Er leidet unter Einflüsterungen über den bösen Blick
Frage (Nr. 89604):
Wenn jemand etwas bewundert und dabei Allāh erwähnt, kann er dieser Sache dann mit dem bösen Blick schaden?
Er ist sich unsicher darüber und das verursacht viele Probleme in seinem sozialen Leben, sodass er Angst hat, andere Menschen und bestimmte Dinge anzusehen, wobei er weiß, dass er die Leute nicht um das beneidet, was sie haben, und er niemandem willentlich schaden möchte, und er gedenkt Allāhs die ganze Zeit und liest viel im Qur’ān. Ich hoffe, dass ihr eurem muslimischen Bruder diese Sorge nehmen könnte, möge Allāh euch mit Gutem belohnen.
Antwort:
Alles Lob gebührt Allāh.
Ich bitte Allāh darum, dir deine Schwierigkeit zu erleichtern und dir deinen Kummer zu nehmen.
Es sollte zuerst angemerkt werden, dass der Islam keine Beschwernis bringt. Vielmehr ist es eines der wichtigsten Ziele der Scharī`ah, den Menschen jede Bedrängnis zu nehmen.
Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „… Allāh will euch keine Bedrängnis auferlegen… “ (5:6).
Es ist dem Muslim nicht gestattet, auf den Schaytān zu hören und ihn sein Leben mit Zweifeln, Waswās und Paranoia füllen zu lassen, denn wenn er das tut, wird er sich in dieser Welt verlieren und nichts für das Jenseits gewinnen. Solche Einflüsterungen (Waswās) sind nichts anderes als Tricks des verfluchten Satans, der den Gläubigen Kummer verursachen will. Und Allāh ist der beste Beschützer und der Barmherzigste aller Barmherzigen.
Du musst diesen Einflüsterungen eine Ende setzen und den schlechten Gedanken keine Aufmerksamkeit schenken. Es ist ausreichend für dich, wenn du die in der Scharī`ah empfohlenen Dhikr sprichst, sobald du etwas Gutes siehst. Allāh wird es vor dem bösen Blick schützen und vor dem zerstörerischen Neid (Hasad). Das Gedenken an Allāh (Dhikr) und der böse Blick oder Neid können nicht nebeneinander existieren.
Es wurde von Abu Umāmah ibn Sahl ibn Hanīf berichtet, dass der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) sagte: „Warum erbittest du keinen Segen, denn der böse Blick ist real.“ (Mālik in al-Muwatta‘, 2/938; von al-Albāni in al-Silsilah al-Sahīhah, 6/149, als sahīh eingestuft)
Al-Zarqāni sagte in Scharh al-Muwatta‘ (4/320): „Damit ist gemeint: Warum hast du nicht gesagt `Bārak Allāhu fīk (möge Allāh dich segnen)` und das hätte die Befürchtung des bösen Blicks ausgeräumt und seine Auswirkungen genommen.“
Es wurde von `Abd-Allāh ibn `Āmir ibn Rabī`ah von seinem Vater (möge Allāh mit ihm zufrieden sein) berichtet, dass der Gesandte Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) sagte: „Wenn einer von euch bei sich selbst oder seinem Bruder etwas bemerkt, das er mag, dann soll er um Segen bitten, denn der böse Blick ist real.“ (al-Hākim in al-Mustadrak, 4/240; er sagte: „Der Isnād des Hadīth ist sahīh, obwohl sie – al-Bukhāri und Muslim – ihn nicht verzeichneten. Al-Dhahabi stimmte mit ihm überein. Von al-Albāni in Sahīh al-Jāmi`#556 als sahīh eingestuft.)
