Islam Fragen & Antworten

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Gibt es gemäß der Sunnah irgendein Du`ā’ für denjenigen, der den Qur’ān vollständig gelesen hat?

Gibt es gemäß der Sunnah irgendein Du`ā’ für denjenigen, der den Qur’ān vollständig gelesen hat? 

Frage (Nr. 65581): 

Gibt es gemäß der Sunnah irgendein Du`ā’ für denjenigen, der den Qur’ān vervollständigt hat? 

Antwort: 

Alles Lob gebührt Allāh. 

Es gibt gemäß der Sunnah kein spezielles Du`ā’ für denjenigen, der den Qur’ān vervollständigt hat, und auch nicht von den Gefährten des Propheten (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) oder den bekannten Imāmen. Eines der bekanntesten Du`ā’ in dieser Angelegenheit ist das, welches am Ende vieler Mushaf angeführt und das Scheikh al-Islam ibn Taymiyah (möge Allāh ihm barmherzig sein) zugerechnet wird. Doch es gibt keine Basis dafür, es ihm zuzurechnen. Siehe Fatāwa al-Scheikh ibn `Uthaymīn, 14/226. 

Das Du`ā’ nach der Vervollständigung des Qur’āns wird entweder nach der Vervollständigung während des Gebets rezitiert oder außerhalb des Gebets. Es gibt keine Basis für die Rezitation irgendeines Du`ā’ nach der Vervollständigung während des Gebets. Was die Rezitation eines Du`ā’ nach der Vervollständigung außerhalb des Gebets anbelangt, so wurde berichtet, dass Anas (möge Allāh mit ihm zufrieden sein) das tat. 

Scheikh ibn `Uthaymīn (möge Allāh ihm barmherzig sein) wurde gefragt: „Wie lautet das Urteil über das Verrichten eines Du`ā’ nach der Vervollständigung des Qur’ān in den Nachtgebeten des Ramadān?“ 

Er antwortete: „Ich kenne kein Du`ā’ zur Vervollständigung des Qur’āns in den Nachtgebeten des Ramadān, weder vom Propheten (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) noch von seinen Gefährten. Das Äußerste, was darüber berichtet wurde, ist, dass Anas ibn Mālik (möge Allāh mit ihm zufrieden sein), als er die Lesung des Qur’āns vervollständigt hatte, seine Familie versammelte und Du`ā’ machte. Dies hing zusammen mit dem Lesen außerhalb des Gebets.“ (Fatāwa Arkān al-Islam, S. 354). 

Scheikh Bakr Abu Zayd schrieb einen nützlichen Aufsatz zu diesem Thema, an dessen Ende er sagte: „Aus den Zitaten der zwei vorherigen Abschnitte können wir folgende Schlussfolgerung ziehen: 

1.         Du`ā’ zur Vervollständigung des Qur’āns im Allgemeinen – die Schlussfolgerung dazu lautet wie folgt:  

Erstens: Was wir oben genannt haben, hat mit dem Du`ā’ zur Vervollständigung des Qur’āns im Allgemeinen zu tun. Es gibt keinen Beweis, dass der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) es tat, sondern die Überlieferungen sind entweder maudū` (erfunden) oder da`īf (schwach) ohne unterstützende Berichte. Es ist ziemlich sicher, dass es keinen marfū` Bericht zu dieser Angelegenheit gibt, auf den man sich verlassen kann. Denn die Gelehrten, welche ausführlich über die Wissenschaften des Qur’āns schrieben und über die Dhikr, die in Verbindung mit dem Qur’ān rezitiert werden sollten, wie z. B. al-Nawawi, ibn Kathīr, al-Qurtubi und al-Suyūti, erwähnten nichts anderes als das, was wir oben nannten. Wenn sie Überlieferungen mit stärkeren Isnād gekannt hätten, dann hätten sie sie angeführt. 

Zweitens: Es gibt einen sahīh Bericht, dass Anas ibn Mālik (möge Allāh mit ihm zufrieden sein) Du`ā’ verrichtete, als er den Qur’ān vervollständigt hatte, und er versammelte seine Familie und Kinder dafür und eine Anzahl an Tābi`īn folgte ihm darin, wie in dem Bericht von Mujāhid ibn Jabr (möge Allāh ihnen allen barmherzig sein) erwähnt wurde. 

Drittens: Es gibt keine Erwähnung in den Texten von Imām Abu Hanīfah und Imām al-Schāfi`i (möge Allāh ihnen barmherzig sein) darüber, dass es im Islam empfohlen sein sollte. 

Von Imām Mālik (möge Allāh ihm barmherzig sein) wurde berichtet, dass es nichts ist, was die Leute taten, und dass die Vervollständigung des Qur’āns in den Nachtgebeten des Ramadān keine Sunnah ist. 

Viertens: Die Ansicht, dass es mustahabb ist, Du`ā’ nach der Vervollständigung des Qur’āns zu verrichten, wurde von Imām Ahmad (möge Allāh ihm barmherzig sein) berichtet, wie unsere Hanbali Gelehrten von ihm sagten und wie es von einigen der späteren Gelehrten der anderen drei Madhhab bestätigt wurde. 

