyāka na`budu wa iyyāka nasta`īn (Dir allein dienen wir und zu Dir allein flehen wir um Hilfe) – sagt Er: Dies ist zwischen Mir und Meinem Diener und Mein Diener soll erhalten, um was er bittet.

Und wenn er sagt: Ihdina-s-Sirāta-l-mustaqīm, Sirāt alladhīna an`amta `alayhim ghayril-maghdūbi `alayhim wa la-d-dāllīin (Leite uns den geraden Weg, den Weg derjenigen, denen Du Gunst erwiesen hast, nicht derjenigen, die Deinen Zorn erregt haben, und nicht der Irregehenden) – sagt Er: Dies ist für Meinen Diener und Mein Diener soll haben, wonach er fragt.`“ (Muslim)

Deshalb muss der Betende richtig auf Arabisch rezitieren, denn uns wurde befohlen, den Qur’ān so zu lesen und zu rezitieren, wie er offenbart wurde.

Zweitens:

Wer nicht in der Lage ist, richtig zu sprechen, vielleicht weil er einen Defekt an seiner Zunge hat oder weil er die arabische Sprache nicht beherrscht, der muss seine Aussprache korrigieren so gut er kann.

Ist er dazu nicht in der Lage, dann ist diese Verpflichtung für ihn aufgehoben, denn Allāh erlegt niemandem mehr auf, als er tragen kann. Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Allāh erlegt keiner Seele mehr auf, als sie zu leisten vermag.“ (2:286).

Drittens:

Wenn jemand die al-Fātihah überhaupt nicht rezitieren kann oder nicht in der Lage ist, sie zu erlernen, oder er gerade erst Muslim geworden ist und die Zeit für das Gebet anbricht und er nicht mehr genügend Zeit hat, um sie zu lernen, dann wird ihm durch folgenden Hadīth eine Alternative verschafft: Es wurde berichtet, dass `Abd-Allāh ibn Abi Aufa sagte: „Ein Mann kam zum Propheten (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) und sagte: `Oh Gesandter Allāhs, lehre mich etwas vom Qur’ān, das für mich ausreichend ist, denn ich kann nicht lesen.` Er sagte: `Sag: Subhān-Allāh wa-l-hamdu Lillah wa lā ilāha ill-Allāh wa Allāhu akbar wa lā haula wa lā quwwata illa Billāh (Lob sei Allāh, Preis sei Allāh, es gibt keinen Gott außer Allāh und Allāh ist der Größte und es gibt keine Macht oder Kraft außer bei Allāh).` Der Mann machte mit seiner Hand eine greifende Geste (um zu zeigen, dass er viel gelernt hatte) und sagte: `Das ist für meinen Herrn und was gibt es für mich?` Er sagte: `Sag: Allāhumma ighfir li warhamni wahdini warzuqni wa `āfini (Oh Allāh, vergib mir, sei mir barmherzig, rechtleite mich und gewähre mir Versorgung und Wohlbefinden).` Der Mann machte wieder eine greifende Geste mit seiner anderen Hand und stand auf.“ (al-Nasā’i #924; Abu Dawūd #832; sein Isnād wurde von al-Mundhiri in al-Targhīb wa-l-Tarhīb als jayyid eingestuft, 2/430; al-Hāfiz ibn Hajar sagte in al-Talkhīs al-Habīr, 1/236, dass er hasan sei)

Ibn Qudāmah (möge Allāh ihm barmherzig sein) sagte: „Wenn jemand nichts vom Qur’ān weiß und es auch nicht erlernen kann, bevor die Zeit für das Gebet vorüber ist, dann muss er sagen: Subhān-Allāh wa-l-hamdu Lillah wa lā ilāha ill-Allāh wa Allāhu akbar wa lā haula wa lā quwwata illa Billāh (Lob sei Allāh, Preis sei Allāh, es gibt keinen Gott außer Allāh und Allāh ist der Größte und es gibt keine Macht oder Kraft außer bei Allāh), denn Abu Dawūd berichtete, dass ein Mann zum Propheten (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) kam und sagte: `Ich bin nicht in der Lage, irgendetwas vom Qur’ān zu lernen, deshalb lehre mich etwas, das mir genügen wird.` Er sagte: `Sag: Subhān-Allāh wa-l-hamdu Lillah wa lā ilāha ill-Allāh wa Allāhu akbar wa lā haula wa lā quwwata illa Billāh.` Der Mann sagte: `Das ist für meinen Herrn und was gibt es für mich?` Er sagte: `Sag: Allāhumma ighfir li warhamni wahdini warzuqni wa `āfini (Oh Allāh, vergib mir, sei mir barmherzig, rechtleite mich und gewähre mir Versorgung und Wohlbefinden).` Doch er muss nicht mehr als die ersten fünf Ausdrücke aufsagen, denn der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) sagte nur dies und er zählte erst dann noch etwas auf, als er danach gefragt wurde.“

Ist aber jemand in der Lage, einen Teil von al-Fātihah zu rezitieren, dann sollte er das lesen, was ihm möglich ist. Und er muss das, was er gut kann, wiederholen (sodass die Gesamtzahl dessen, was er rezitiert, sieben Verse beträgt, entsprechend der Anzahl an Versen der Sūrah al-Fātihah).

