Jede Wolke hat einen Silberstreif
Frage (Nr. 21631):
Ich habe im Fernsehen das Unglück gesehen, welches die muslimische Ummah befallen hat – in Palästina bluten die Wunden, in Tschetschenien werden die Körper gefällt, in Afghanistan die Häuser zerstört, auf den Philippinen und in Kaschmir, im Irak … Allāh allein weiß, wen es morgen trifft. Müssen wir diese Katastrophen als gut oder schlecht betrachten?
Antwort:
Alles Lob gebührt Allāh.
Katastrophen und Unglücke wurden aus einem Grund erschaffen, den niemand außer Allāh vollständig nachvollziehen kann. Einige der Dinge, die Allāh uns gezeigt hat, beweisen dies.
1. Katastrophen und Unglücke sind eine Prüfung für die Geduld des Gläubigen. Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Oder meint ihr etwa, dass ihr in den (Paradies-) Garten eingehen werdet, noch bevor Gleiches über euch gekommen ist, wie über diejenigen, die vor euch dahingegangen sind? Not und Leid widerfuhr ihnen, und sie wurden erschüttert, bis dass der Gesandte und diejenigen, die mit ihm glaubten, sagten: „Wann kommt Allāhs Sieg?“ Aber wahrlich, Allāhs Sieg ist nahe.“ (2:214)
2. Dies ist ein Zeichen der Schwäche des Menschen und seines Bedarfs an seinem Herrn und es zeigt, dass er nicht erfolgreich sein kann, bis er dies erkennt und damit beginnt, Ihn anzuflehen.
3. Unglücke sind ein Mittel zur Sühne von Sünden und um den Status eines Menschen zu erhöhen. Der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte: „Es gibt nichts, was einen Gläubigen trifft, und sei es auch nur ein Dornenstich, ohne dass Allāh es ihm als gute Tat verzeichnet und ihm dafür eine schlechte Tat auslöscht.“ (Muslim)
Es wurde berichtet, dass Abu Hurayrah sagte: Der Gesandte Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte: „Ein Mu‘min und eine Mu‘minah bekommen solange Prüfungen an sich selbst, am eigenen Kind und am Besitz, bis sie auf Allāh treffen und auf ihnen keine Sünde mehr lastet” (al-Tirmidhi #2399; von al-Albāni in al-Silsilah al-Sahīhah #2280 als sahīh klassifiziert)
Und es wurde berichtet, dass Jābir sagte: Der Gesandte Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte: „Am Tag der Auferstehung, wenn den Leuten, die eine Drangsal befallen hatte, ihre Belohnung gegeben wird, werden diejenigen, die gesund waren, sich wünschen, ihre Haut wäre in dieser Welt mit Scheren in Streifen geschnitten worden.“ (al-Tirmidhi #2402; al-Silsilah al-Sahīhah #2206)
4. Einer der Gründe für Unglücke ist, damit die Leute sich nicht nur mit dieser Welt zufrieden geben. Wäre die Welt frei von Leid, würde der Mensch sie mehr lieben und damit zufrieden sein und das Jenseits vergessen. Doch Unglücke wecken sie auf aus ihrer Nachlässigkeit und lassen sie sich um den Ort bemühen, an dem es kein Leid oder Prüfungen gibt.
5. Einer der wichtigsten Gründe für Unglücke und Versuchungen ist, vor Nachlässigkeit zu warnen, sodass der Mensch das Verpasste in den Bereichen nachholen kann, in denen er nachlässig war. Das ist wie die Warnung an einen Arbeiter oder Studenten, der nachlässig ist. Der Zweck ist, ihn sein Defizit aufholen zu lassen. Wenn er das tut, ist es gut, ansonsten verdient er eine Strafe. Der Beweis dafür ist z. B. in dem folgenden Vers zu finden (ungefähre Bedeutung): „Wir haben ja schon zu Gemeinschaften vor dir (Gesandte) gesandt und über sie Not und Leid kommen lassen, auf dass sie unterwürfig flehen mögen. Wenn sie doch nur, als Unsere Gewalt über sie kam, unterwürfig gefleht hätten! Aber ihre Herzen verhärteten sich, und der Satan schmückte ihnen aus, was sie zu tun pflegten.“ (6:42) Ein weiterer Grund ist die Bestrafung jener, die früher gewarnt wurden, doch sie zogen keinen Nutzen aus dieser Warnung und besserten ihren Weg nicht, sie bestanden auf ihrer Sünde. Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „und da vernichteten Wir sie für ihre Sünden“ (8:54) Und Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Wir haben bereits die Geschlechter vor euch vernichtet, als sie Unrecht taten, als ihre Gesandten mit den klaren Beweisen zu ihnen kamen, und sie nicht glauben mochten. So vergelten Wir dem übeltätigen Volk.“ (10:13) und „Und wenn Wir eine Stadt vernichten wollen, befehlen Wir (Allāh gehorsam zu sein und rechtschaffen)denjenigen, die in ihr üppig leben (, zu freveln), und dann freveln sie in ihr. So bewahrheitet sich das Wort gegen sie, und dann zerstören Wir sie vollständig.“ (17:16).