2.         Das Du`ā’ infolge der Vervollständigung des Qur’āns im Gebet – dies kann wie folgt zusammengefasst werden: 

Erstens: Dem oben Stehenden kann entnommen werden, dass es keinen einzigen Buchstaben vom Propheten (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) oder einem seiner Gefährten gibt (möge Allāh mit ihnen zufrieden sein), um zu beweisen, dass es islamisch empfohlen ist, dieses Du`ā’ im Gebet nach der Vervollständigung des Qur’āns zu rezitieren, vor oder nach der Verbeugung, sei es durch den Imām oder durch denjenigen, der alleine betet. 

Zweitens: Das Äußerste, was wir zu dieser Angelegenheit finden können, ist das, was von den Gelehrten unseres Madhhab aus dem Bericht von Imām Ahmad (möge Allāh ihm barmherzig sein) angeführt wurde, gemäß dem Bericht von Hanbal, al-Fadl und al-Harbi, von dem wir den Isnād nicht finden können, über das Sagen des Du`ā’ zur Vervollständigung des Qur’āns im Tarāwīh-Gebet vor der Verbeugung. 

Gemäß einem anderen von ihm überlieferten Bericht – dessen Quelle nicht bekannt ist – erlaubte er es im Du`ā des Witr. 

Siehe Marwiyāt Du`ā’ Khatm al-Qur’ān. Siehe auch in der Antwort zu Frage #12949.  

Und Allāh weiß es am besten. 

Islam Q&A


Qunūt während des Gebets

Qunūt während des Gebets

Frage (Nr. 20031): 

Ich würde gern Informationen über das Qunūt beim Gebet (das Erheben der Hände nach der Rukū`) bekommen – war das die übliche Praxis des Propheten (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) oder verrichtete er es nur ausnahmsweise entsprechend der Situation? Bitte antwortet mir, denn der Imām unserer Moschee sagte, dass der Prophet (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) einmal gefragt wurde, welches Gebet das beste sei, und er (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) antwortete, dass es das mit dem langen Qunūt sei. 

Antwort: 

Alles Lob gebührt Allah. 

Gemäß der Definition der Fuqaha’ ist Qunūt „der Name eines Du`ā’ – Bittgebets – das während des Gebets an einem bestimmten Punkt im Stehen verrichtet wird“. Es ist im Witr-Gebet nach der Rukū` (Verbeugung) empfohlen, gemäß der besseren von zwei Gelehrtenmeinungen. 

Wenn eine Bedrängnis (Nāzilah) die Muslime befällt, dann ist es empfohlen, Du`ā’ al-Qunūt nach dem Erheben aus der Rukū` des letzten Raka`ah von jedem der fünf täglichen Gebete zu sprechen, bis Allah die Muslime von dieser Drangsal befreit. (Siehe Tashīh al-Du`ā’ von Scheikh Bakr Abu Zayd, S. 460). 

Es gibt keinen sahīh Bericht darüber, dass der Prophet (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) das Du`ā’ al-Qunūt speziell in jedem Fajr-Gebet und unter allen Umständen sagte. Vielmehr ist belegt, dass er (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) das Du`ā’ al-Qunūt in Zeiten der Bedrängnis sagte, mit Worten, die der Situation angemessen waren. Er sagte das Du`ā’ al-Qunūt im Fajr- und bei anderen Gebeten, gegen die Ra’l, Dhakwān und `Usayyah betend, die die Qur’ān-Rezitatoren, die der Prophet (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) zu ihnen gesandt hatte, um sie die Religion zu lehren. Und es ist belegt, dass er im Fajr-Gebet und in anderen Gebeten für die schwachen und unterdrückten Gläubigen betete, damit Allah sie vor ihren Feinden bewahrte. Doch er tat das nicht die ganze Zeit über. Die rechtgeleiteten Khalīfen nach ihm befolgten dieselbe Vorgehensweise. Es ist besser für den Imām, Qunūt auf Zeiten der Drangsal zu beschränken, dem Beispiel des Gesandten Allahs (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) folgend, wie auch Abu Mālik al-Asch`ari berichtete: „Ich sagte zu meinem Vater: `Oh mein Vater, du betestest hinter dem Gesandten Allahs (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) und hinter Abu Bakr, `Umar, `Uthmān und `Ali (möge Allah mit ihnen zufrieden sein). Pflegten sie Du`ā’ al-Qunūt im Fajr-Gebet zu sagen?` Er antwortete: `Oh mein Sohn, das ist eine neu eingeführte Angelegenheit.`“ (von den Fünfen berichtet, abgesehen von Abu Dawūd; von al-Albāni in al-Irwa’ #435 als sahīh klassifiziert). Die beste Führung ist die Führung von Muhammad (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm). Und Allah ist die Quelle der Stärke. Möge Allah Frieden und Segen auf unseren Propheten Muhammad senden und auf seine Familie und die Gefährten.“ (al-Lajnah al-Dā’imah li-l-Buhūth al-`Ilmiyyah wa-l-Iftā’ 7/47). 