Ibn Qudāmah sagte: „Es kann für ihn ausreichend sein, Folgendes zu sagen: Alhamdulillah (Lob sei Allāh), Lā ilāha ill-Allāh (Es gibt keinen Gott außer Allāh) und Allāhu akbar (Allāh ist der Größte), denn der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) sagte: `Was du vom Qur’ān weißt, das rezitiere, ansonsten lobe Allāh, verkünde Seine Einheit und verherrliche Ihn.` (Abu Dawūd)“ (al-Mughni, 1/289, 290)

Was du darüber gelesen hast, dass das Gebet ungültig ist, wenn der Betende einen einzigen Buchstaben der al-Fātihah falsch ausspricht, kann nicht mit allgemein gültiger Bedeutung verstanden werden. Nicht jeder Fehler der al-Fātihah macht das Gebet ungültig, denn das kann nur dann für ungültig erklärt werden, wenn etwas von dieser Sūrah ausgelassen oder die Aussprache derart verändert wird, dass die Bedeutung entstellt wird. Außerdem gilt das Urteil, dass das Gebet ungültig wird, für jene, die al-Fātihah korrekt rezitieren können oder die es lernen könnten, dies aber nicht tun.

Wer es nicht lernen kann, der sollte so gut er kann rezitieren und das ist kein Nachteil für ihn, denn Allāh erlegt keiner Seele mehr auf, als sie zu tragen vermag. Eines der Grundprinzipien, die die Gelehrten aufgestellt haben, besagt, dass nichts obligatorisch ist, wenn jemand dazu nicht fähig ist. Siehe al-Mughni, 2/154.

In diesem Fall sollte man al-Fātihah so gut wie möglich rezitieren und dann Allāh ehren, Ihn preisen, verherrlichen und Seine Einheit bestätigen – indem man sagt: Subhān-Allāh wa-l-hamdu Lillah wa Allāhu akbar wa lā ilāha ill-Allāh – sodass dies ein Ausgleich ist für das, was von der al-Fātihah fehlt. Siehe al-Majmū`, 3/375.

Scheikh al-Islam ibn Taymiyah (möge Allāh ihm barmherzig sein) wurde gefragt: „Ist das Gebet desjenigen, der al-Fātihah nicht richtig ausspricht, gültig oder nicht?“

Er antwortete: „Wenn jemand al-Fātihah so falsch ausspricht, dass dabei nicht die Bedeutung entstellt wird, dann ist sein Gebet gültig, ob er nun andere im Gebet leitet oder allein betet.

Doch die Art der falschen Aussprache, durch die die Bedeutung entstellt wird, macht das Gebet ungültig, wenn der Betende die Bedeutung der Verse kennt – wie z. B. wenn er sagt: Sirāt allādhīna an `amtu `alayhim anstatt `amta, was dann bedeutet „den Weg derjenigen, denen Ich Gunst erwiesen habe“ – und wenn er weiß, dass die von ihm verwendete Verbform falsch ist. Weiß er aber nicht, dass er die Bedeutung verändert und er glaubt, es sei die zweite Person Singular und nicht die erste, dann gibt es in diesem Punkt eine Meinungsverschiedenheit der Gelehrten. Und Allāh weiß es am besten.“ (Majmū` al-Fatāwa, 22/443)

Du musst dich also hart bemühen und immer weiter üben. Du kannst üben, indem du vor einer anderen muslimischen Schwester liest, die die Rezitation gut beherrscht, und indem du dir Sūren anhörst, die von geübten Rezitatoren gelesen werden.

Du musst nicht nervös und ängstlich sein, denn Allāh weiß, was in den Herzen der Menschen ist, und Er weiß, wer sich bemüht und wer faul und nachlässig ist.

