Die Ahādīth über den Mahdi und das Herabkommen von `Īsa (Friede sei auf ihm) sind kein Grund, das eigene Bemühen zu unterlassen
Frage (Nr. 39187):
Einige Leute nehmen die Ahādīth über den Mahdi und das Herabkommen von `Īsa (Friede sei auf ihm) zum Anlass, sich nicht mehr um den Islam zu bemühen und sie sitzen herum und warten auf das Erscheinen des Mahdi oder von `Īsa, damit der Islam und die Muslime zu ihrer Stärke gelangen. Wie lautet eure Meinung zu dieser Haltung?
Antwort:
Alles Lob gebührt Allāh.
Dies missliche Lage, in der sich die muslimische Ummah heute befindet, ist sehr schändlich und jeder Muslim ist verantwortlich dafür, sie zu ändern. Doch einige Muslime versagen in dieser Hinsicht, verlassen sich auf ihre Hoffnungen und vermeiden es, irgendetwas zu tun, um die Situation der Ummah zu verbessern, auf der Grundlage ihrer Ansicht, dass diese durch jene verursacht wurde, die vor uns waren, und dass sie durch jene verbessert wird, die nach uns kommen. Somit versagen sie in ihrem Bemühen, Allāhs Religion zu unterstützen, weil sie meinen, dass der Mahdi derjenige sein wird, der das tun wird.
Sie suchen Zuflucht in bloßer Hoffnung, ohne die Mittel einzusetzen, die im Islam vorgeschrieben sind. Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Es geht weder nach euren Wünschen (denen der Muslime) noch nach den Wünschen der Leute der Schrift (Juden und Christen). Wer Böses tut, dem wird es vergolten, und der findet für sich außer Allāh weder Schutzherrn noch Helfer. “ (4:123).
Diese negative Einstellung, an der einige Muslime heutzutage leiden, ist nichts, was durch die islamischen Texte empfohlen wird, sondern es ist ein falsches Verständnis, Unfähigkeit und Faulheit und eine Umgehung der Veranwortlichkeit.
Allāh hat den Muslimen befohlen, sich für diese Religion einzusetzen und die Menschen dazu aufzurufen, mit den Kuffār zu debattieren, sie mit Weisheit und schöner Rede zum Islam einzuladen und sie zu bekämpfen, bis es keinen Schirk mehr auf der Erde gibt. Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Und kämpft gegen sie, bis es keine Verfolgung mehr gibt (bzw. bis es keine Fitnah – d. h. Unglauben und Polytheismus, also die Anbetung anderer neben Allāh – gibt) und (bis) die Religion gänzlich Allāhs ist (auf der gesamten Welt). Wenn sie jedoch aufhören (andere neben Allāh anzubeten), so sieht Allāh wohl, was sie tun.“ (8:39).
Ibn Kathīr (möge Allāh ihm barmherzig sein) sagte: „Hier befiehlt Allāh uns, die Kuffār zu bekämpfen, bis „es keine Fitnah mehr gibt“, d. h. Schirk, und „die Religion gänzlich Allāhs ist“, d. h. die Religion Allāhs wird diejenige sein, die über alle anderen Religionen herrscht.“
Dieser Befehl ist nicht speziell auf irgendeine Zeit oder einen Ort bezogen, sondern die Muslime sind zu allen Zeiten und an allen Orten angewiesen, das zu tun. Zweifellos erfordert das Bemühen für den Islam und dessen Unterstützung auf der Erde von den Muslimen harte Arbeit, große Anstrengung und die Anwendung aller Mittel, die diesem Ziel dienen.
Einige Leute missverstehen die Ahādīth, die vom Erscheinen des Mahdi oder dem Herabsteigen `Īsas ibn Maryam (Friede sei auf ihm) handeln, und sie werden apathisch, sitzen und warten auf den Mahdi oder den Messias, unterlassen es, die Menschen zu Allāh aufzurufen und sich darum zu bemühen, Allāhs Wort zum höchsten zu machen. Doch Allāh, erhaben ist Er, und Sein Gesandter (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) haben uns aufgetragen, die Mittel anzuwenden und uns auf dieser Welt zu bemühen.