Wenn man fragt, ob es einen speziellen Wortlaut für Qunūt im Witr-Gebet oder für Qunūt in Zeiten der Bedrängnis gibt, so lautet die Antwort: Für Du`ā’ al-Qunūt im Witr-Gebet wurden verschiedene Wortlaute überliefert, einschließlich der folgenden: 

Die Version, die der Gesandte Allahs (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) al-Hasan ibn `Ali (möge Allah mit ihm zufrieden sein) lehrte: „Allāhumma ihdini fīman hadayta wa ‘āfini fīman ‘āfayta wa tawallani fīman tawallayta wa bārik li fīma a’tayta, wa qini sharra ma qadayta , fa innaka taqdi wa la yuqda ‘alayk, wa innahu lā yadhillu man wālayta wa lā ya’izzu man ‘ādayta, tabārakta Rabbana wa ta’ālayta la munji minka illa ilayk“ (Oh Allah, leite mich mit denen recht, die Du rechtgeleitet hast. Bewahre mich mit denjenigen, denen Du vergeben hast. Nimm mich in Deine Obhut mit denen, die Du in Deine Obhut genommen hast. Segne mich in dem, was Du gegeben hast. Schütze mich vor dem Übel dessen, was Du vorbestimmt hast, denn Du bestimmst und niemand bestimmt über Dich. Denn Derjenige, den Du in Schutz nimmst, wird nicht erniedrigt, und niemand, den Du zum Feind nimmst, wird mächtig sein. Segensreich bist Du, unser Herr, und erhaben. Es gibt keine Zuflucht vor Dir außer bei Dir). (Abu Dawūd #1213; al-Nasā’i #1725; von al-Albāni in al-Irwa’ #429 als sahīh klassifiziert).  

Es wurde von `Ali ibn Abi Tālib berichtet, dass der Prophet (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) am Ende des Witr zu sagen pflegte: „Allāhumma inni a’ūdhu bi ridāka min sakhatika wa bi mu’āfātika min ‘uqūbatika wa a’ūdhu bika minka, la uhsi thana’an ‘alayka anta kama athnayta ‘ala nafsika“ (Oh Allah, ich suche Zuflucht bei Diener Zufriedenheit vor Deinem Zorn, bei Deiner Vergebung vor Deiner Straf und ich suche Zuflucht bei Dir vor Dir. Ich kann Dein Lob nicht aufzählen, Du bist, wie Du Dich Selbst gelobt hast). (al-Tirmidhi #1727; von al-Albāni in al-Irwa’ #430 als sahīh klassifiziert; Sahīh Abi Dawūd #1282).

Dann sollte man Segen auf den Propheten (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) senden, wie es von einigen der Sahābah (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) berichtet wurde, dass sie es am Ende des Qunūt al-Witr taten. Dazu gehören unter anderem Ubayy ibn Ka`b und Mu`ādh al-Ansāry (möge Allah mit ihnen zufrieden sein). (Siehe Tasbīh al-Du`ā’ von Scheikh Bakr Abu Zayd, S. 460). 

Qunūt in Zeiten der Bedrängnis (Qunūt al-Nāzilah): Wenn Qunūt in Zeiten der Bedrängnis gebetet wird, dann soll man ein Bittgebet sprechen, welches der Situation angemessen ist, wie es vom Propheten (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) berichtet wurde, dass er einige arabische Stämme verfluchte, die seine Gefährten betrogen und sie getötet hatten, und er betete für die schwachen und unterdrückten Gläubigen in Makkah, damit Allah sie bewahrte. Es wurde berichtet, dass `Umar Qunūt mit den folgenden Worten betete: „Allāhumma inna nasta’īnuka wa nu’minu bika, wa natawakkalu ‘alayka wa nuthni ‘alayka al-khayr, wa lā nakfuruka. Allāhumma iyyāka na’budu wa laka nusalli wa nasjudu, wa ilayka nas’ā wa nahfid. Narju rahmataka wa nakhsha ‘adhābaka, inna ‘adhābaka al-jadd bil kuffāri mulhaq. Allāhumma ‘adhdhib il-kafarata ahl al-kitāb alladhīna yasuddūna ‘an sabīlika“ (Oh Allah, wahrlich, wir erbitten Deine Hilfe, wir glauben an Dich, wir legen unser Vertrauen in Dich und wir loben Dich und sind Dir gegenüber nicht undankbar. Oh Allah, Dir allein dienen wir und Dich beten wir an und vor Dir werfen wir uns nieder, um Deinetwillen bemühen wir uns. Wir hoffen auf Deine Barmherzigkeit und fürchten Deine Strafe, denn Deine Strafe wird die Ungläubigen sicher erreichen. Oh Allah, bestrafe die Ungläubigen  von den Leuten der Schrift, die andere von Deinem Weg abhalten). (al-Bayhaqi 2/210; von al-Albāni in al-Irwa’  2/170 als sahīh klassifiziert).  

Al-Albāni sagte dazu: Dies wurde von `Umar über Qunūt im Fajr-Gebet berichtet und es scheint, dass dieser Qunūt ein Qunūt al-Nāzilah ist, wie durch sein Gebet gegen die Kuffār angezeigt wird. 