Durch die Schwierigkeit, die dir die Rezitation des Qur’ān bereitet, werden deine Hasanāt (gute Taten) und dein Lohn erhöht. Es wurde berichtet, dass `Ā’ischah (möge Allāh mit ihr zufrieden sein) überlieferte: Der Gesandte Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) sagte: „Wer den Qur’ān gut rezitieren kann, wird bei den edlen und gehorsamen Schreibern sein (d. h. den Engeln) und wer den Qur’ān liest und damit kämpft, weil es ihm schwer fällt, der wird zwei Belohnungen erhalten.“ (Muslim #798)

Al-Nawawi (möge Allāh ihm barmherzig sein) sagte: „Derjenige, der mit ihm kämpft, ist derjenige, der in seiner Rezitation zögerlich ist, weil er nicht gut auswendig lernen kann. Er wird zwei Belohnungen erhalten: den Lohn für die Rezitation und den Lohn für seine Anstrengung beim Lesen.“

Die Verse müssen nicht mehrmals wiederholt werden, denn das entspricht nicht dem, was der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) tat oder lehrte. Vielmehr öffnet so eine Vorgehensweise die Tür für Waswās (Einflüsterungen des Schaytān), lenkt vom Gebet ab, lässt den Betenden seine Konzentration verlieren, hält vom Nachdenken über die Bedeutung der Verse ab und macht den Schaytān glücklich, denn so kann er einen Weg finden, dich leiden zu lassen und am Ende gibst du das Gebet auf. Doch Allāh ist der Barmherzigste und Gnadenreichste und Er ist zu uns barmherziger, als wir selber es sind und Er trägt uns nicht mehr auf, als wir ertragen können.

Islam Q&A

Wenn der Imām zu einem fünften Rak`ah aufsteht

           

Wenn der Imām zu einem fünften Rak`ah aufsteht

 

Frage (Nr. 98453): 

 

Wenn der Imām fälschlicherweise zu einem fünften Rak`ah aufsteht und wir subhānAllāh sagen, er sich aber nicht wieder setzt – was sollen wir, die hinter ihm beten, dann tun?

 

Antwort: 

 

Alles Lob gebührt Allāh.

 

Wenn der Imām fälschlicherweise zu einem fünften Rak`ah aufsteht, dann sollten diejenigen, die hinter ihm beten, ihn darauf aufmerksam machen, sodass er sich wieder setzen kann. Setzt er sich nicht wieder, weil er glaubt, im Recht zu sein, dann ist es für den, der hinter ihm betet und der weiß, dass es ein fünftes Rak`ah ist, nicht erlaubt, dem Imām zu folgen und mit ihm aufzustehen, denn dadurch würde er seinem Gebet wissentlich und absichtlich ein Rak`ah hinzufügen, was das Gebet ungültig macht.

 

Vielmehr sollte der hinter ihm Betende sitzen bleiben, den Taschahhud rezitieren und den Salām sagen oder auf den Imām warten und den Salām mit ihm sagen.

 

Scheikh al-Islam ibn Taymiyah wurde über einen Imām befragt, der zu einem fünften Rak`ah aufstand und die Leute sagten subhānAllāh, doch er beachtete sie nicht und dachte, er hätte keinen Fehler gemacht. Sollten sie mit ihm aufstehen oder nicht?

 

Er antwortete: „Wenn sie mit ihm aufstanden, weil sie nicht bemerkten, dass es ein Fehler war, dann ist ihr Gebet nicht ungültig. Doch wenn sie es wissen, dann sollten sie ihm nicht folgen, sondern auf ihn warten, bis er Salām sagt, oder sie sagen den Salām vor ihm, doch es ist besser zu warten.“ (Majmū` al-Fatāwa 23/53).

 

Es heißt in Fatāwa al-Lajnah al-Dā’imah li-l-Ifta’ (7/128): „Was denjenigen anbelangt, der hinter einem Imām betet und der sich sicher ist, dass der Imām beispielsweise ein zusätzliches Rak`ah verrichtet, dann ist es ihm nicht erlaubt, diesem dabei zu folgen. Wenn er ihm folgt und dabei weiß, dass es ein zusätzliches Rak`ah ist und dass es nicht erlaubt ist, ihm zu folgen, dann ist sein Gebet ungültig.

 

Doch wenn er nicht bemerkt, dass es zusätzlich ist, dann kann er ihm folgen, und das gilt auch, wenn er die Regel nicht kennt.“

 

Es heißt auch (1/132): „Wenn jemand in der Gemeinschaft weiß, dass sein Imām aufgestanden ist, um ein zusätzliches Rak`ah zu verrichten, wie z. B. ein fünftes Rak`ah in einem vier Rak`ah-Gebet, dann sollte er Tasbīh sagen. Wenn der Imām sich wieder setzt, ist alles in Ordnung. Ansonsten sollte er sitzen bleiben und auf den Imām warten und den Salām mit ihm sagen.“

 

Und Allāh weiß es am besten.

 

Islam Q&A