Es heißt in al-Mausū`ah al-Fiqhiyyah (13/31): „Das zeigt, dass der böse Blick keinen Schaden verursachen kann, wenn sein möglicher Verursacher Segnungen ausspricht. Es ist jedem, der etwas bewundert, empfohlen, Segnungen auszusprechen, denn wenn er um Segen bittet, wird der Schaden unweigerlich abgewendet. Das Aussprechen von Segnungen heißt: Tabārak Allāh ahsan al-Khāliqīn, Allāhumma bārik fihi (Gesegnet sei Allāh, der Beste der Schöpfer, oh Allāh segne es).“
Al-Nawawi sagte: „Es ist mustahabb für denjenigen, der mit dem bösen Blick schaden könnte, um Segen für jenen zu beten, dem geschadet werden könnte, und zu sagen: Allāhumma bārik wa lā tadurrahu (Oh Allāh segne und schade ihm nicht) sowie MaschaAllāh lā quwwata illa Billāh (Wie Allāh will, es gibt keine Macht außer bei Allāh).“
Al-Hāfiz ibn Hajar sagte in Fath al-Bāri (10/205): „Wer etwas bewundert, soll schnell darum bitten, dass dieses gesegnet wird. Das wird eine Ruqyah von ihm sein.“
In Fatāwa al-Lajnah al-Dā’imah (1/547) heißt es: „Die Heilung für denjenigen, der Schaden durch den bösen Blick verursachen könnte, wenn er etwas sieht, das er begehrt, ist das Gedenken an Allāh und das Bitten um Segen.“
Scheikh al-Fauzan sagte in al-Muntaqa (1/Frage #87): „Wenn derjenige, der Schaden durch den bösen Blick verursachen könnte, befürchtet, dass er der Sache, die er ansieht, schaden könnte, soll er sagen: Allāhumma bārik `alayhi (Oh Allāh, segne es). Ähnlich ist es auch mustahabb für ihn zu sagen: MaschaAllāh lā quwwata illa Billāh (Wie Allāh will, es gibt keine Macht außer bei Allāh), denn es wurde von Hischām ibn `Urwah von seinem Vater berichtet, dass er, wenn er etwas sah, das er mochte, oder wenn er einen seiner Gärten betrat, sagte: MaschaAllāh lā quwwata illa Billāh (Wie Allāh will, es gibt keine Macht außer bei Allāh).“
Wenn derjenige, der mit dem bösen Blick Schaden verursachen könnte, immer diesen Dhikr spricht, dann wird er den Schaden abwenden inschaAllāh.
Es heißt in Fatāwa al-Scheikh `Abd al-Karīm al-Khudayr (5): „Der Muslim sollte nicht zulassen, dass Zweifel, Einbildungen, Verdächtigungen und übertriebene Angst vor dem bösen Blick ihn überwältigen, sodass er psychische Krankheiten oder Ähnliches erleidet. Er sollte gut von Allāh, dem Erhabenen, denken und verstehen, dass alles, was ihn trifft, ihn nur durch den Willen Allāhs trifft. So soll er sich also Allāh zuwenden, denn Allāh allein ist in der Lage, Schaden abzuwenden und Erleichterung zu bringen.“
Wenn du etwas siehst, das dir gefällt, dann bitte Allāh um Segen und beachte daneben nichts. Allāh wird diese Sache wegen deines Du`ā‘ beschützen und den Schaden davon abwenden. Fürchte dich nicht weiter, denn das ist es nicht, was Allāh für Seine Diener will. Bemühe dich auch darum, in allen Dingen den Willen Allāhs zu erkennen, denn Er besitzt gewaltige Weisheit und Er gibt und hält zurück, erniedrigt und erhöht und niemand kann Sein Urteil ablehnen (vgl. 13:41) und niemand kann Seine Worte ändern (vgl. 6:115).
Oh Diener Allāhs, denke immer daran, dass diese Welt und alles, was auf ihr ist, zu unbedeutend sein sollte für die Menschen, um sich gegenseitig zu beneiden und einander Unrecht zu tun, wie al-Mutanabbi sagte: „Was das Herz begehrt ist zu unbedeutend für die Menschen, als dass sie einander Unrecht tun oder einander zerstören sollten, um es zu erlangen.“
Das wird auch durch die folgenden Worte des Propheten (Allāhs Frieden und Segen seien mit ihm) bestätigt: „Warum sollte einer von euch seinen Bruder töten?“ (Imām Mālik #1746; Ahmad #15550 und andere).
Und Allāh weiß es am besten.
Islam Q&A