Wenn man nun fragt, ob man das Du`ā’ auch mit anderen als den hier erwähnten Worten sprechen kann, so lautet die Antwort: Ja, das ist erlaubt. Al-Nawawi sagte in al-Majmū` (3/497): „Die korrekte Ansicht, die definitiv von der Mehrheit der Gelehrten bestätigt wurde, lautet, dass es keine speziellen Worte gibt, sondern jedes Du`ā’ kann gesagt werden.“ 

Die von `Umar berichtete Version ist nichts, dem wir folgen müssen, und der Prophet (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) betete nicht unter Verwendung dieser Worte. Daher ist nichts Falsches daran, ihnen welche hinzuzufügen. Scheikh al-Albāni (möge Allah ihm barmherzig sein) sagte: „Es ist nicht Falsches daran, mehr als dies zu sagen, die Ungläubigen zu verfluchen, Segen auf den Propheten (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) zu senden und für die Muslime zu beten.“ (Qiyām Ramadān von al-Albāni, 31). 

Es bleibt eine wichtige Frage übrig: Sollte das Du`ā’ al-Qunūt vor der Rukū` (Verbeugung) gesprochen werden oder danach? 

Die Antwort lautet: Die meisten Ahādīth sowie die Ansicht der meisten Gelehrten bestätigen, dass Qunūt nach der Rukū` kommt, doch wenn man Qunūt vor der Rukū` sagt, dann ist das akzeptabel. Man hat also die Wahl, entweder Rukū` zu verrichten, nachdem man den Qur’ān rezitiert hat, sich dann zu erheben, „Rabbanā wa laka al-Hamd“ und anschließend Qunūt zu sagen oder Qunūt nach der Rezitation des Qur’āns zu sagen, dann „Allahu akbar“ und sich zu verbeugen. Beides wurde in der Sunnah berichtet. (Scheikh Muhammad ibn `Uthaymīn [möge Allah ihm barmherzig sein], al-Scharh al-Mumti` 4/64). 

Anmerkung: Der Fragesteller sagt, dass das beste der Gebete das ist, in welchem ein langer Qunūt gesprochen wird. Vielleicht bezieht er sich damit auf den bei Muslim (#1257) verzeichneten Hadīth von Jābir (möge Allah mit ihm zufrieden sein), in dem es heißt, dass der Prophet (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte: „Das beste Gebet ist Tūl al-Qunūt (das längste im Stehen).“ 

Al-Nawawi sagte: „Mit Qunūt ist hier das Stehen gemeint, gemäß dem Konsens der Gelehrten, soweit ich weiß.“ 

Der Hadīth bezieht sich also nicht auf Qunūt im Sinne des Du`ā’, das nach dem Erheben aus der Rukū` gesagt wird, sondern auf das Stehen für eine lange Zeit. 

Und Allah weiß es am besten. 

Islam Q&A
Scheikh Muhammad Salih al-Munajjid


Das Aufstehen in der Laylat al-Qadr und das Urteil über das Feiern dieser Nacht

Das Aufstehen in der Laylat al-Qadr und das Urteil über das Feiern dieser Nacht 

Frage (Nr. 48965): 

Wie sollten wir die Laylat al-Qadr verbringen? Sollen wir beten, im Qur’ān und in der Sīrah (der Biografie des Propheten) lesen, uns Reden und Unterrichte anhören und in der Moschee feiern? 

Antwort: 

Alles Lob gebührt Allah. 

Erstens: 

Der Gesandte Allahs (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) pflegte sich während der letzten zehn Tage des Ramadān um die Anbetung zu bemühen, wie er es zu keiner anderen Zeit tat, Qur’ān lesend und betend. Al-Bukhāri und Muslim berichteten von `Ā’ischah (möge Allah mit ihr zufrieden sein), dass der Prophet (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm), wenn die letzten zehn Tage des Ramadān begannen, in der Nacht aufstand, seine Familie weckte und sein unteres Kleidungsstück festzog. Ahmad und Muslim berichteten, dass er sich während der letzten zehn Tage des Ramadān hart um die Anbetung bemühte, wie zu keiner anderen Zeit sonst. 

Zweitens: 

Der Prophet (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) rief dazu auf, aufzustehen und in der Laylat al-Qadr aus Gläubigkeit und in der Hoffnung auf Belohnung zu beten. Es wurde von Abu Hurayrah (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet, dass der Prophet (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte: „Wer aufsteht und in der Laylat al-Qadr aus Gläubigkeit und in der Hoffnung auf Belohnung betet, dessen vorherige Sünden werden vergeben.“ (dies wurde von der Gruppe berichtet, abgesehen von ibn Mājah).  

Dieser Hadīth beweist, dass es empfohlen ist, aufzustehen und diese Nacht im Gebet zu verbringen. 

Drittens: 

Eines der besten Du`ā’, die in der Laylat al-Qadr rezitiert werden können, ist das, welches der Prophet (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) `Ā’ischah (möge Allah mit ihr zufrieden sein) beibrachte. Al-Tirmidhi berichtete, und stufte die Überlieferung als sahīh ein, dass `Ā’ischah sagte: „Ich sagte: `Oh Gesandter Allahs, wenn ich weiß, welche Nacht Laylat al-Qadr ist, was sollte ich in dieser Nacht sagen?` Er antwortete: `Sag: Allāhumma innaka `afuwwun tuhibb al-`afwa fa`affu `anni (Oh Allah, Du bist vergebend und Du liebst die Vergebung, so vergib mir).`“ 

Viertens: 

Die Bestimmung, welche Nacht im Ramadān Laylat al-Qadr ist, bedarf eines spezifischen Beweises, doch die Nächte mit einem ungeraden Datum während der letzten zehn Nächte sind wahrscheinlicher als andere und die Nacht des 27. ist am wahrscheinlichsten Laylat al-Qadr, aufgrund der Ahādīth, die dies bestätigen. 