Allāh sagt (ungefähre Bedeutung):
„O die ihr glaubt, seid auf eurer Hut. Und rückt dann in Trupps aus oder rückt alle aus.“ (4:71)
„Und haltet für sie bereit, was ihr an Kraft und an kampfbereiten Pferden (Tanker, Flugzeuge, Raketen, Artillerie, …) haben könnt, um damit den Feinden Allāhs und euren Feinden Angst zu machen …“ (8:60) „Er ist es, Der euch die Erde fügsam gemacht hat (zum Laufen, leben und um sie zu bebauen). So geht auf ihrem Rücken einher und esst von dem, womit Er (euch) versorgt. Und zu Ihm wird die Auferstehung sein.“ (67:15)
„… und darum sollen die Wettbewerber wettkämpfen (d. h. sich beeilen mit dem Gehorsam Allāh gegenüber)“ (83:26) „Für ein Solches sollen diejenigen, die handeln, (ihre Werke) tun.“ (37:61)
„Wer das Jenseits will und sich darum bemüht, wie es ihm zusteht (d. h. mit rechtschaffenen Taten im Gehorsam Allāh gegenüber), wobei er gläubig ist (an die Einheit Allāh, den islamischen Monotheismus), – denen wird für ihr Bemühen gedankt (sie werden von Allāh belohnt).“ (17:19)
„…Und versorgt euch mit Reisevorrat, doch der beste Vorrat ist die Gottesfurcht (al-Taqwa). …“ (2:197).
Der Gesandte Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) pflegte für alles Vorbereitungen zu treffen und einen Plan zu erstellen, wie auch während der Hijrah, als er Reittiere und einen Führer organisierte und einen Reisegefährten auswählte sowie ein Versteck, bis die Verfolgung eingestellt wurde, und dies alles im Geheimen. So pflegte er bei all seinen Feldzügen zu handeln und so schulte er seine Gefährten. Sie selbst pflegten sich mit allen Arten von Waffen vorzubereiten. Der Gesandte Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) betrat Makkah mit seinem Helm auf dem Kopf, obwohl Allāh sagte (ungefähre Bedeutung): „…Allāh wird dich vor den Menschen schützen. …“ (5:67).
Und wenn er wegen des Jihad oder der Hajj oder der `Umrah verreiste, nahm er seine Versorgung mit.
Der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte: „Bemüht euch um das, was euch Nutzen bringt, und sucht die Hilfe bei Allāh und seid nicht hilflos.“ (Muslim #2664).
Wir können uns vorstellen, was das Schicksal der Da`wah und der Ummah gewesen wäre, wenn die früheren Generationen den Aufruf aufgegeben hätten, bis der Mahdi erscheint. Hätten sie die Tartaren und die Kreuzritter besiegt oder Konstantinopel eingenommen?
Dieses falsche Verständnis der islamischen Texte, die vom Mahdi und dem Messias (Friede sei auf ihm) handeln, wurde von vielen Gelehrten, Dā`iyah und Autoren widerlegt.
Scheikh al-Albāni (möge Allāh ihm barmherzig sein) sagte: „Es ist den Muslimen nicht erlaubt, das Bemühen um den Islam zu ignorieren sowie die Errichtung eines islamischen Staates auf Erden, während sie auf das Erscheinen des Mahdi und das Herabkommen von `Īsa (Friede sei auf ihm) warten, völlig verzweifelt oder in der Vorstellung, dass so etwas vorher nicht möglich sei. Das ist eine irrige Auffassung und unangebrachte Verzweiflung. Allāh und Sein Gesandter (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) sagten uns nicht, dass der Islam nicht zurückkommen oder Macht auf Erden wiedererlangen könnte außer zu deren Zeit. Es ist möglich, das bereits zu erreichen, bevor sie kommen, wenn die Muslime die vorhandenen Möglichkeiten dazu nutzen, denn Allāh sagt (ungefähre Bedeutung):
„O die ihr glaubt, wenn ihr Allāh(s Sache) helft, hilft Er euch und festigt eure Füße.“ (47:7)
„… Und Allāh wird ganz gewiss denjenigen helfen, die Ihm (Seiner Sache) helfen. …“ (22:40).