Ibn Taymiyah (möge Allāh ihm barmherzig sein) sagte: „Kummer kann von dem begleitet werden, wofür der Mensch belohnt und gelobt wird, deshalb kann er in diesem Sinne gut sein; Kummer an sich ist nicht aber gut, wie z. B. bei jemandem, der traurig ist, weil er in religiösen Angelegenheiten nachlässig war, oder weil Unglücke die Muslime getroffen haben. In diesem Fall wird der Mensch für das belohnt, was in seinem Herzen an Liebe zum Guten und an Hass für das Übel ist, doch der Kummer an sich, wenn er zum Versagen bei den Pflichten führt, nämlich bei der Geduld, beim Jihād, dem Streben nach Nützlichem und dem Abwenden von Schädlichem, ist verboten, doch wenn der Mensch es nicht aufgibt und es für ihn nicht als Sünde verzeichnet wird, dann ist er in Ordnung.“
Wer also möchte, dass Allāh seine Situation ändert, ohne dass er sich auf irgendeine Art und Weise anstrengt, muss dies verstehen.
6. Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Wir haben ja schon zu Gemeinschaften vor dir (Gesandte) gesandt und über sie Not und Leid kommen lassen, auf dass sie unterwürfig flehen mögen. Wenn sie doch nur, als Unsere Gewalt über sie kam, unterwürfig gefleht hätten! Aber ihre Herzen verhärteten sich, und der Satan schmückte ihnen aus, was sie zu tun pflegten.“ (6:42).
Al-Sa`di (möge Allāh ihm barmherzig sein) sagte: „Dies bedeutet: Wir entsandten Gesandte zu den Völkern, die vor dir waren, und sie glaubten nicht an Unsere Gesandten und lehnten Unsere Zeichen ab. So bezwangen Wir sie mit Armut, Krankheit, Drangsal und Katastrophen als eine Barmherzigkeit von Uns ihnen gegenüber, damit sie sich demütig verhielten und sich Uns in Zeiten der Schwierigkeit zuwandten.“
Und Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Unheil (Sünden und Ungehorsam Allāh gegenüber) ist auf dem Festland und im Meer erschienen wegen dessen, was die Hände der Menschen erworben haben (durch Unterdrückung und üble Taten), damit Er sie einiges von dem kosten lässt, was sie getan haben, auf dass sie umkehren mögen (indem sie bei Allāh bereuen und um Seine Vergebung flehen).“ (30:41).
Al-Sa`di interpretierte das Wort „Fasād“ (hier mit Unheil übersetzt) so, dass es sich auf Desaster bezieht, die an Land oder im Meer geschehen, die das Leben der Menschen erschweren und viele Probleme verursachen hinsichtlich des Wohlbefindens und des Lebensunterhaltes.
Und die Desaster, die sie selbst befallen, wie Krankheiten, Plagen und Ähnliches. Diese treten auf wegen der üblen Taten, die ihre eigenen Hände erarbeitet haben und die nur zu schlechten Konsequenzen führen können.
Der Ausdruck „damit Er sie einiges von dem kosten lässt, was sie getan haben“ bedeutet, dass sie wissen sollen, dass Allāh sie für ihre Taten entschädigt. So gibt Er ihnen einen Vorgeschmack der Entlohnung ihrer Taten in dieser Welt, „auf dass sie umkehren mögen“, d. h. damit sie ihre Taten, die für sie üble Konsequenzen haben, bereuen und ihre Angelegenheiten richten können.
Ehre sei Dem, Der durch Seine Strafe segnet, denn wenn Er sie alle das kosten ließe, was sie taten, dann würde keine lebendige Kreatur auf der Erde verbleiben.
7. Gottesdienst in Zeiten der Schwierigkeit und Versuchung hat einen speziellen Geschmack und bringt eine besondere Belohnung mit sich.
Es wurde von Ma`qil ibn Yasār berichtet, dass der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte: „Die Anbetung in Zeiten der Drangsal und Irrung ist wie die Auswanderung, um sich mir anzuschließen.“ (Muslim #2948)
Al-Nawawi sagte: „Der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte: `Die Anbetung in Zeiten der Drangsal und Irrung ist wie die Auswanderung, um sich mir anzuschließen.` Der Grund, warum der Gottesdienst in solchen Zeiten von so gewaltigem Vorzug ist, ist der, dass die Menschen nachlässig bei der Verrichtung der Anbetung werden und sich davon ablenken lassen und niemand konzentriert sich auf den Gottesdienst außer einigen wenigen.“
Al-Qurtubi sagte: „Versuchung und große Schwierigkeiten werden eintreten, bis die Angelegenheiten der Religion leicht genommen werden und die Menschen sich um nichts anderes kümmern als um ihre weltlichen Angelegenheiten und wie sie ihren Lebensunterhalt verdienen können. Somit wird der Gottesdienst sehr wichtig in Zeiten der Drangsal, wie Muslim von Ma`qil ibn Yasār in dem marfū` Bericht überlieferte: ` Die Anbetung in Zeiten der Drangsal und Irrung ist wie die Auswanderung, um sich mir anzuschließen.`“
8. Segen, der nach Schmerz, Leid und Schwierigkeit kommt, ist den Menschen wertvoller.
Dadurch schätzen sie den Segen guter Gesundheit und Sicherheit so, wie dieser geschätzt werden sollte.