Fünftens: 

Was Neuerungen anbelangt, so sind sie weder während des Ramadān noch zu anderen Zeiten erlaubt sind. 

Es ist bewiesen, dass der Gesandte Allahs (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte: „Wer auch immer etwas Neues in dieser unserer Angelegenheit (den Islam) einführt, was nicht Teil davon ist, der wird zurückgewiesen werden.“ Gemäß einem anderen Bericht heißt es: „Wer auch immer eine Handlung durchführt, die nicht Teil dieser unserer Angelegenheit ist, der wird abgewiesen werden.“ 

Uns ist keine Grundlage für die Feierlichkeiten, die während einiger Nächte des Ramadān abgehalten werden, bekannt. Die beste Führung ist die Führung von Muhammad (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) und die schlechtesten aller Angelegenheiten sind die, die neu eingeführt wurden (Bid`ah). 

Und Allah ist die Quelle der Stärke. Möge Allah Segen und Frieden auf unseren Propheten Muhammad senden und auf seine Familie und die Gefährten. 

Fatāwa al-Lajnah al-Dā’imah, 10/413


Wie sollten wir die Laylatu-l-Qadr verbringen und wann ist sie?

Wie sollten wir die Laylatu-l-Qadr verbringen und wann ist sie? 

Frage (Nr. 36832): 

Wie sollten wir die Laylatu-l-Qadr verbringen? Durch Beten oder das Lesen des Qur’āns und der Sīrah des Propheten (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm), das Hören von Vorträgen und Lektionen und indem wir sie in der Moschee feiern? 

Antwort: 

Alles Lob gebührt Allah. 

Erstens: 

Der Gesandte Allahs (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) pflegte sich während der letzten zehn Tage des Ramadān um die Anbetung zu bemühen, wie er es zu keiner anderen Zeit tat – durch Beten, Qur’ān Lesen und Du`ā’. Al-Bukhāri und Muslim berichteten von `Ā’ischah (möge Allah mit ihr zufrieden sein), dass der Prophet (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) in der Nacht aufstand und seine Familie weckte und sich der ehelichen Beziehungen enthielt, wenn die letzten zehn Tage des Ramadān anbrachen. Ahmad und Muslim berichteten, dass er sich während der letzten zehn Tage des Ramadān hart um die Anbetung bemühte, wie zu keiner anderen Zeit. 

Zweitens: 

Der Prophet (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) rief dazu auf, aufzustehen und in der Laylat al-Qadr aus Gläubigkeit und in der Hoffnung auf Belohnung zu beten. Es wurde von Abu Hurayrah (möge Allah mit ihm zufrieden sein) berichtet, dass der Prophet (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte: „Wer aufsteht und in der Laylat al-Qadr aus Gläubigkeit und in der Hoffnung auf Belohnung betet, dessen vorherige Sünden werden vergeben.“ (einstimmig angenommen).  

Dieser Hadīth beweist, dass es empfohlen ist, die Laylat al-Qadr durch das Verbleiben der Nacht im Gebet zu verbringen. 

Drittens: 

Eines der besten Du`ā’, die in der Laylat al-Qadr rezitiert werden können, ist das, welches der Prophet (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) `Ā’ischah (möge Allah mit ihr zufrieden sein) beibrachte. Al-Tirmidhi berichtete, und stufte die Überlieferung als sahīh ein, dass `Ā’ischah sagte: „Ich sagte: `Oh Gesandter Allahs, wenn ich weiß, welche Nacht Laylat al-Qadr ist, was sollte ich in dieser Nacht sagen?` Er antwortete: `Sag: Allāhumma innaka `afuwwun tuhibb al-`afwa fa`affu `anni (Oh Allah, Du bist vergebend und Du liebst die Vergebung, so vergib mir).`“ 

Viertens: 

Die Bestimmung, welche Nacht im Ramadān Laylat al-Qadr ist, bedarf eines spezifischen Beweises, doch die Nächte mit einem ungeraden Datum während der letzten zehn Nächte sind wahrscheinlicher als andere und die Nacht des 27. ist am wahrscheinlichsten Laylat al-Qadr, denn das wird in den Ahādīth erwähnt. 

Fünftens: 

Es gibt Neuerungen, die während des Ramadān oder zu anderen Zeiten nicht erlaubt sind. 

Es ist bewiesen, dass der Gesandte Allahs (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte: „Wer auch immer etwas Neues in dieser unserer Angelegenheit einführt, was nicht Teil davon ist, der wird zurückgewiesen werden.“ Gemäß einem anderen Bericht heißt es: „Wer auch immer eine Handlung durchführt, die nicht Teil dieser unserer Angelegenheit ist, der wird abgewiesen werden.“ 

Uns ist keine Grundlage für die Feierlichkeiten, die während einiger Nächte des Ramadān abgehalten werden, bekannt. Die beste Führung ist die Führung von Muhammad (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) und die schlechtesten aller Angelegenheiten sind die, die neu eingeführt wurden (Bid`ah). 