Hinsichtlich der Ahādīth, die vom Herabkommen `Īsas (Friede sei auf ihm) usw. handeln, ist es obligatorisch, an sie zu glauben und jene zurückzuweisen, die denken, dass aus ihnen hervorginge, wir müssten uns nicht bemühen, und uns auf das vorzubereiten, was zu irgendeiner Zeit und an irgendeinem Ort getan werden muss.
Professor `Abd al-`Azīz Mustafa sagte: „Das Bemühen im Jihad gegen die Kuffār – unabhängig davon, wer sie sind und wo sie sind und in welcher Zeit sie sich befindent – ist eine Pflicht gemäß der Scharī`ah und dies wurde nicht aufgehoben. Das ist eine etablierte islamische Tatsache. Dieser Jihad ist obligatorisch, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind und wenn die diesbezüglich Richtlinien und Regeln zutreffen. Es ist keine dieser Voraussetzungen, Richtlinien oder Regeln, dass der Jihad verzögert werden sollte, bis die Voraussagen (über den Mahdi und den Messias) erfüllt wurden, und so verstanden es auch die ersten Muslime nicht oder handelten dementsprechend. Als ihnen gesagt wurde, dass Allāh die Macht Chosraus durch ihre Schwerter brechen würde, versteckten sie sich nicht in ihren Häusern, darauf wartend, dass die Voraussage ohne ihre Anstrengungen eintreffen würde, sondern sie trafen ihre Vorbereitungen bis der Sieg eintrat. Somit überschnitten sich die Konsequenzen aus dem Gehorsam gegenüber Allāhs Befehl (d. h. der Kampf gegen die Kuffār) mit denen aus der Bestimmung Allāhs (d. h. dass das Königreich zerstört werden sollte). Doch einige Muslime sagen in der heutigen Zeit: Nein, der Jihad gegen die Juden sollte nicht vollzogen werden bis der Dajjāl erscheint. Möglicherweise ist dies Teil der Fitnah des Dajjāl in dieser Welt.“
Diese närrische Auffassung hat einen Teil der muslimischen Jugend erfasst und sie weigern sich, Verantwortung hinsichtlich der Masjid al-Aqsa zu übernehmen, deren Umgebung Allāh gesegnet hat. Und sogar eine noch närrischere Auffassung hat sie erfasst, nämlich dass der islamische Staat und das Kalifat niemals begründet werden können bis der Mahdi erscheint.
Das ist eine sehr merkwürdige Vorstellung. Durch ihre Handlungen ist es, als wenn sie zu den Juden sagen: Behandelt eure Feinde grob, und als wenn sie zu den Christen sagen: Fahrt fort mit euren falschen Taten… und zu den Muslimen: Bleibt bei eurer Spaltung und euren Konflikten… bis der Mahdi erscheint. Ich weiß nicht, aufgrund welchen Beweises sie diesem Fehler verfallen sind und warum sie glauben, dass der Mahdi Menschen erscheint, die nichts tun, oder dass teilnahmslose Menschen ihn unterstützen würden.
Wir bitten Allāh darum, die Muslime zu ihrer Religion zurückzubringen.
Und Allāh weiß es am besten.
Siehe: al-Mahdi wa Fiqh Aschrāt al-Sā`ah von Scheikh Muhammad ibn Ismā`īl al-Muqaddim
Islam Q&A