Ein weiterer Vorteil der Drangsal ist, dass sie eine Erinnerung daran ist, wie Allāh den Menschen gesegnet hat. Denn der Mensch, der beispielsweise mit Sehkraft erschaffen wurde, vergisst den darin liegenden Segen und würdigt ihn nicht angemessen. Doch wenn Allāh ihn mit vorübergehender Blindheit prüft und ihm dann sein Sehvermögen wiedergibt, wird er den Wert dieses Segens richtig verstehen. Wenn die Dinge immer einfach sind, kann jemand den Segen und die Dankbarkeit dafür vergessen, sodass Allāh den Segen nimmt und dann wiederherstellt, als Ermahnung, damit der Mensch dankbar ist.
Ein Unglück kann denjenigen, der davon getroffen wird, und auch andere an die Segnungen Allāhs erinnern. Wenn jemand einen Menschen sieht, der geistig zurückgeblieben ist, dann wird er den Segen des gesunden Verstandes zu schätzen wissen. Sieht er jemanden, der körperlich krank ist, dann wird er den Segen der Gesundheit zu schätzen wissen. Sieht er einen Kāfir, der wie ein Vieh lebt, wird er den Segen des Glaubens zu schätzen wissen. Sieht er einen unwissenden Mann, dann lernt er den Segen des Wissens zu schätzen. Nur derjenige, dessen Herz offen ist, wird so empfinden. Wer kein Herz hat, ist nicht dankbar für die Segnungen Allāhs, sondern er ist der Schöpfung Allāhs gegenüber arrogant.
9. Der Vorzug des Unglücks ist, dass es den Menschen aus der Nachlässigkeit errettet und ihn vor Mängeln in seiner Pflichterfüllung Allāh gegenüber warnt, sodass er nicht glaubt, er sei perfekt, was zu einer Härte seines Herzens und Nachlässigkeit führen würde.
Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Wenn sie doch nur, als Unsere Gewalt über sie kam, unterwürfig gefleht hätten! Aber ihre Herzen verhärteten sich, und der Satan schmückte ihnen aus, was sie zu tun pflegten.“ (6:43).
10. Einer der Vorteile von Drangsal und Schwierigkeiten ist die Reinigung. Schwierigkeiten offenbaren, wie die Menschen wirklich sind, und zeigen Unterschiede zwischen gut und schlecht, wahr und falsch, zwischen dem Gläubigen und dem Heuchler. Allāhs sagt über die Schlacht von Uhud und was den Muslimen an jenem Tag geschah, die Weisheit hinter dieser Prüfung erklärend (ungefähre Bedeutung): „Nimmer wird Allāh die Gläubigen in dem (Zustand) belassen, in dem ihr euch befindet, bis Er das Schlechte vom Guten gesondert hat. …“ (3:179). Die wahre Natur aller Dinge wird somit deutlich gezeigt.
11. Wenn Muslime anderen Muslimen helfen, die von einem Unglück getroffen wurden, werden sie dafür belohnt. Der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte: „Das Gleichnis der Gläubigen in ihrer gegenseitigen Liebe, Barmherzigkeit und Mitgefühl füreinander ist das des Körpers – wenn ein Teil davon leidet, schließt sich der Rest des Körpers durch Wachbleiben und Fieber an.“ (al-Bukhāri #6011; Muslim #2586)
Und er (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte: „Keiner von euch glaubt wirklich, bis er für seinen Bruder das liebt, was er für sich selbst liebt.“ (al-Bukhāri #13; Muslim #45)
12. In Zeiten der Drangsal und des Krieges erkennen wir die wahre Bedeutung, der Worte Allāhs (ungefähre Bedeutung): „Helft einander zur Güte (al-Birr) und Gottesfurcht (al-Taqwa)“ (5:2).
Arten der Kooperation in der Da`wah und der Unterstützung des Islams beinhalten: Jihād gegen die Kuffār und Heuchler um Allāhs willen, der Zusammenschluss mit den Leuten der islamischen Da`wah im Kampf gegen die Anhänger des Kufr und der Irreleitung sowie die Vorbereitung aller Mittel zum Jihād um Allāhs willen.
Eine Möglichkeit zur Kooperation bei der Unterstützung des Islams wurde zur Zeit des Propheten (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) eingeführt und ist die Kooperation beim Töten derjenigen, die behaupteten, Propheten zu sein, der Führer der Muschrikūn und Apostaten, einschließlich jener, die den Propheten (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) beleidigt hatten.
Islam Q&A
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