Und Allah ist die Quelle der Stärke. Möge Allah Segen und Frieden auf unseren Propheten Muhammad senden und auf seine Familie und die Gefährten. 

Das Beständige Komitee für akademische Forschung und die Ausgabe von Fatwas, 10/413


Die Anzahl der Raka`āt im Tarāwīh-Gebet

Die Anzahl der Raka`āt im Tarāwīh-Gebet 

Frage (Nr. 9036): 

Es ist authentisch überliefert, dass der Prophet Muhammad (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) dreimal im Ramadān Tarāwīh betete und es bestand aus 11 Raka`āt. Auch in dem Buch „Qiyām und Tarāwīh“ von Scheikh Nāsir Dīn al-Albāni (möge Allah ihm barmherzig sein) wird bestätigt, dass das Tarāwīh aus 11 Raka`āt bestehen sollte. Die Sunnah sind 11 Raka`āt.  

Die Frage, die für Verwirrung und Diskussionen sorgt, ist, ob die Anzahl der Raka`āt 11 oder 20 sein sollte. In den meisten Hanafi Masjids in den Vereinigten Staaten verrichtet der Imām 20 Raka`āt. Ob der Imām 20 oder 11 Raka`āt betet, er vervollständigt den gesamten Qur’ān im Laufe des Ramadān. Die Leute sind sehr empfindlich in dieser Angelegenheit, sodass sie zu einem Gesprächsthema in Versammlungen geworden ist. Diejenigen, die 20 Raka`āt beten, beschuldigen die andere Gruppe, die 11 Raka`āt verrichtet, auf dem falschen Weg zu sein und andersherum. Das ist eine schlimme Fitnah in den Vereinigten Staaten, die zu Uneinigkeit führt. Einige Leute führen immer an, dass der Imām in der Moschee des Propheten 20 Raka`āt betet und auch in Masjidu-l-Harām in Makkah betet der Imām 20 Raka`āt.  

Bitte erläutert daher die folgenden Angelegenheiten: 

1.             Wenn es Sunnah ist, 11 Raka`āt zu beten, warum verrichten die Imāme in der Moschee des Propheten in Madina und in Masjidu-l-Harām dann das Gebet mit 20 Raka`āt? Warum handeln sie entgegen der Sunnah?

2.             Warum beträgt die Anzahl der Raka`āt beim Tarāwīh in der Moschee des Propheten und in Masjidu-l-Harām 20 Raka`āt? 

Antwort: 

Alles Lob gebührt Allah. 

Wir denken nicht, dass die Muslime so empfindlich in Angelegenheiten sein sollten, die einer Meinungsverschiedenheit der Gelehrten unterliegen, oder dass sie sie als Grund für Teilung und Fitnah unter den Muslimen nehmen sollten. 

Scheikh ibn `Uthaymīn (möge Allah ihm barmherzig sein) sagte, als er über die Situation desjenigen sprach, der 10 Raka`āt mit dem Imām betet, sich dann setzt und auf Witr wartet und somit das Tarāwīh nicht mit dem Imām beendet: „Es bekümmert uns sehr, dass wir in der muslimischen Ummah eine Gruppe finden, die sich über Angelegenheiten streitet, bei der Meinungsverschiedenheiten akzeptabel sind, und sie nehmen diese Differenzen als Mittel, um Spaltung hervorzurufen. Es gab auch zur Zeit der Sahābah Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Ummah, doch blieben sie vereint. Insbesondere die Jugendlichen und all jene, die dem Islam angehören, müssen vereint bleiben, denn sie haben Feinde, die auf der Lauer liegen.“ (al-Scharh al-Mumti` 4/225). 

Zwei Gruppen sind in dieser Sache extrem geworden. Die erste Gruppe verurteilt jeden, der mehr als 11 Raka`āt betet, und stempelt es als Bid`ah ab. Die zweite Gruppe verurteilt diejenigen, die nur 11 Raka`āt beten, und behauptet, dass sie gegen den Konsens der Gelehrten (Ijmā`) gehen. 

Schauen wir uns an, was Scheikh ibn `Uthaymīn (möge Allah ihm barmherzig sein) sagte: „Wir sagen, dass man weder extrem übertreiben noch nachlässig sein sollte. Einige Leute übertreiben im Festhalten an der Anzahl, die in der Sunnah erwähnt wird, und sagen, dass es nicht erlaubt sei, mehr als diese in der Sunnah genannte Anzahl zu verrichten, und sie verurteilen diejenigen, die mehr machen, sehr aggressiv und sagen, dass sie Sünder seien. 

Dies ist zweifelsohne falsch. Wie können sie Sünder sein, wenn der Prophet (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm), als er über die Nachtgebete befragt wurde, sagte, dass sie als Zwei und Zwei verrichtet werden, wobei er keine bestimmte Anzahl nannte? Natürlich wusste derjenige, der ihn über das Nachtgebet befragte, die Anzahl nicht, denn wenn er schon nicht wusste, wie es verrichtet wird, dann ist es noch wahrscheinlicher, dass er die Anzahl auch nicht kannte. Und er war keiner von denen, die dem Propheten (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) dienten, sodass wir sagen könnten, dass er wusste, was in dessen Haus geschah. Da der Prophet (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) ihm sagte, wie es zu verrichten ist, aber er sagte nicht, wie oft, kann daraus verstanden werden, dass die Angelegenheit weit gefasst ist und dass jemand 100 Raka`āt verrichten und danach Witr mit einem Raka`ah beten kann. 

Bezüglich der Worte des Propheten (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm): „Betet, wie ihr mich habt beten sehen“ lässt sich sagen, dass dies nicht im absoluten Sinne zutrifft, selbst für diese Leute. Daher sagen sie nicht, dass man Witr manchmal mit fünf Raka`āt beten sollte und manchmal mit sieben und manchmal mit neun Raka`āt. Würden wir es im absoluten Sinne verstehen, dann würden wir Witr manchmal mit fünf Raka`āt beten und manchmal mit sieben und manchmal mit neun. Doch mit dem Hadīth ist gemeint: Betet, wie ihr mich beten gesehen habt hinsichtlich der Art des Gebets und nicht hinsichtlich der Anzahl der Raka`āt, es sei denn, es gibt einen Text, um die Anzahl zu bestimmen. 

Was auch immer der Fall ist, man sollte nicht streng mit den Menschen sein in einer Angelegenheit, die weit gefasst ist. Wir haben sogar einige Brüder gesehen, die streng in dieser Hinsicht sind und die die Imāme, die mehr als 11 Raka`āt beten, der Bid`ah beschuldigen und die deren Moschee verlassen und somit die Belohnung verpassen, von der der Gesandte Allahs (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte: „Wer mit dem Imām steht, bis dieser (das Gebet) beendet, für den wird die Belohnung von Qiyām al-Layl verzeichnet.“ (al-Tirmidhi #806; von al-Albāni in Sahīh al-Tirmidhi #646 als sahīh klassifiziert). Einige von ihnen setzen sich sogar hin, nachdem zehn Raka`āt gebetet wurden, wodurch sie die Reihen der Betenden unterbrechen, und manchmal beginnen sie sich zu unterhalten und stören diejenigen, die beten. 

Wir haben keinen Zweifel daran, dass ihre Absicht gut ist und dass sie ihr Bestes tun, um zur richtigen Entscheidung zu kommen, doch das bedeutet nicht, dass sie Recht haben. 

Die andere Gruppe tut das Gegenteil. Sie verurteilt diejenigen, die nur 11 Raka`āt beten, hart und sagt, dass sie dem Konsens der Gelehrten zuwider handeln. Allah sagt (ungefähre Bedeutung): Wer aber dem Gesandten (Muhammad) entgegenwirkt, nachdem ihm die Rechtleitung klar geworden ist, und einem anderen Weg als dem der Gläubigen folgt, werden Wir dem zukehren, dem er sich zugekehrt hat, und ihn der Hölle aussetzen, und (wie) böse ist der Ausgang!“ (4:115).

All die Generationen, die vor euch kamen, kannten nur die Anzahl von 23 Raka`āt und sie verurteilten jeden, der etwas anderes sagt.“ (al-Scharh al-Mumti` 4/73-75). 

Hinsichtlich des Beweises, der von denjenigen angeführt wird, die sagen, dass es nicht erlaubt sei, mehr als acht Raka`āt im Tarāwīh zu verrichten, so führen sie den Hadīth von Abu Salamah ibn `Abd al-Rahmān an, der `Ā’ischah (möge Allah mit ihr zufrieden sein) fragte: „Wie betete der Gesandte Allahs (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) während des Ramadān?“ Sie antwortete: „Er betete nicht mehr als 11 Raka`āt im Ramadān oder zu anderen Zeiten. Er betete vier und frag nicht danach, wie schön und lang sie waren, dann betete er drei. Ich sagte: `Oh Gesandter Allahs, wirst du schlafen, bevor du Witr betest?` Er sagte: `Oh `Ā’ischah, meine Augen schlafen, doch mein Herz nicht.`“ (al-Bukhāri #1909; Muslim #738). 

Sie sagten: Dieser Hadīth beweist, dass der Gesandte Allahs bei seinen nächtlichen Gebeten im Ramadān und zu anderen Zeiten beständig war. 

Die Gelehrten lehnten diese Verwendung des Hadīth als Beweis mit der Begründung ab, dass es dies ist, was der Gesandte Allahs (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) tat, doch die Tatsache, dass er etwas tat, impliziert nicht, dass es obligatorisch ist. 

Der Beweis, dass es keine festgesetzte Anzahl für die Nachtgebete gibt – was das Tarāwīh mit einschließt – ist der Hadīth von ibn `Umar, demgemäß ein Mann den Gesandten Allahs (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) über das Gebet in der Nacht befragte. Der Prophet (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte: „Die Gebete in der Nacht werden als Zwei und Zwei verrichtet (zwei Raka`āt auf einmal). Wenn einer von euch fürchtet, dass die Zeit der Morgendämmerung anbricht, dann soll er ein Rak`āh als Witr verrichten.“ (al-Bukhāri #846; Muslim #749). 

Wenn wir das betrachten, was die Gelehrten der bekannten Rechtsschulen sagten, dann werden wir eindeutig feststellen, dass die Angelegenheit weit gefasst ist und dass nichts Falsches daran ist, mehr als 11 Raka`āt zu verrichten. 

Al-Sarkhasi, einer der Imāme der hanafitischen Schule sagte: „Es sind 20 Raka`āt, abgesehen von Witr, nach unserer Meinung.“ (al-Mabsūt 2/145). 

Ibn Qudāmah sagte: „Die zu bevorzugende Meinung nach Abu `Abd-Allah (d. h. Imām Ahmad, möge Allah ihm barmherzig sein) ist, dass es 20 Raka`āt sind. Dies war die Ansicht von al-Thauri, Abu Hanīfah und al-Schāfa`i. Mālik sagte, dass es 36 seien.“ (al-Mughni 1/457) 

Al-Nawawi sagte: „Das Tarāwīh-Gebet ist eine Sunnah gemäß dem Konsens der Gelehrten. Unsere Meinung lautet, dass es aus 20 Raka`āt mit 10 Taslīm besteht und es ist erlaubt, es allein zu beten oder in der Gemeinschaft.“ (al-Majmū` 4/31). 

Dies sind die Meinungen der vier Imāme über die Anzahl der Raka`āt des Tarāwīh-Gebets. Sie alle sprachen von mehr als 11 Raka`āt. Zu den Gründen, warum sie mehr als 11 Raka`āt nannten, können die folgenden gehören: 

  • Sie dachten, dass der Hadīth von `Ā’ischah nicht so zu verstehen ist, dass damit eine genaue Anzahl gemeint war.

  • Eine größere Anzahl wurde von vielen der Salaf berichtet (siehe al-Mughni 2/604; al-Majmū` 4/32).

  • Der Prophet (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) pflegte 11 Raka`āt zu beten und machte diese sehr lang, bis zu dem Ausmaß, dass es den größten Teil der Nacht in Anspruch nahm. Tatsächlich führte der Prophet (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) seine Gefährten in einer Nacht beim Tarāwīh-Gebet und er beendete dieses Gebet erst kurz vor der Morgendämmerung und die Sahābah befürchteten, dass sie Suhūr verpassen könnten. Die Sahābah (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) liebten es, hinter dem Propheten (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) zu beten, und sie empfanden es nicht zu lang. Die Gelehrten dachten, dass, wenn der Imām das Gebet zu lang macht, es zu schwierig für die Teilnehmer des Gemeinschaftsgebets sein und dass es sie abschrecken könnte. Daher dachten sie, dass der Imām die Rezitation kürzer halten und die Anzahl der Raka`āt erhöhen sollte.  

Der Punkt ist, dass derjenige, der 11 Raka`āt auf die Art und Weise betet, wie sie vom Propheten (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) berichtet wurde, es gut macht und der Sunnah folgt. Wer die Rezitation verkürzt und die Anzahl der Raka`āt erhöht, macht es ebenfalls gut. Jemand, der eines dieser beiden Dinge macht, kann nicht verurteilt werden.  

Scheikh al-Islam ibn Taymiyah sagte: „Wenn jemand Tarāwīh entsprechend den Madhhab von Abu Hanīfah, al-Schāfa`i und Ahmad mit 20 Raka`āt betet oder entsprechend der Madhhab von Mālik mit 36 Raka`āt oder mit 13 oder 11 Raka`āt, so hat er es gut gemacht, wie Imām Ahmad sagte, denn es gibt nichts, wodurch die Anzahl festgelegt werden könnte. Die größere oder kleinere Anzahl der Raka`āt hängt also davon ab, wie lang oder kurz der Qiyām (das Stehen im Gebet) andauert.“ (al-Ikhtiyārāt, S. 64). 

Al-Suyūti sagte: „Was in den sahīh und hasan Ahādīth berichtet wurde, ist die Anweisung, die Nachtgebete während des Ramadān zu verrichten, wozu ohne eine genaue Anzahl angehalten wird. Es ist nicht bewiesen, dass der Prophet (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) 20 Raka`āt beim Tarāwīh betete, sondern vielmehr, dass er in der Nacht betete, mit einer unbestimmten Anzahl an Raka`āt. Dann unterließ er es in der vierten Nacht, damit es nicht obligatorisch für sie wurde und sie nicht in der Lage wären, es zu tun.“  

Ibn Hajar al-Haythami sagte: „Es gibt keinen sahīh Bericht darüber, dass der Prophet (Allahs Frieden und Segen seien auf ihm) 20 Raka`āt beim Tarāwīh betete. Die Überlieferung, in der es heißt, dass er „20 Raka`āt zu beten pflegte“ ist äußerst schwach (da`īf).“ (al-Mausū`ah al-Fiqhiyyah, 27/142-145). 

Man sollte daher nicht überrascht sein, wenn manche Leute beim Tarāwīh-Gebet 20 Raka`āt verrichten. Es gab Generationen solcher Imāme (die 20 Raka`āt zu beten pflegten) und sie alle waren gut. 

Und Allah weiß es am besten. 

Islam Q&A